„1, 2 oder 3“: Die langlebigste Show Deutschlands feiert 40. Geburtstag

    Rückblick auf die Geschichte der populären Kinder-Spielshow

    Glenn Riedmeier – 22.07.2017, 09:00 Uhr

    „1, 2 oder 3“: Michael Schanze / Elton und Piet Flosse

    Heute Abend strahlt das ZDF die große Jubiläumsausgabe von „1, 2 oder 3“ zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr aus. Und das völlig zu Recht, denn es handelt sich um die allererste richtige Kinder-Spielshow überhaupt, die als Lizenzproduktion im ZDF, im ORF und im Schweizer Fernsehen lief. Darüber hinaus ist „1, 2 oder 3“ mit seiner 40-jährigen Laufzeit die am längsten durchgehend gezeigte Show im deutschen Fernsehen – noch vor „Verstehen Sie Spaß?“, das seit 37 Jahren auf Sendung ist.

    „1, 2 oder 3, du musst dich entscheiden, drei Felder sind frei … “ – diesen Ohrwurm kann heute noch jedes Kind der 70er und 80er mühelos mitsingen. Michael Schanze führte von 1977 bis 1985 als erster Moderator durch die vor allem in der Anfangszeit äußerst beliebte Spielshow und sang auch das bekannte Titellied. Das simple, aber wirkungsvolle Spielprinzip wurde bis heute beibehalten: Pro Ausgabe treten drei Kinder-Teams aus Deutschland, Österreich und einem wechselnden weiteren Land (bis Ende 2006 stets aus der Schweiz) gegeneinander an, um Fragen zu einem übergreifenden Thema der jeweiligen Sendung zu beantworten. Die Kinder sind allesamt Viert- oder Fünftklässler, rennen kreuz und quer auf dem Spielfeld hin und her und müssen sich schließlich durch Springen auf eines der drei Antwortfelder entscheiden. Zur Auflösung erstrahlt das richtige Feld, während die anderen beiden Felder dunkel bleiben. Die richtigen Antworten werden mit Hilfe von Experten und Experimenten veranschaulicht.

    Michael Schanze führt das „Plopp“ vor (Bild: ZDF/Televersal)
    Michael Schanze führt das „Plopp“ vor (Bild: ZDF/Televersal)

    Legendär wurde in der ursprünglichen Version das „Plopp“-Geräusch von Michael Schanze, das er mit dem Zeigefinger im Mund erzeugte, um das Ende der Bedenkzeit zu signalisieren. Das gesamte Kinderpublikum versuchte diese Geste zu imitieren – mit unterschiedlichem Erfolg. Ähnlich populär wurden die Kommandos „Aufgepasst auf mein Plopp, denn Plopp heißt Stopp“ und „Ob ihr Recht habt oder nicht, sagt euch jetzt das Licht“. Für richtige Antworten konnten sich die Kinder Bälle abholen, die in Glasröhren gesammelt wurden – wer am Ende die meisten hatte, wurde Tagessieger und erhielt einen besonderen Preis. Alle Teams erhielten je nach Platzierung Geld für die Klassenkasse, zudem durfte sich jedes Kind aus Sachpreisen bedienen. Markenzeichen der Show ist seit den Anfängen auch das „Kamerakind“ aus dem Publikum, das die gesamte Sendung lang eine der ZDF-Kameras führen darf.

    Die Kinder springen auf den 3 Feldern herum (Bild: ZDF)
    Die Kinder springen auf den 3 Feldern herum (Bild: ZDF)

    „1, 2 oder 3“ basiert auf dem US-Format „Runaround“, das dort 1972 erstmals ausgestrahlt wurde, jedoch nur ein Jahr überlebte. Die gleichnamige britische Adaption lief immerhin von 1975 bis 1981. Für die deutsche Version wurden auf Wunsch von Schanze einige Änderungen durchgeführt. So gab es in den USA keinerlei Erklärungen zum Warum oder Weshalb der Fragen. „Dass das mit kindgerecht nichts zu tun hat, darüber waren wir uns schnell alle einig“, so Schanze. „Auch dass ein Kind, das einmal auf dem falschen Feld stand, komplett ausscheiden musste, fanden wir alle brutal und unmöglich. Schlimm genug, dass es in der Erwachsenenwelt so zugeht.“

    Birgit Lechtermann wurde Michael Schanzes Nachfolgerin (Bild: ZDF)
    Birgit Lechtermann wurde Michael Schanzes Nachfolgerin (Bild: ZDF)

    Michael Schanze verabschiedete sich im September 1985 nach insgesamt 59 Sendungen – und nahm auch gleich seinen Titelsong, die ritualisierten Sprüche und das „Plopp“ mit. Letzteres war fortan in Schanzes weniger erfolgreichen Sendung „Telefant“ zu hören. Seine Nachfolgerin bei „1, 2 oder 3“ wurde Birgit „Biggi“ Lechtermann, die die Show von 1985 bis 1995 insgesamt 112 Mal präsentierte. Die bekannten Kommandos wurden jetzt in leicht abgewandelter Form verwendet. So hieß es nun „Letzte Chance … vorbei!“ und „Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht“. Rolf Zuckowski komponierte den neuen Titelsong, der von einem Kinderchor gesungen wurde („1, 2 oder 3 – das ist keine Hexerei“). Neu eingeführt wurden auch die sogenannten „Drollinge“ – drei gezeichnete Enten als Maskottchen an den Toren, die stark an die Disney-Figuren Tick, Trick und Track erinnerten und später auch als lebensgroße Plüschwesen durch das Studio tollten.

