„Schickeria“: Amazon erkundet Zeit, „als München noch sexy war“

    Iris Berben und Thomas Gottschalk in vierteiliger Doku

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier – 02.08.2022, 18:10 Uhr

    "Schickeria": Amazon erkundet Zeit, "als München noch sexy war" – Iris Berben und Thomas Gottschalk in vierteiliger Doku – Bild: Prime Video/Constantin Dokumentation

    Zu den angekündigten Neuveröffentlichungen im August bei Prime Video gehört „Schickeria – Als München noch sexy war“. Als der Streamingdienst von Amazon seine Monats-Highlights verkündete, blieb man Details hierzu schuldig, doch nun ist mehr über den Inhalt bekannt. Bei der am 19. August kommenden Eigenproduktionen handelt es sich um eine vierteilige Dokumentation, die sich mit der wohl schillerndsten Epoche Münchens beschäftigt.

    In vier je 45-minütgen Episoden wird ein Zeitalter beleuchtet, in dem das Laute, Rebellische, Verruchte, Mondäne und Visionäre fest zur kulturellen Identität der damaligen „heimlichen Hauptstadt Deutschlands“ gehörte. Die Schickeria war ein internationaler „Place to be“ und Magnet für alle, die auf der Suche nach einem außergewöhnlichen, exzentrischen und enthemmten Leben waren.

    Mit Hilfe prominenter Chronisten, darunter Iris Berben, Thomas Gottschalk, die Münchner Gastro-Legende Kay Wörsching, die Rotlicht-Größe Walter Staudinger sowie der berüchtigte Klatschreporter Michael Graeter, verspricht Prime Video brisante, delikate und zum Teil noch unveröffentlichte Geschichten aus jener ganz besonderen Zeit – beginnend mit der Olympia-Bewerbung 1965 bis zur berühmt-berüchtigten Geburtstagsparty von Freddie Mercury im Münchner Travestie-Club „Old Mrs. Henderson“ 1985. Szenen daraus finden sich in seinem legendären Musikvideo zu „Living On My Own“.

    Thomas Gottschalk Constantin Dokumentation

    Der Duden beschreibt als Schickeria die damals in der Mode und im gesellschaftlichen Leben tonangebende Schicht. Als Schickeria wurde in den späten 1970ern und in den 1980er Jahren vor allem die Szene im Münchner Stadtteil Schwabing bezeichnet, die für ihre Dekadenz und schillernden Partys berüchtigt war. Der verstorbene Modedesigner Rudolph Moshammer galt etwa aufgrund seines extravaganten Auftretens als Paradebeispiel für die Münchener Schickeria. Berühmtheiten wie Jack Nicholson, Sean Connery und Brigitte Bardot gaben sich die Ehre – und die Rolling Stones und Queen nahmen in den Musicland Studios von Giorgio Moroder im Arabella-Hochhaus Platten auf. Die Schickeria-Szene wurde von Helmut Dietl in den Kultserien „Kir Royal“ und „Monaco Franze“ herrlich karikiert. Nach der Wiedervereinigung verlor München als Szenestandort immer mehr an Bedeutung und wurde schließlich durch die Berliner Hipsterszene abgelöst.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am

      Klingt leider sehr nach romantischer Verklärtheit, wie damals zur Zeiten der "Ostalgie", in der die Diktatur der DDR durch Erinnerungen an Pitti Platsch und Spreewaldgurken verniedlicht wurden. Ich schätze mal, hier wird sich schön auf die Schulter geklopft und an die schönen Klamotten und schillernden Parties erinnert werden, ohne den Drogenmissbrauch und die sexuellen Übergriffe der Szene zu thematisieren.

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