Kichern auf Knopfdruck

    Wie das Sitcom-Gelächter in die Konserve kam

    Jutta Zniva – 17.05.2006

    Der Frage, warum das Lachen aus der Dose die TV-Zuseher zum Mitlachen animiert, widmet sich heute der Boston Globe in seiner Online-Ausgabe. Interessanter als die Antwort (gemeinschaftliches Lachen als eine Art sozialer Reflex: ansteckend wie Gähnen) sind die Details zur ersten „Lachmaschine“ des Fernsehens aus den 50er Jahren.

    Die erste mechanische „Lach-Orgel“ kam 1953 beim Sender CBS zum Einsatz und konnte auf Knopfdruck Prusten, Kichern, Schnaufen, Gröhlen und dröhnendes Zwerchfelllachen produzieren. Ebenso konnte weibliches, männliches und altersspezifisches Gelächter oder ein exzentrischer Einzelschrei abgerufen werden. Durch ein Pedal war die Länge des Gelächters regulierbar.

    Ihr Erfinder, der CBS-Tontechniker Charles Douglass (verstorben 2003), hatte das Studiopublikum der „Red Skelton Show“ aufgenommen und mit dem Material seine mittlerweile legendäre „Laugh Box/Laff Box“ gefüttert. Das technische Innenleben der etwas mehr als einen halben Meter großen Maschine hielt Pionier Douglass streng geheim: Mehrere Sicherheitsschlösser schützten die Kiste, wenn er mit ihr von Studio zu Studio fuhr, um in der Postproduktion Sitcoms mit Lachen aufzuppeppen.

    Bis in die 70er Jahre behielt Douglass, der sich auf Grund des großen Erfolgs selbständig machte, das Monopl für amerikanisches Konservengelächter. 1992 wurde er mit einem Emmy für sein Lebenswerk geehrt. Auch Sohn Robert Douglass produziert heute noch in der vom Vater gegründeten Firma Northridge Electronics das lukrative Lachen aus der Dose fürs Fernehen. Aus den sperrigen Boxen sind allerdings mittlerweile Laptops geworden. So mancher Konkurrent würde immer noch gern wissen, warum ausgerechnet die Douglass-Lacher in der Branche auch heute noch die populärsten sind.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

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      Mir fällt dieses Konservengelächter schon gar nicht mehr auf, deswegen könnte ich jetzt auch keine Serien nennen, in denen gelacht oder nicht gelacht wird.

      Bis auf eine Ausnahme - "Du schon wieder" mit Jack Klugman. Dort wird nicht gelacht, zumindest in der deutschen Fassung, denn diese merkwürdigen kurzen Pausen nach witzigen Szenen sind mir in Erinnerung geblieben.

      Aber da hier erklärt wurde, daß die Originalgelächter herausgeschnitten wurden, wäre das eine Erklärung.
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        So weit ich mich erinnern kann, werden - egal ob mit oder ohne laugh-track - im Drehbuch immer die Pointe mit einer Art Takt versehen - so lange sollen die Schauspieler dann Pausen lassen, damit sich der Zuschauer wieder einkriegt.

        Der Produzent legt dann fest, ob das ein Mega-Kracher wird = 3 Takte oder nur ein Schnunzler = 1 Takt.

        Ohne Konservengelächter überbrücken die Darsteller dann diese Pausen mit Augenrollen und/oder Kopfnicken.
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      wunschliste.de schrieb:
      > Der Frage, warum das Lachen aus der Dose die
      > TV-Zuseher zum Mitlachen animiert,

      Interessant - mich animiert das "Konservenlachen" nur zu einem, und das ist umschalten. Ich kenne kaum etwas abschreckenderes und nervenderes.
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        tja, wenn ich versehentlich in eine Sendung mit eingespielten Lachern zappe, dann bin ich gaaaanz schnell wieder weg.

        Ich kann das einfach nicht ertragen! :-P
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          "gemeinschaftliches Lachen als eine Art sozialer Reflex: ansteckend wie Gähnen"

          Diese Argumentierung stimmt 100%ig. Wenn man zusammen lacht, lacht man öfters. Aber man lacht nur wenn es auch etwas zu lachen gibt.
          Das Lachen vom Band allerdings ist kein Lachen in der Gemeinschaft. Es ist aufgezwungen, immer gleich und zerstört jede Unterhaltungsserie.
          • am via tvforen.demelden

            Aber ich bleibe dabei...ich LIEBE die "LAchspur" bei Golden Girls, kann das gar nicht beschreiben . Ich denke weil das es eine völlig eigene ist...
            Das Gelächter bei ALF ist allerdings eine Katastrophe, da sind die Hörspiele (wenn auch stark gekürzt) ohne Lacher wirklich besser
            • am via tvforen.demelden

              Die LAcher an den Stellen, wo es nichts zu lachen gibt ind besonders peinlich.
              • am via tvforen.demelden

                nachtrag: Aber zu Heinz Becker gebe ich dir recht, das ist peinlich...ich entschudlige mich für meine Anfangs etwas aufgebrachte Bemerkung...
                • am via tvforen.demelden

