Nach Hasskommentaren: Mareile Höppner verzichtet auf Semperopernball

    Auch Ersatzmoderatorin schmeißt hin

    Glenn Riedmeier – 03.02.2020, 11:53 Uhr

    Mareile Höppner

    Der diesjährige Semperopernball ist überschattet von einer unglücklichen Preisvergabe und dem daraus resultierenden Eklat. Ballvereinschef Hans-Joachim Frey hielt es für eine gute Wahl, den St.-Georgs-Orden an Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi, der als Autokrat und Diktator gilt, zu übergeben. Nachdem Judith Rakers wegen dieser fragwürdigen Verleihung ihren Rückzug als Moderatorin verkündete (fernsehserien.de berichtete), sollte Mareile Höppner die Aufgabe übernehmen. Doch jetzt hat auch sie ihren Rücktritt verkündet. Grund sind Bedrohungen und Hasskommentare, die an sie und sogar ihr Kind gerichtet wurden.

    „Ich wurde gebeten, den Semperopernball zu übernehmen. In einer sehr schwierigen Phase. Ein Abend für Dresden sollte es werden. Für die Stadt und die Menschen. Die mir so viel bedeuten. Jetzt erst recht“, schreibt Mareile Höppner bei Instagram. „Ich hatte gehofft, nach all den Skandalen und der sehr berechtigten Kritik an der Auswahl eines Preisträgers, dass ich diesen Abend für ein neues Zeichen, für einen Abend im Sinne unserer guten demokratischen Werte, würde gestalten können. Statt dessen haben einige Reaktionen jede Grenze überschritten: Ich bin nun Opfer und Zielscheibe von schlimmstem Hass und Anfeindungen geworden. Selbst vor meinem Kind wurde dabei nicht halt gemacht“, so die Moderatorin. „Deshalb trete ich von der geplanten Moderation des Balls zurück. Ich wünsche meinem Kollegen Roland Kaiser viel Kraft für diesen Abend. Von dem Verantwortlichen des Balls erwarte ich, dass er endlich wirklich neue Zeichen setzt.“

    Der Sender MDR, der den Semperopernball am 7. Februar übertragen wird, stellt sich hinter die Moderatorin und kann ihre Entscheidung verstehen. „Mareile Höppner hat uns mitgeteilt, dass sie in den vergangenen Tagen einen unerträglichen Grad an Hass bis hin zu Bedrohungen erleben musste. Sie wird daher den diesjährigen Semperopernball nicht moderieren. [ … ] Wir als MDR sind erschüttert über das Ausmaß der Verrohung. Nichts rechtfertigt auch nur im Geringsten eine solche Hetze“, heißt es von Senderseite. Man respektiere Höppners Entscheidung und habe ihr juristische Unterstützung angeboten.

    Trotz allem hält der MDR an der geplanten Übertragung der Veranstaltung fest. „Wir lassen uns in unserer Arbeit von einzelnen radikalen Stimmen im Netz nicht beeinflussen. [ … ] Wir haben unsere Kritik an der Ehrung des ägyptischen Machthabers al-Sisi schon in den vergangenen Tagen in unserem Programm sehr deutlich gemacht.“ Die künftige Übertragung des Balls werde man intern kritisch auf den Prüfstand stellen.

    Auch Ballvereinschef Hans-Joachim Frey äußerte sich: „Wir sind schockiert über die Hetze und den Hass, die Mareile Höppner plötzlich in den vergangenen zwei Tagen trafen.“ Dass sie solchen Anfeindungen ausgesetzt sei, „lag außerhalb aller Vorstellungskraft und entsetzt uns zutiefst. So etwas darf nicht, und erst recht nicht im Zusammenhang mit einem Ereignis wie einem Opernball, passieren. Wir haben volles Verständnis für die Entscheidung von Mareile Höppner, sind mit den Herzen bei ihr und hoffen, dass alle Ermittlungen erfolgreich sind.“

    Wer nun anstelle von Höppner die Moderation an der Seite von Roland Kaiser übernehmen oder ob es überhaupt eine/n Co-Moderator/in geben wird, ist derzeit nicht bekannt.

