Oliver Berben: „Man wünscht sich einfach, dass sie’s schaffen“

    Interview über „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, das Casting und Inspirationen

    Rosanna Großmann – 14.02.2021, 10:00 Uhr

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    Konzentriert: Oliver Berben beim Dreh zu „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. – Bild: Constantin Television Mike Kraus
    Konzentriert: Oliver Berben beim Dreh zu „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“.

    Mit „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ startet diese Woche eine frische Serienverfilmung der Ereignisse um „Christiane F.“. Unter der Regie von Philipp Kadelbach schwingt sich der Cast aus Newcomern zu schauspielerischen Höchstleistungen auf. Die acht Episoden sind ab dem 19. Februar auf Amazon Prime Video zu sehen.

    Für die aufwändige Produktion verantwortlich zeichnet unter anderen Oliver Berben, der seit Januar zudem stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Constantin Film geworden ist. fernsehserien.de-Autorin Rosanna Großmann sprach mit Headautorin Annette Hess über die Serie und befragte auch Oliver Berben im Interview. Der Produzent berichtet von den Herausforderungen des Castings und von der inspirierten Zusammenarbeit am Set. Dabei verrät er auch die eine oder andere Neuigkeit über weitere Produktionen, auf die die deutschen Fans warten.

    fernsehserien.de: Guten Tag, Herr Berben! Sie wirkten als Produzent maßgeblich mit bei der Entstehung der Serie „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Die Drehbuchautorin Annette Hess kam mit der Idee zu Ihnen – oder wer hatte den Riecher für diesen Stoff?

    Oliver Berben: Es ist ein bisschen parallel gelaufen. Ich habe mit den Kollegen Rieck und Herrmann vom Stern gesprochen, die die Gespräche mit allen damals über Monate hinweg geführt haben. Schon zu der Zeit hatten wir uns um die Filmrechte bemüht zu der Verfilmung von Uli Edel („Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“). Und parallel dazu habe ich Annette Hess fast gestalkt, weil ich unbedingt mit ihr arbeiten wollte. Ich habe sie gefragt, welches der Stoff wäre, mit dem sie sich am allerliebsten beschäftigen wollen würde. Nach einigen Tagen Nachdenkzeit sagte sie mir, dass es die „Kinder vom Bahnhof Zoo“ wären.

    Das heißt, sie waren beide schon sozusagen dran am Thema?

    Oliver Berben: Annette Hess hatte die konkrete Idee, wie man es angehen kann und womit sie sich in einer seriellen Auseinandersetzung über acht Episoden beschäftigen möchte. Bei mir war es eher ein Gespür, dass in diesen unzähligen Stunden von Interview-Material mehr drinsteckt. Uli Edel und auch Rieck und Herrmann haben mir das bestätigt: Da ist so unglaublich viel, was auch gar nicht im Buch drin war, geschweige denn, was sie für den Film hätten nutzen können.

    Ein Thema, das über Generationen fasziniert: Die Kinder vom Bahnhof Zoo. Constantin Television Mike Kraus

    Glauben Sie, auch die Fans des Buches und des Films mitnehmen zu können, oder ist die Umsetzung dafür zu anders und spricht eher ein neues Publikum an?

    Oliver Berben: Das Buch, der Film und die Serie sind schon sehr verschiedene Umsetzungen. Und es ging uns auch nicht darum, eins zu eins zu erzählen – dann müsste man eine Doku machen. Es ist wie immer in fiktionalen Verfilmungen von Literatur, oder in diesem Fall Tatsachenberichten; es geht darum, sich vom Geschehenen inspirieren zu lassen. Es ist eine Übersetzung, primär für junge Menschen in der heutigen Zeit.

    Dazu dann die Entscheidung, unveröffentlichtes Material auf Audible zur Verfügung zu stellen, damit man dort noch einen Ausschnitt der echten Interviews hat?

    Oliver Berben: Genau, das ist die Idee. Wenn jemand sich für eine solche Thematik interessiert, wie junge Menschen versuchen, ihren Platz im Leben zu finden – und gegebenenfalls furchtbar scheitern – dann hat er die Möglichkeit, in diesem Kosmos von Amazon alles mitzubekommen. Die Serie, die Spiegel-Dokumentation, den Kinofilm und die Audible-Dokumentation. Die Herren vom Stern haben mir da einen riesigen Karton mit MC-Kassetten auf den Tisch gestellt, und ich konnte es gar nicht fassen, was für ein Schatz das war! Da hören Sie Original-Tonbandaufnahmen und dazu erzählen die beiden Journalisten den Hintergrund.

    Wie stark war die Inspiration durch David Bowie und dessen Werk?

    Oliver Berben: (lacht) Die war groß. Eines der ersten Gespräche war mit dem „David Bowie Estate“, der sozusagen die Nachlassverwaltung von Bowie ist. Die haben sich sehr über die Zusammenarbeit gefreut, und uns zugesichert, welchen Einfluss die Geschichte um Christiane F. auch auf Bowies Karriere gehabt habe. Das war damals in der Zeit, in der er in Berlin gelebt hat.

    High vom Abenteuer hinter den Kulissen des Bowie-Konzerts. Constantin Television Mike Kraus

    Und dann haben Sie einen Bowie-Lookalike gefunden – oder zumindest eine Interpretation?

    Oliver Berben: Alexander Scheer ist ein sehr bekannter Schauspieler. Als wir ihn dann so gestylt hatten, gab es Überlegungen, das digital etwas zu bearbeiten. Es sah aber so gut aus! Das ist eine tolle Reminiszenz an Bowie, der schwebt ja wie so eine Art Gottheit über diesem Projekt. Auch die Musik ist teilweise im Original in der Serie, teilweise wurde sie übersetzt in die Jetztzeit. Es ist also eine Inspiration für alle beteiligten Kreativen gewesen. Und wir haben es mit einem gewissen Augenzwinkern gemacht: Als eine Art Easter Egg.

    Wie haben Sie diesen außerordentlichen Cast aufgetrieben, und was wurde gemeinsam gemacht, um zu derartigen Leistungen zu kommen und so ein Gemeinschaftsgefühl auch unter den Schauspielenden zu entwickeln?

    Oliver Berben: Ich freue mich zunächst, dass es so ankommt. Das war im Grunde die ganze Grundidee, weil für uns feststand, nicht die Geschichte von Christiane F. alleine zu erzählen, sondern die der Kids. Es ging von Anfang an darum, ein Gemeinschaftsgefühl von verschiedenen Lebensentwürfen und -herkünften der Kinder zu zeigen. Die größte Herausforderung war wahrscheinlich das Casting. Diese Gruppe von Leuten zu finden, wo Sie Lust haben, denen durch dick und dünn zu folgen. Man wünscht sich einfach, dass sie’s schaffen.

    Und das mit einem kompletten Newcomer-Cast.

    Oliver Berben: Die Serie hat 297 Sprechrollen, also haben wir zwei verschiedene Casting-Agenturen engagiert: Eine für die „älteren Semester“ und eine für die Jüngeren. Und ich habe gesagt: „Von den ganzen Hauptrollen möchte ich keinen einzigen kennen, den ihr mir vorschlagt.“ Da hat auch der Regisseur Philipp Kadelbach mitgezogen, dass wir nicht bereits bekannte Schauspieler nehmen, sondern diese Gruppe neu entdecken mussten. Und genauso sollen hoffentlich die Zuschauer sie entdecken und daran Spaß haben.

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