„Obi-Wan Kenobi“: Erneut Rassismus-Problem im Fandom

    Hetze gegen Darstellerin Moses Ingram und Beistand von Lucasfilm

    Bernd Krannich
    Bernd Krannich – 01.06.2022, 14:00 Uhr

    Moses Ingram in „Star Wars: Obi-Wan Kenobi“ – Bild: Disney+
    Moses Ingram in „Star Wars: Obi-Wan Kenobi“

    Getrübte Freude bei Lucasfilm: Zwar konnte sich „Star Wars: Obi-Wan Kenobi“ nach dem Start am Freitag laut Disney+ zum meistgesehenen Disney Original mausern, aber einige Zuschauer hielten es für nötig, Hauptdarstellerin Moses Ingram mit rassistischen Beschimpfungen zu belegen.

    Genauer gesagt ließen selbsternannte „Star Wars“–Fans der Schauspielerin über ihren Instagram-Account hunderte Beschimpfungen zukommen. Ingram porträtiert in der Miniserie die Gegenspielerin Third Sister aka Reva Sevander, eine Inquisitorin, die auf untergetauchte Jedi Jagd macht. Einigen Fans nahm ihre Rolle in der Serie den beliebten Hauptfiguren zu viel Handlungszeit „weg“, und ihr Missfallen daran nutzten sie für zahlreiche Verunglimpfungen, die Ingrams Fähigkeiten in Zweifel zogen, sie aber auch mit dem N-Word beschimpften.

    In einem Instagram-Post machte Ingram auf die Anfeindungen aufmerksam: Es gibt wohl nichts, was man dagegen tun kann. Niemand kann diesen Hass stoppen. Und weiter: Was mich stört […] ist, dass ich das Gefühl habe, es wäre das Beste, wenn ich einfach ruhig bliebe und es stillschweigend über mich ergehen ließe, einfach ein starres Lächeln aufsetzen und durch. Aber das ist nicht meine Art. Gleichzeitig bedankte sie sich bei allen, die ihr bei Angriffen in den sozialen Netzwerken zur Seite stehen: Ein Dankeschön an die Leute, die in Kommentaren für mich aufstehen oder an den Orten, an die ich mich gar nicht erst begebe. Und dem Rest da draußen: Ihr seid ein verrücktes Völkchen.

    Nach Bekanntwerden der Anfeindungen stellten sich unter anderem Disney und auch ihr Kollege Ewan McGregor hinter die Darstellerin und in Opposition zu Rassismus. Wir sind stolz darauf, Moses Ingram in der „Star Wars’-Familie willkommen zu heißen und freuen uns darauf, dass sich Revas Geschichte entwickelt. Wenn irgendjemand auf irgendeine Weise dafür sorgen will, dass sie sich unwillkommen fühlt, haben wir nur eins zu sagen: Wir leisten Widerstand.

    Es ist nicht das erste Mal, dass aus dem Kreis von „Star Wars“-Enthusiasten rassistische Anfeindungen kommen. Als im Jahr 2014 im Trailer zu „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ John Boyega als dunkelhäutiger Sturmtruppler enthüllt wurde, gab es aus der rechten Ecke einen Aufschrei – aber auch eine Gegenbewegung. Nach dem Film „Star Wars: Die letzten Jedi“ folgten massive Anfeindungen gegen die Darstellerin Kelly Marie Tran, die als Rose Tico eine zentrale Rolle hatte; auch hier wurde die Kritik an der Figur von zu vielen mit rassistischer Beschimpfung vermischt – die Darstellerin zog sich wegen der Hass-Botschaften aus den sozialen Netzwerken zurück und suchte nach eigenen Angaben therapeutische Unterstützung.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am

      Hass und irgendwelche Drohungen sind natürlich nicht in Ordnung.
      Und auch völlig unnötig.

      Sachliche Kritik, von mir aus mit ein wenig sarkasmus, zynismus, pointiert etc warum nicht?

      Allerdings wegen Nachrichten im Internet, sei es Instagramm, Twitter, Facebook, Snapchat, Tik Tok, Medien Foren usw, sich zurückziehen und um therapeutische Unterstützung zu suchen.

      Gut, jeder Mensch (Jeck) ist anders, aber dass die heutige Generation (Jugend etc) so wenig aushält, ist schon erstaunlich. Und zum Teil auch ärgerlich, weil wir mit diesen Problemen bzw Problemkindern leben und auch zahlen müssen (Krankenkasse, fehlende Arbeitsstunden, Rehabilitation, Unterstützungsleistung vom Arbeitsamt etc).