    Mareile Höppners Statement auf Instagram:

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    Ich wurde gebeten, den SemperOpernball zu übernehmen. In einer sehr schwierigen Phase. Ein Abend für Dresden sollte es werden. Für die Stadt und die Menschen. Die mir so viel bedeuten. Jetzt erst recht. Ich hatte gehofft, nach all den Skandalen und der sehr berechtigten Kritik an der Auswahl eines Preisträgers, dass ich diesen Abend für ein neues Zeichen, für einen Abend im Sinne unserer guten demokratischen Werte, würde gestalten können. Statt dessen haben einige Reaktionen jede Grenze überschritten: Ich bin nun Opfer und Zielscheibe von schlimmstem Hass und Anfeindungen geworden. Selbst vor meinem Kind wurde dabei nicht halt gemacht. Deshalb trete ich von der geplanten Moderation des Balls zurück. Ich wünsche meinem Kollegen Roland Kaiser viel Kraft für diesen Abend. Von dem Verantwortlichen des Balls erwarte ich, dass er endlich wirklich neue Zeichen setzt.

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    Kommentare zu dieser Newsmeldung

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      Ahhh so läuft das:
      - Frau Judith Rakers sagt ab -> die Karawane zieht weiter
      - Frau Mareile Höppner sagt ab -> die Karawane zieht weiter
      - Herr Peter Maffay droht abzusagen -> die Veranstalter lenken ein

      Vielleicht hätte gleich am Anfang der Schlager-Kaiser (als Mann) mit Absage drohen sollen, dann wäre das Thema längst erledigt.
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        Sveta schrieb:
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        > Vielleicht hätte gleich am Anfang der
        > Schlager-Kaiser (als Mann) mit Absage drohen
        > sollen, dann wäre das Thema längst erledigt.

        Das glaub' ich nicht so ganz, weil der ja nicht (im Gegensatz zu Peter Maffay und Band) die Mitternachtseinlage "einlegt"! :-) Kurzfristigen (und ähnlich guten) Ersatz dafür aufzutreiben dürfte schon eine recht anspruchsvolle Aufgabe sein...
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      Soso, da muss erst der "große" Peter Maffay dazwischen gehen, bis reagiert wird.
      Was Zuschauer, Gäste oder Moderatorinnen sagen, scheint egal zu sein.

      Snake
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        Die Semperoper ist "lernfähig".
        Der Orden an, Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi, wurde zurückgenommen.

        Das wurde auch Zeit.
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          faxe61 schrieb:
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          > Die Semperoper ist "lernfähig".
          > Der Orden an, Ägyptens Präsident Abdel Fattah
          > al-Sisi, wurde zurückgenommen.
          >
          > Das wurde auch Zeit.


          Da hat er Druck gemacht, der Peter. Auch wenn die Sache jetzt (vorerst(?)) vom Tisch ist, es wäre schon interessant zu wissen, wie es einst zu diesem Auszeichnungs-Vorhaben gekommen ist und wie viele Leute im Planungsstab sich die Haare rauften...
      • (geb. 1983) am melden

        Es wäre einfacher die gesamte Veranstaltung platzen zu lassen - oder sie vorsorglich erst gar nicht in Sachsen stattfinden zu lassen.

        Als ehemaliger Sachse ist mir dieser Teil des Bundesrepulik ohnehin längst nicht mehr ans Herz gewachsen; andererseits: wo läßt sich eine Veranstaltung besser ausrichten, als im Haß-erfüllten Sachsen.

