‚Monty Python‘ Michael Palin wird 65

    Vom lispelnden Pontius Pilatus zum Weltreisenden

    Mario Müller – 05.05.2008

    Selbst wer die Mutter aller Sketch-Comedys, „Monty Pythons Flying Circus“, nie gesehen hat: spätestens sein Auftritt als lispelnder römischer Statthalter Pontius Pilatus in der Bibel-Satire „Das Leben des Brian“ machte Michael Palin weltweit einem großen Kino-Publikum bekannt. Dass man mit einem gekonnt gespielten Sprachfehler auch Preise gewinnen kann, bewies er mit seiner Rolle des stotternden Ken in der Komödie „Ein Fisch namens Wanda“, für die er den britischen Filmpreis BAFTA als „Bester Nebendarsteller“ erhielt.

    Heute wird der im mittelenglischen Sheffield geborene Mitbegründer der legendären Komikergruppe „Monty Python“ 65 Jahre alt.

    Schon bevor Palin das Chaos-Team 1967 aus der Taufe hob, heiratete er 1966 seine Frau Helen Gibbons, mit der er drei Kinder hat und in London wohnt.

    Seinen Hang zur Komik entdeckte Palin während seines Studiums in Oxford, wo er zusammen mit seinem Kommilitonen Terry Jones in eine Theatergruppe eintrat. Zusammen mit John Cleese, Graham Chapman, Eric Idle und Terry Gilliam gründeten sie „Monty Python“ und revolutionierten mit dem „Flying Circus“ ab 1969 mit hintergründigen, absurden, intelligenten und auch völlig bescheuerten und geschmacklosen Gags und Sketchen die Welt der Komik. Besonders hervorgehoben sei hierbei Palins stolz vorgetragener „Lumberjack Song“ und seine Mitwirkung am „Spam“-Sketch, auf den die heutige Bezeichnung für „E-Mail-Müll“ zurückgeht.

    Als einen der Grundpfeiler der Komikertruppe bezeichnet Palin in einem aktuellen Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ die Hybris der Briten: „Das Inseldasein hat ja in glorreicheren Zeiten maßgeblich zur britischen Selbstüberschätzung beigetragen. Wir selbst waren nicht die Insel – alles andere war die Insel! So kann man es sehen. Wenn man nur irre genug ist. Aaaah, diese Selbstüberschätzung liebe ich! Sie war Anlass für zahllose Python-Sketche.“

    Palin wirkte nach dem Ende der Serie 1974 außerdem in allen Kinofilmen der Gruppe mit (u.a. „Die Ritter der Kokosnuss“, „Der Sinn des Lebens“), spielte in Eric Idles Doku-Satire „The Rutles“, war Co-Autor und Hauptdarsteller der britischen Comedy-Serie „Ripping Yarns“ der und legte mit „Wilde Kreaturen“ einen Nachfolger zu „Ein Fisch namens Wanda“ vor, der allerdings nicht an den Erfolg des Originals anknüpfen konnte.

    Großen Erfolg erzielt Palin allerdings seit rund 20 Jahren als Reisefilmer. Seine Dokumentarfilme mit Entdeckungsreisen um die ganze Welt bescheren der BBC sensationelle Einschaltquoten mit bis zu 12 Millionen Zuschauern, und auch die Bücher und DVDs, die er dazu auf den Markt brachte, verkaufen sich wie geschnitten Brot. Das Begleitbuch zu seiner Dokumentation „Von Pol zu Pol“ verdrängte 1992 sogar Madonnas Werk „Sex“ von der Spitze der Bestsellerliste.

    Dass die Briten auch heute noch verbittert gegenüber den Deutschen seien und diese als grob und dumpf einstufen, hält Palin für ein Medienphänomen: „Bitte, wie sollte ein Land, das ‚Monty Python‘ bis heute traumhafte Absatzzahlen beschert, dumpf sein? Geben Sie nichts auf den britischen Boulevard! Zeitungen pflegen Ressentiments, weil sie glauben, dass sie so näher am kleinen Mann dran sind. Aber der kleine Mann hier, er hat keine Ressentiments mehr gegen Deutsche.“ Es läge „einfach länger schon nicht mehr an den Deutschen, wenn in Paddington exakt zu den Stoßzeiten alle Züge gleichzeitig ausfallen“, so der Jubilar.

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