Journalisten-Verband fordert vom ZDF „lückenlose Aufklärung“

    Personelle Konsequenzen weiterhin nicht in Sicht

    Michael Brandes – 14.07.2014, 13:23 Uhr

    Journalisten-Verband fordert vom ZDF "lückenlose Aufklärung" – Personelle Konsequenzen weiterhin nicht in Sicht – Bild: ZDF

    Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat die Manipulationen bei „Deutschlands Beste!“ als „Angriff auf die Glaubwürdigkeit“ des ZDF kritisiert. Die Verantwortlichen des Senders scheinen sich der Tragweite ihres Handelns dagegen noch immer nicht bewusst zu sein.

    „Ich erwarte eine lückenlose Aufklärung darüber, wie es zu den Mogeleien kommen konnte und wie der Sender sein angeschlagenes Image wiederherstellen will“, fordert der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken. Zu befürchten sei, dass viele Zuschauer nicht nur dem Unterhaltungs-, sondern auch dem Informationsangebot des Senders künftig mit Skepsis begegnen: „Es darf keinen Zweifel am Wahrheitsgehalt der Informationen geben, die das ZDF ausstrahlt.“ Wenn Zuschauer aus den Manipulationen beim Promi-Ranking schließen würden, dass auch die politische Berichterstattung nach Gutdünken erfolge, wäre das verheerend für das Ansehen und die Glaubwürdigkeit des Qualitätsjournalismus im Fernsehen.

    „Darüber wird im ZDF-Fernsehrat zu reden sein“, so Konken, der Mitglied des Mainzer Kontrollgremiums ist. Diskutiert werden müsse auch über die widersprüchlichen Stellungnahmen des Senders nach den ersten Manipulationsvorwürfen.

    Das ZDF hatte in der vergangenen Woche schrittweise eingeräumt, am dreistufigen Votingverfahren für die Rankingshow herumgebastelt zu haben. Ein Online-Voting und eine Hörzu-Leseraktion wurden gar nicht oder nur zu einem schwer durchschaubaren Teil in die Wertung einbezogen. Später räumte das ZDF ein, dass auch die Forsa-Umfrage manipuliert wurde, um eingeladenen Gästen ohne deren Wissen eine bessere Platzierung zu verschaffen. So zog unter anderem ZDF-Mann Claus Kleber am populäreren RTL-Kollegen Peter Kloeppel vorbei (fernsehserien.de berichtete). Kleber bezeichnete die Verantwortlichen via Twitter als „Idioten“ und entschuldigte sich bei Kloeppel.

    Es mag auf den ersten Blick nur um eine Unterhaltungssendung gehen, doch letztlich bediente sich das ZDF ähnlicher Methoden wie der ADAC, dessen Umfragefälschung in den Nachrichtensendungen der Mainzer als Skandal eingestuft wurde. ZDF-Programmchef Norbert Himmler räumte zwar einen „groben Verstoß gegen die Programmrichtlinien des ZDF“ ein, doch noch immer sind viele Fragen offen. Wie kamen die widersprüchlichen Stellungnahmen des Senders zustande, in denen wiederholt falsche Angaben gemacht worden sind? Wurden die ZDF-Shows der Vergangenheit bereits auf ähnliche Weise zusammengewurschtelt? Aber vor allem: Wer trägt eigentlich die Verantwortung? Mit einem Bauernopfer wird sich die Öffentlichkeit wohl eher nicht zufrieden geben.

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