Der Kabarettist, Musiker und Autor Konrad Beikircher ist am gestrigen Dienstag (28. Juli) im Alter von 80 Jahren verstorben. Dies berichtete zuerst der WDR. Mit seiner Kunst in rheinischer Mundart begeisterte er das Publikum auch über die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinaus. Zu Ehren des Unterhaltungskünstlers ändert das WDR Fernsehen kurzfristig sein Abendprogramm und zeigt am heutigen Mittwoch (29. Juli) um die einstündige Sendung „Konrad Johann Aloysia Beikircher – Fast ein Selbstportrait“.
Geboren wurde Konrad Beikircher am 22. Dezember 1945 in Bruneck in Südtirol Kabarettist eigentlich aus Südtirol. Nach dem Abitur zog er nach Bonn, um Psychologie zu studieren. Eigentlich wollte er Profi-Geiger werden, doch Doch nach dem ernüchternden Vorspiel bei einem berühmten Geiger gab Beikircher diesen Traum auf. Stattdessen schloss er sein Psychologie-Studium ab und arbeitete anschließend 15 Jahre lang als Gefängnispsychologe in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Siegburg. Dort betreute er jugendliche Sexualtäter.
Seiner musikalischen Leidenschaft ging er dennoch weiter nach und trat als Ausgleich zu seinem Beruf mit Wiener Chansons in Bonner Kneipen auf. Im Jahr 1984 wurde schließlich der WDR auf Beikircher aufmerksam und gab ihm kurze Zeit später eine eigene Radio-Kolumne namens „Sarens, Frau Walterscheidt“ und stellte darin sein komödiantisches Talent unter Beweis. Daraufhin gab Beikircher seinen sicheren Beamten-Job und betrat die Kabarett-Bühne. Die Sprache wurde zum Mittelpunkt seiner Kunst. Er parodierte alle erdenklichen Dialekte – insbesondere das Rheinische.
Im Fernsehen wurden seine Soloprogramme ausgestrahlt, außerdem trat er immer wieder in der WDR-Sendung „Mitternachtsspitzen“ auf. Rateshow-Freunde kennen Beikircher auch noch als Panel-Mitglied in der von Harald Schmidt moderierten Show „Pssst …“. 1991 hatte er kurzzeitig auch ein kleines Format im Ersten: In „Punktum“ nahm er viermal die Woche im Anschluss an „Der Doktor und das liebe Vieh“ das Tages- und Weltgeschehen aufs Korn und unter die Lupe. 2009 und 2010 begab er sich für den WDR in „Beikirchers Entdeckungen“ an schauerliche Plätze verborgener Geheimnisse in Nordrhein-Westfalen. Im Hörfunk war er Gastgeber der „Unterhaltung am Wochenende“.
In seinen letzten Lebensjahren widmete sich Konrad Beikircher verstärkt gesellschaftspolitischen Themen und ging als bekennender Katholik im Luther-Jahr 2017 mit dem Programm „500 Jahre falscher Glaube“ auf Tour. Der fünffache Vater lebte rund 60 Jahre in Bonn, zuletzt im Stadtteil Bad Godesberg. Sterben möchte ich am liebsten auf altmodische Art, zu Haus, die Hand der Frauen in der Hand, die Kinder segnend oder sie zumindest anschauen. Das wäre meine Wunschvorstellung. Wenn ich es mir einrichten kann, dann werde ich das so machen, sagte er einmal über das Sterben. Noch sechs Wochen vor seinem Tod stand er auf der Bühne.
Ingmar Cario, kommissarischer WDR-Programmdirektor Information, Fiktion und Unterhaltung:
Konrad Beikircher war einer der markantesten Unterhaltungskünstler im Westen. In unnachahmlicher Weise widmete er sich den charakterlichen und sprachlichen Besonderheiten der Menschen in Nordrhein-Westfalen. Niemand beobachtete den ‚Rheinländer an sich‘ so genau, persiflierte ihn so liebevoll wie er. Niemand blickte so tief in die rheinische Seele. Als Gastgeber der ‚Unterhaltung am Wochenende‘ oder im ‚Westzeit U-Punkt‘ des Hörfunks, als Mitglied im Rateteam von Harald Schmidts ‚Pssst …‘ oder Gast bei den ‚Mitternachtsspitzen‘ – vor allem aber mit seinen Soloprogrammen im Hörfunk und im WDR Fernsehen, bescherte er uns über Jahre hinweg programmliche Highlights, an die sich viele noch heute erinnern. Der WDR ist dankbar für die gemeinsame, erfolgreiche Zusammenarbeit für unser Publikum.
Auch der Hörfunksender WDR 5 ehrt den verstorbenen Künstler. Am heutigen 29. Juli ist dort um 21:03 Uhr „Konrad Beikircher – Der rheinische Zauberer, eine Hommage von Michael Lohse“ zu hören. Am Samstag, den 1. August strahlt WDR 5 um 15:03 Uhr außerdem Konrad Beikirchers letztes Soloprogramm „Arrivederci“, aufgezeichnet am 8. Mai im Kommödchen Düsseldorf.