„Grey’s Anatomy“-Überraschung: Spin-off aufgeschoben

Serienableger stolpert über Geflecht von Steuergeschenken

Bernd Krannich
Bernd Krannich – 07.11.2026, 14:37 Uhr

„Grey’s Anatomy“ – Bild: ABC
„Grey’s Anatomy“

Parallel zur Ankündigung seiner Startdaten im ersten Quartal 2027 (fernsehserien.de berichtete) hat ABC nun bestätigt, dass das eigentlich für diesen Zeitraum angedachte, noch namenlose „Grey’s Anatomy“-Spin-off über eine Klinik in Texas (fernsehserien.de berichtete) auf die Season 2027/​28 verschoben wird. Hintergrund sind ausgebliebene Förderungen aus Kalifornien, die zu einem Umzug der Produktion führen. Weiterhin sind Details zur neuen Serie Mangelware, ein Cast ist auch noch nicht bekannt.

Obwohl die neue Serie in Texas spielen soll, sollte sie in der Gegend von Los Angeles gedreht werden – ebenso wie die Mutterserie, die eigentlich im für seinen Regenfall bekannten Seattle angesiedelt ist. Das hätte den Vorteil gehabt, dass die Autoren und Showrunner einen kurzen Weg zum Drehort gehabt hätten.

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Nun soll die Produktion in New Mexico stattfinden, genauer gesagt in Albuquerque. New Mexico hatte in der ersten Dekade der 2000er als einer der ersten US-Bundesstaaten ein Steuerförderungsprogramm für Film- und Fernsehproduktionen ausgerufen und konnte damals etwa „Breaking Bad“ anziehen.

Steuerförderprogramme sollen Medienproduktionen anziehen

Mit dem Förderprogramm machte man damals als einer der ersten Bundesstaaten den US-amerikanischen Unterhaltungsindustrie-Hochburgen Los Angeles (Hollywood) und New York City sowie dem kanadischen Vancouver Konkurrenz. Mittlerweile sind übrigens auch der US-Bundesstaat Georgia (Marvel-Filme, „The Walking Dead“-Franchise), Louisiana und Texas mit im Geschäft, auch New York hat mit einem Förderprogramm nachgelegt.

Das alles hatte dazu geführt, dass auch Kalifornien ein großes Förderungsprogramm aufgesetzt hatte, um die Abwanderung von Produktionen zu verhindern beziehungsweise bestehende Produktionen anzuziehen: Aktuell werden, nach mehreren Erhöhungen des Budgets, jährlich bis zu 750 Millionen US-Dollar bereitgehalten, aus denen Steuerrückerstattungen geleistet werden können und die jährlich in mehreren Vergabevorgängen (Serien, Filme, „Indie-Produktionen“) an Antragsteller verteilt werden.

Das „Grey’s Anatomy“-Spin-off

Im Fall „Grey’s Anatomy“ hatte sich die Produktion von Shondaland und 20th Television laut Deadline-Bericht in zwei unterschiedlichen Runden um eine Berücksichtigung in Kaliforniens Förderprogramm beworben und war zweifach durchgefallen. Die Art und Weise sowie der Umfang des seit 2009 jährlich mehrere Hundert Millionen US-Dollar vergebenden Förderprogramms ist in Kalifornien immer wieder Thema der lokalen (Wirtschafts-)Politik, so dass es letzte Woche laut Deadline zu einer Anhörung kam, bei der Shonda Rhimes-Adjutantin Betsy Beers ihre jüngsten Erfahrungen schilderte und dabei Kritik übte.

Aus Sicht von Beers hatte Shondaland seine Produktionen für Stammheimat ABC und teils auch für Netflix (der Ausnahmeerfolg „Bridgerton“ entsteht allerdings in Großbritannien) stets in Los Angeles angesiedelt. Nachdem es zuletzt für das kurzlebige „The Residence“ von Netflix (dessen Handlung um das Weiße Haus und in Washington, D.C. spielt) eine kalifornische Förderung gab, hatte man erhofft, dass die bisherige Loyalität honoriert würde – weil man eben in Zeiten, wo Produktionen in LA teurer waren und es noch nicht einmal ein Förderprogramm gab, eben in den sauren Apfel gebissen hatte. Letzteres natürlich nicht unbedingt aus Altruismus, sondern weil es Produktionsprozesse vereinfacht und weil Shonda Rhimes dieses Privileg ihren Vertragspartnern abringen konnte.

Nun waren die Anträge abgelehnt worden mit der Begründung, dass die Produktion des Spin-offs eben nicht genug Einfluss auf Kalifornien als Arbeitgeber hätte (verglichen mit anderen Antragstellern). Hintergrund der Förderung ist die Schaffung von „sekundären Arbeitsplätzen“, also für (Bühnen-)Handwerker, Fahrer, Statisten, technische Jobs, Catering, Buchhalter, Make-up etc., die dann ihrerseits Steuergelder in die Staatskassen spülen. Welche Serienproduktionen die jüngste Förderung erhalten soll am 16. November veröffentlicht werden.

Wie gesagt, das Förderprogramm ist in Kalifornien ein Thema der Tagespolitik und auch häufiger des Wahlkampfes. 2009 war sein Budget von Gouverneur Arnold Schwarzenegger mit 100 Millionen US-Dollar jährlich gestartet worden. Mittlerweile befindet sich das Gesetz in seiner vierten Auflage (beschlossen wird das Budget immer über mehrere Jahre) mit einem Budget von 750 Millionen US-Dollar. Anfang November hatte der scheidende kalifornische Gouverneur Gavin Newsom eine Aufstockung auf 1 Milliarde US-Dollar jährlich sowie eine langfristige Verlängerung bis 2040 vorgeschlagen, um der Industrie Planungssicherheit zu geben.

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