Harry Rowohlt mit 70 Jahren gestorben

    Schriftsteller und Übersetzer spielte Harry in der „Lindenstraße“

    Marcus Kirzynowski
    Marcus Kirzynowski – 16.06.2015, 12:27 Uhr

    So kannten ihn die Fernsehzuschauer: Harry Rowohlt als „Penner“ Harry in der „Lindenstraße“ – Bild: GFF / WDR
    So kannten ihn die Fernsehzuschauer: Harry Rowohlt als „Penner“ Harry in der „Lindenstraße“

    Harry Rowohlt ist tot. Der Schriftsteller, Übersetzer und Zeitungskolumnist wurde einem breiten TV-Publikum als „Penner“ Harry in der „Lindenstraße“ bekannt. Wie sein Agent der dpa mitteilte, ist er gestern im Alter von 70 Jahren gestorben.

    Rowohlt wurde am 27. März 1945 als Harry Rupp in Hamburg geboren. Später heiratete seine Mutter den Vater Ernst Rowohlt, den Gründer des Rowohlt-Verlags. Nach einer Lehre als Verlagsbuchhändler beim Suhrkamp Verlag in Frankfurt am Main kam Harry Rowohlt als Volontär in das Familienunternehmen. Dort störten ihn aber die strengen Strukturen. Seinen später geerbten 49-prozentigen Anteil an dem bekannten Verlag verkaufte er. Nach einer Station bei einem New Yorker Verlag kam er zurück nach Deutschland, Anfang der 1970er Jahre begann er, Literatur aus dem Englischen zu übersetzen. Vor allem irische Schriftsteller hatten es ihm angetan und er übersetzte fortan gerne Werke, die vorher als „unübersetzbar“ galten.

    Zu den bekanntesten von ihm ins Deutsche übertragenen Romanen zählt Frank McCourts „Die Asche meiner Mutter“, neben Joyce oder Hemingway bearbeitete er aber auch die Comics von Robert Crumb und natürlich die Geschichten um „Pu, der Bär“ von A. A. Milne. Diese lagen ihm so sehr am Herzen, dass er seiner seit 1989 jahrzehntelang in der Zeit erscheinenden Kolumne den Titel „Pooh’s Corner“ verlieh (Untertitel: „Meinungen und Deinungen eines Bären von geringem Verstand“). Außerdem war Rowohlt als begnadeter Rezitator bei Lesungen bekannt, die er gerne mit Anekdoten auf mehrere Stunden ausweitete.

    Seit 1995 war Rowohlt regelmäßig in der „Lindenstraße“ zu sehen, zuerst ohne Namensnennung im Abspann. Als intelligenter und politisch informierter Obdachloser Harry Rennep kommentierte er oftmals sarkastisch und scharfsinnig die Probleme der Nachbarn wie auch das aktuelle Nachrichtengeschehen. Ansonsten war Rowohlt nicht als Schauspieler aktiv, lieh aber mehreren Figuren in den Zeichentrickadaptionen von „Der kleine Eisbär“ im Kino und TV seine Stimme.

    Rowohlt wurde mit mehreren wichtigen Übersetzerpreisen ausgezeichnet und 1996 zum „Ambassador of Irish Whiskey“ (Botschafter für irischen Whiskey) ernannt. Nach längerer Krankheit starb er jetzt zu Hause in seiner Heimatstadt Hamburg.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

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      Wer ihn einmal bei einer seiner langen Lesungen erlebt hat, mußte ihn einfach lieb haben!
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        Der wohl prominenteste "Penner" Deutschlands, der schon mal bei seinen eigenen Lesungen nicht reingelassen wurde.
        RIP!
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          Lehar schrieb:
          -------------------------------------------------------
          > Der wohl prominenteste "Penner" Deutschlands, der
          > schon mal bei seinen eigenen Lesungen nicht
          > reingelassen wurde.

          Sicher war Harry Rowohlt ein begnadeter Autor und Übersetzer. Er konnte jedoch auch reichlich selbstgerecht sein. Neben sich selbst ließ er kaum einen anderen gelten.
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        Und hier hab ich noch nen Podcast zu seinem 70. Geburtstag gefunden:

        http://media.ndr.de/download/podcasts/podcast3010/AU-20150323-1612-1242.mp3
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            Es ist schade, dass Harry Rowohlt schon so früh sterben musste. Er war ja erst 70, während die Prominenten, die in den letzten Tagen von uns gegangen sind, schon über 80 waren.

            Es war immer amüsant, wenn er in seiner ruhigen Art in der Lindenstraße als Penner Rennep seine Kommentare abgelassen hat. Eigentlich passte er mit seinem Hamburger Akzent gar nicht in die Münchner Lindenstraße. Ich glaube, es ist auch nie erwähnt worden, was ihn aus seiner norddeutschen Heimat nach Bayern verschlagen hatte.

            An eine Geschichte kann ich mich noch dunkel erinnern. Er erwartete seinen Vater und musste aus dem Grund bei einer Familie die Badewanne benutzen. Ich glaube, es war bei den Zenkers.
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              Das macht mich traurig, habe mal vor einigen Jahren gelesen das Er eine Krankheit hatte. Als Penner Harry habe ich echt gemocht - ich war quasi Fan,-) Er war so eine richtig coole Socke !

              Seine Bedeutung als Literat und seine Verbindung zum Verlag erschloss sich mir erst später , als es auch thematisiert wurde.


              Danke für viele colle Sprüche und viel schönes !



              Gruß

              Sir Hilary
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                Der Schriftsteller und Übersetzer Harry Rowohlt ist tot. Er starb nach langer, schwerer Krankheit Rowohlt sei zu Hause gestorben.

                Bekannt wurde er u.a. als "Penner Harry" in der Lindenstrasse.
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                  Ziemlich pietätlos den Fred so zu starten !
                  Schade, Harry Rowohlt mit seinem Gladbach-Schal nicht mehr in der Lindenstrasse zu sehen.
                  R.I.P.
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                  Also, irgendwie wusste ich das er bei der Lindenstrasse mitspielte, auch weil er das oft humoristisch erwähnte. Ich kannte Harry Rowohlt aber von seinen genialen Lesungen her.
                  Ich glaube, viele können mit seinem richtigen Namen etwas anfangen.
                  Schade!
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                  Ich habs eben auch in den Nachrichten gehört. Kein Wunder, dass er schon lange nicht mehr in der Lindenstraße zu sehen war, wenn er an einer langen schweren Krankheit litt. Ich hätte ihn jetzt auch für älter als 70 gehalten - er hatte ja schon zu Beginn der Lindenstraße einen langen grauen Bart.
                  Ich hab seine weisen Sprüche, die er in seinen grauen Bart nuschelte immer gemocht, und sein Fehlen in der Lindenstraße ist mir schmerzlich aufgefallen.
                  RIP Harry!

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