                  Schon gut, hast ja recht, war ein bisschen zu scharf. Aber es ist eben tatsächlich so, wie Spacefalcon schreibt: Heute werden die Lacher schon bei der Produktion eingeplant, daher die Pausen. In alten Sitcoms gab es sowas nicht, da lief eben einfach die Nummer durch (es sei denn, man hatte echtes Studiopublikum).
                  Und dieses Konservengelächter klingt eben auch leider in allen Fällen gleich ... echte Lacher wirken ja ansteckend, aber an dieses "Grundrauschen" vom Band hat man sich so gewöhnt, dass es bestenfalls noch dazu dient, die Sendung zu strecken, damit mehr Werbung reinpasst ... und wenn ich's mir recht überlege: Genau dazu soll es heute wahrscheinlich auch dienen.
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                  Bei vielen Sitcoms wird aber das Lachen des Publikums mitaufgezeichnet und die Pausen der Schauspieler entstehen nur, da sie tatsächlich auf das Publikum warten um fortzufahren. Konservenlachen wird nur eingesetzt, wenn die Aufnahmen des Publikums unbrauchbar sind. Von den Golden Girls gibt es z.B. einige Blooper, in denen das ganz deutlich wird. Rue McLanahan macht nach einem Witz ne Pause, da sie mit Gelächter rechnet, es kommt aber nichts, daraufhin sagt sie "Oh, Tschuldigung, ich dachte sie würden lachen", deshalb lacht das Publikum dann wirklich, es wird etwas rumgealbert und die Szene wird wiederholt. Der Clip müsste irgendwo bei youtube rumschwirren.

                  Bei der deutschen Synchro sieht das natürlich anders aus, da fliegt das Originalgelächter zusammen mit den englischen Dialogen raus und wird durch unser eigenes ersetzt.
                • am via tvforen.demelden

                  Lache seltenst bei Sitcoms oder ähnlichem.Schon gar nicht wenn vorgelacht wird.
                  Bei K.o.Queens,HmwdHämmert oder E.s.n.Familie ist die Lacherei aber irgendwie das Salz in der Suppe...

                  Mit meiner Freundin kann ich überhaupt keine Sendungen sehen,wo von Band gelacht wird,da sie dann sehr schnell das Wohnzimmer verlässt,weil sie die Lacherei von Band hasst wie "der Teufel das Weihwasser".
                  (Naja,hat auch Vorteile *ggg*)

                  chris
                • am via tvforen.demelden

                  >Heute werden die Lacher schon bei der Produktion eingeplant, daher die >Pausen. In alten Sitcoms gab es sowas nicht, da lief eben einfach die Nummer
                  Naja, gibt ja auch noch Comedyserien wie Scrubs und Malcom mittendrin, die sehr gut ohne Gelächter vom Band auskommen.

                  mfg
                  Brooklyn
                • am via tvforen.demelden

                  Es war wirklich eine teuflische Erfindung.
                  Manche Sitcom ist nicht zu ertragen.
                  Aber, ich glaube auch bemerkt zu haben, dass sich die Qualität der eingelegten Lacher etwas verbessert hat.
                • am via tvforen.demelden

                  Dustin schrieb:
                  >
                  > Bei der deutschen Synchro sieht das natürlich anders aus, da
                  > fliegt das Originalgelächter zusammen mit den englischen
                  > Dialogen raus und wird durch unser eigenes ersetzt.

                  Auf einer KoQ-DVD ist eine Synchro-Doku dabei, auf der behauptet wird, dass sich die Lacher auf der internationalen Tonspur befänden.
              • am via tvforen.demelden

                Meine Güte atme mal tief durch.... ich gehe sogar soweit das ich behaupte das die Golden Girls ohne die (deutsche) "Lachtonspur" halb so lustig sind...und es sieht ja auch etwas doof aus wenn nach einem Gag die Schauspieler immer ein paar Sekunden warten bevor sie weiter sprechen, wenn keine Lachgeräusche im Hintergrund wären
                • am via tvforen.demelden

                  R.U.B. schrieb:
                  >
                  > und es sieht ja auch
                  > etwas doof aus wenn nach einem Gag die Schauspieler immer ein
                  > paar Sekunden warten bevor sie weiter sprechen, wenn keine
                  > Lachgeräusche im Hintergrund wären

                  Das ist aber nur so, weil das Gegacker ja berücksichtigt werden muß / mußte.....
                • am via tvforen.demelden

                  Und außerdem was gibt es bei den golden Girls zu lachen? das ist Ami Humor den ich nicht verstehe!
                • am via tvforen.demelden

                  dann geh doch zum lachen in den keller :-)
                • am via tvforen.demelden

                  nee, ich lache lieber selbst!
              • am via tvforen.demelden

                Den Kerl sollte man posthum noch steinigen für seine blöde Erfindung! Was mir dieses Konservengelächter auf die Nerven fällt.
                Letzte Weihnachten habe ich festgestellt, dass sogar alte Heinz-Becker-Teile noch "aufgehübscht" wurden. Jetzt strotzt der Kult-Teil "Alle Jahre wieder" vor fröhlich brausendem Kunstgegacker. Das kann einem jeden Spaß verderben!

                Ich hoffe, Charles Douglass schmort in der Konservengelächterhölle!

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