      Es zeigt sich, dass zumindest einige, wenn nicht sogar viele, nicht all zu viel aushalten, wegen Kleinigkeiten (und ich rede jetzt nicht von Drohungen etc) sich verschrekt, verstört, zurückgesetzt, verletzt fühlen. Und dementsprechend Hilfe benötigen. Ein bischen mehr Robustheit/Abhärtung wäre nicht schlecht. Damit lebt's sichs leichter :-)

      die Darstellerin zog sich wegen der Hass-Botschaften aus den sozialen Netzwerken zurück und suchte nach eigenen Angaben therapeutische Unterstützung.
      • (geb. 1987) am

        Rassistische Beleidigungen sind natürlich unterste Schublade.
        Aber es ist heutzutage nicht selten, dass man so jegliche Kritik unterdrücken und ein Ballyhoo an Unterstützung einheimsen kann - obwohl man vielleicht wirklich schlecht und unpassend war.
        Es ist ein Unding, dass angebrachte und auch notwenige Kritik von Tausenden sofort nur noch "Hass" ist, weil einzwei betrunkenene Teenager (oder sogar Unterstützer) irgendwelche dämlichen Wörter posten.
        • am

          "Aber es ist heutzutage nicht selten, dass man so jegliche Kritik unterdrücken..." Dummes Zeug. Schauspieler*innen rassistisch zu beleidigen hat nichts mit Kritik zu tun, sonder nur mit Rassismus und Rassismus ist nur Hass. Punkt.

          Dein Kommentar lässt sich in dieselbe Kategorie einordnen wie "Ich bin kein Rassist, aber..." oder "Vergewaltigungen sind furchtbar, aber was hatte die Frau angezogen?"
          Du solltest deinen Relativierungsversuch noch einmal überdenken.
      • am

        Sorry, aber die ganzen selbsternannten Star Wars und Star Trek "Fans" sind an Dummheit nicht mehr zu überbieten. Es wird beleidigt dass sich die Balken biegen und diskutieren ist völlig sinnlos. Die sind geistig irgendwo stehengeblieben.
        Wenn man denen dann den Spiegel vorhält fangen die Beleidigungen an.
        ARMSELIG!!
        • am

          Egal wie sich die Handlung entwickelt - die Schauspieler dafür zu beschimpfen geht gar nicht. Kritik, wenn konstruktiv, muß natürlich immer erlaubt sein, persönliche Beleidigungen hingegen niemals.
          • (geb. 1966) am

            Dabei ist die Dritte Schwester bisher der interessanteste Charakter der Serie. Darüber sollten die Fans doch froh sein. Gut, nach drei Folgen kann man das schlecht beurteilen, aber bisher ist Kenobi extrem langweilig und nervig. Ich habe das Gefühl eine Kleinkindserie zu schauen. Jetzt fehlt nur noch Jar Jar Binks und ich drehe durch. Ob ich mir das weiter antue weiß ich nocht nicht.
            • am

              Also ist es schon Rassissmus nur weil man lieber die ganze Zeit den Hauptkarakter sehen will. Beleidigung sind natürlich unterste Schublade aber zeugen nur vom Anstand der Schreiber. Aber wenn man einen Carakter nicht gerne sieht, dann darf man doch Kritik üben? Oder ist es wenn einer einer Minderheit angehört oder dem anderen Geschlecht gleich rassistisch? Verstehe wer will.
              • am

                Ein starker Antagonist ist aber doch wichtig für die Geschichte. Der Held kann nur dann über sich hinaus wachsen, wenn er gegen einen mindestens gleich starken Antagonisten kämpft. Deshalb ist es doch super, wenn die Third Sister hier als wirklich starke Gegenspielerin eingeführt wird. Und ihre Besessenheit, Obi-Wan fangen zu wollen, gibt ihr einen ganz starken Handlungsantrieb. Storytellerisch haben die Autoren also alles richtig gemacht. Wenn man die ganze Zeit nur dem Helden zugucken müsste, ohne dass es einen glaubwürdigen Gegner gibt, der ihm das Wasser reichen kann, das wäre doch unsagbar langweilig. Von daher finde ich diese Kritik völlig unverständlich.
              • am

                Sie meinen also, wenn jemandem eine Handlungsverlagerung nicht gefällt, sollte er nicht die Drehbuchautoren oder Showrunner dafür kritisieren, sondern die Schauspieler beschimpfen?
              • am

                "Also ist es schon Rassissmus nur weil man lieber die ganze Zeit den Hauptkarakter sehen will."

                Äh ... nein, aber der Artikel zählt halt alles auf, was so gegen sie geschrieben wird und vermuten, dass das Motiv dahinter rassistisch ist, kann man aufgrund der Kommentare schon.

                "Verstehe wer will."

                Ja, ich fürchte auch, dass du das nicht verstehen willst. ;-)
            • am

              Das ist wirklich traurig - diese Leute sind keine echten Fans. Star Wars zeigt ein Universum, das so bunt und so vielfältig ist, mit vielen Völkern, die nicht einmal menschlich sind. Irgendetwas haben diese Leute nicht kapiert. Ich finde die Figur der Third Sister richtig cool. Sie spielt die Antagonistin total gut und mit großer Intensität, für manche Leute offenbar zu überzeugend ... Sie sollte sich wohl trösten und sagen: Viel Feind, viel Ehr ... :-))
              • am

                Ich hasse sie auch - die Figur! Aber das ist doch ein Beleg dafür, dass sie einen guten Job macht - die Schauspielerin; die von mir aus auch grün oder blau sein dürfte, ohne dass es für mich einen Unterschied machte.

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