        Darum: AUSFALLEN LASSEN!! Ist besser für alle.
        Außer für Sachsen, aber das ist eh nimmer zu retten!
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        • am melden

          Bei aller (berechtigter) Kritik an der Verleihung, der Veranstaltung usw.
          Was treibt einen Menschen dazu, Drohungen in Richtung eines zehnjährigen Kindes zu richten?
          Mann muss jemanden ja nicht mögen, und eine Person "im Rampenlicht" muss auch mit öffentlicher Kritik umgehen können, aber Hass und Drohungen gehen gar nicht. Technisch sind wir (als Menschheit) ganz weit vorn, aber vom Verstand her sind einige noch auf dem Stand eines Neandertalers. Und ja, das hab ich so einem Honk auch schon ins Gesicht gesagt, bin mir nicht sicher, dass er es verstanden hat...
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          • am via tvforen.demelden

            In diesem Fall hat ein Sender mit ordentlichem Leumund nur eine Möglichkeit: Die Übertragung augenblicklich stornieren und dem Veranstalter die Pistole auf die Brust setzen. Entweder er macht die Preisvergabe rückgängig oder die Zusammenarbeit endet bis auf weiteres.
            • am via tvforen.demelden

              tomgilles schrieb:
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              > In diesem Fall hat ein Sender mit ordentlichem
              > Leumund nur eine Möglichkeit: Die Übertragung
              > augenblicklich stornieren und dem Veranstalter die
              > Pistole auf die Brust setzen. Entweder er macht
              > die Preisvergabe rückgängig oder die
              > Zusammenarbeit endet bis auf weiteres.

              Der Sender hat nur die Aufgabe über das Ereignis zu berichten und den Zuschauer mit Informationen zu versorgen. Dann kann jeder selbst entscheiden was von dieser Veranstaltung zu halten ist. Wo kommen wir denn hin, wenn ein Sender zu entscheiden hat was gut oder schlecht ist? Aus diesem Grund halte ich das Verhalten von Frau Rakers auch für feige, denn gerade sie hätte uns mit den nötigen Informationen versorgen können.
            • am via tvforen.demelden

              Timmy schrieb:
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              > Der Sender hat nur die Aufgabe über das Ereignis
              > zu berichten und den Zuschauer mit Informationen
              > zu versorgen. Dann kann jeder selbst entscheiden
              > was von dieser Veranstaltung zu halten ist. Wo
              > kommen wir denn hin, wenn ein Sender zu
              > entscheiden hat was gut oder schlecht ist? Aus
              > diesem Grund halte ich das Verhalten von Frau
              > Rakers auch für feige, denn gerade sie hätte uns
              > mit den nötigen Informationen versorgen können.

              Es ging hier nicht um die Berichterstattung, sondern um die Moderation des Opernballs. Judith Rakers wäre also nicht im Auftrag des MDR tätig gewesen, sondern im Auftrag der Semperoper.
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            Mareille Höppner ist eine dürftige Moderatorin. Ihr Unterhaltungswert geht gleich Null. Ich frage mich eh, wie dieser Person gelegentlich die "Sendungen" zufallen.
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            • am via tvforen.demelden

              Selten soviel Idiotie auf einem Haufen gesehen:
              Ein Idiot, der Diktator.
              Ein Idiot der Veranstalter, der einem Diktatoren einen Preis verleiht.
              Eine Idiotin, die Moderatorin, die diese Preisverleihung moderieren will.
              Lauter Idioten, die sie deswegen bedrohen.
              Ein Sender voller Idioten, der diesen Quatsch übertragen will.

              Die einzige, die hier richtig gehandelt hat, ist Judith Rakers.
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                Herr Frey sollte endlich die Konsequenzen ziehen und seinen Hut nehmen. Auch sollte man ruhig mal überlegen, ob man den Preis nicht wieder aberkennt. Haben andere Preis-Organisationen bei fragwürdigen Preisträgern ja auch schon gemacht. Oder wenigstens den Ball nutzen und ordentlich Kohle für  Hilfsorganisationen sammeln. Sind ja eh nur Leute mit genug Knete bei so einer Veranstaltung. Warum sowas im ÖR überhaupt übertragen werden muss, erschließt sich mir auch nicht. Hätten sie lieber für das Geld das Fernsehballett erhalten.
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                • am melden

                  "So etwas darf nicht passieren." Stimmt, Herr Frey! Es kann aber auch nicht sein, dass Sie Preise an solche Personen verleihen. 
                  Und nach der Absage von Judith Rakers muss Frau Höppner schon sehr naiv gewesen sein, diesen Job zu übernehmen. Aber wahrscheinlich war die Gage einfach zu verlockend.
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