    Die Drollinge wurden als neue Maskottchen eingeführt (Bild: ZDF/Screenshot)
    Die Drollinge wurden als neue Maskottchen eingeführt (Bild: ZDF/Screenshot)

    1994 wurde „1, 2 oder 3“ von ursprünglich 45 auf 25 Minuten gekürzt und wanderte vom Nachmittag auf einen Sendeplatz am Vormittag. Auf größere Gastauftritte wurde nun verzichtet. Gregor Steinbrenner übernahm die Show kurze Zeit später am 29. April 1995. Im Januar 2000 wurde die Show ein weiteres Mal runderneuert. Die Titelmusik stammte nun von Tobias Künzel von den Prinzen („1, 2 oder 3 – was is’n das für’n Geschrei?“) und wurde von Steinbrenner selbst gesungen. Die Drollinge verschwanden, stattdessen wurden als neue Maskottchen der Drache Fauchi, der Seehund Piet Flosse und der Bär Ted Tatze eingeführt – die Namen wurden von den Zuschauern eingesandt und ausgewählt. Seit 2002 gibt es nur noch Piet Flosse, der den Moderator als Maskottchen unterstützt. Unvergessen ist Gregor Steinbrenners 25-Stunden-Marathon im Dauerquizzen am Strand von St. Peter-Ording. Anlässlich des 25. Geburtstages von „1, 2 oder 3“ moderiert er 25 Stunden lang ohne Unterbrechung und stellte 1364 Fragen an 11040 Kandidaten. Insgesamt moderierte Steinbrenner die Show 352 Mal.

    Gregor Steinbrenner mit den begehrten goldenen Bällen (Bild: ZDF/Magdalena Mate)
    Gregor Steinbrenner mit den begehrten goldenen Bällen (Bild: ZDF/Magdalena Mate)

    Im November 2005 wurde Daniel Fischer neuer „1, 2 oder 3“-Moderator. Statt Toren gibt es seitdem Flatscreens, die die Antworten vorgeben. Mit Fischer wurden mehrere Sondersendungen „on Tour“ produziert, unter anderem auf einer Schlittschuhbahn, auf einem Ponyhof und sogar auf einem schwimmenden Ponton, der durch den Hamburger Hafen schipperte. Insgesamt 198 Ausgaben hat Daniel Fischer präsentiert.

    Daniel Fischer moderierte die Show von 2005 bis 2010 (Bild: ZDF/Thomas K. Schumann)
    Daniel Fischer moderierte die Show von 2005 bis 2010 (Bild: ZDF/Thomas K. Schumann)

    Seit Oktober 2010 moderiert der frühere „TV total“-Showpraktikant Elton die Sendung. Der Zahn der Zeit ging auch an „1, 2 oder 3“ nicht spurlos vorbei. So wurde 2011 der Look abermals komplett überarbeitet. Stefan Raab komponierte die neue Titelmusik („1, 2 oder 3 – wenn du’s weißt, dann bist du dabei“) und das Studio erinnert seitdem an ein Großstadt-Loft und eine Werkstatt. Die Sprungflächen wurden hierfür ebenfalls neu gestaltet mit einer drehbaren „Kandidaten-Insel“, sowie einer großen Videowand für die Erklärfilme. Es wird nun ohne Bälle gespielt, es werden lediglich noch die Punkte verteilt. Es wird auch nicht mehr ausschließlich gesprungen: Bei den drei Fragen der Buzzerrunde entscheidet die schnellste Antwort, welches Team die Punkte bekommt. Das Siegerteam bekommt als Preis einen „1, 2 oder 3“-Pokal sowie einen Zuschuss von 300 Euro für die Klassenkasse, die Zweit- und Drittplatzierten 200 bzw. 100 Euro. Die Zuschauer zu Hause können interaktiv mitspielen und beim Online-Spiel „Live dabei“ versuchen, die Studiokandidaten zu schlagen.

    Elton feiert die 1000. Folge (Bild: ZDF/Ralf Wilschewski)
    Elton feiert die 1000. Folge (Bild: ZDF/Ralf Wilschewski)

    Vor fünf Jahren strahlte das ZDF bereits eine Jubiläumsshow zum 35. Geburtstag zur besten Sendezeit aus. Damals musste sich Elton noch mit der Rolle des Assistenten begnügen, während Jörg Pilawa die Hauptmoderation zugeteilt wurde. Diesmal darf Elton selbst durch die Show führen, während Steven Gätjen den Ko-Moderator mimt. In der großen Jubiläumsshow, die gleichzeitig die 1000. „1, 2 oder 3“-Folge ist, erhalten die drei Kindermannschaften Unterstützung durch die Prominenten Mark Forster, Stephanie Stumph und Bülent Ceylan. Zu Gast sind außerdem Günther Jauch und Helene Fischer, die für die musikalische Unterhaltung sorgt. Vom 11. bis 14. September strahlt der KiKA jeweils um 20.10 Uhr vier weitere Jubiläumsfolgen aus.

    Zur retro-tv-Folge über „1, 2 oder 3“

    Über den Autor

    Glenn Riedmeier

    Glenn Riedmeier ist Jahrgang ’85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. „Bim Bam Bino“, „Vampy“ und der „Li-La-Launebär“ waren ständige Begleiter zwischen den „Schlümpfen“, „Familie Feuerstein“ und „Bugs Bunny“. Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. „Ruck Zuck“ oder „Kaum zu glauben!“. Auch für Realityshows wie den Klassiker „Big Brother“ hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie „Die Harald Schmidt Show“ und „PussyTerror TV“, hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie „Eine schrecklich nette Familie“ und „Roseanne“, aber auch schräge Mysteryserien wie „Twin Peaks“ und „Orphan Black“. Seit Anfang 2013 ist er bei fernsehserien.de vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.

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