Gotthilf Fischer ist tot: Weltberühmter Chorleiter wurde 92 Jahre alt

    Gründer der Fischer-Chöre ist verstorben

    Glenn Riedmeier – 16.12.2020, 18:40 Uhr

    Gotthilf Fischer (1928–2020)

    Einer der bekanntesten Chorleiter der Welt ist tot: Gotthilf Fischer, der durch die von ihm gegründeten Fischer-Chöre bekannt wurde, ist bereits am 11. Dezember 2020 im Alter von 92 Jahren verstorben. Er wurde heute beerdigt, nachdem er in Weinstadt in der Nähe Stuttgart im Kreis seiner Familie einschlief, wie sein Management gegenüber der dpa bekannt gab. Er hatte keine schwere Krankheit, es war einfach das Alter.

    Geboren wurde Gerhard Albert Gotthilf Fischer am 11. Februar 1928 im schwäbischen Plochingen als Sohn eines Zimmerermeisters. Die Liebe zur Musik entdeckte er schon in seiner Kindheit und war ein echter Autodidakt – eine formale musikalische Ausbildung hat er nie durchlaufen. Mit 14 Jahren gründete er seinen ersten Chor. Drei Jahre später, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde er Leiter des Concordia-Gesangsvereins in seinem Heimatort Deizisau. Er erlangte erste lokale Bekanntheit, als er mit diesem Chor beim großen Schwäbischen Sängerfest in Göppingen die Wettbewerbe in Volks- und Kunstgesang gewann. Darauf aufbauend sammelten sich weitere Gesangsvereine unter seiner Leitung, die zu den sogenannten Fischer-Chören wurden.

    Gotthilf Fischer hatte auch ein Gespür für wirtschaftlichen Erfolg und verstand es gut, sich in Szene zu setzen. Bundesweite Bekanntheit erlangte er mit den Fischer-Chören, als er mit ihnen 1970 in der ZDF-Show „3 mal 9“ mit Wim Thoelke auftrat. Nur wenig später erschien die erste Schallplatte.

    Zu den Höhepunkten in Fischers Karriere gehört, als er 1974 vor dem Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft in München mit einem Chor aus 1.500 Menschen auf dem Rasen des Olympiastadions „Eviva Espana“ anstimmte. Darüber hinaus führten ihn Welttourneen nach Rom und in die Vereinigten Staaten zu US-Präsident Carter. Fischer scheute auch nicht davor zurück, als 72-Jähriger im Jahr 2000 an der Berliner Loveparade teilzunehmen.

    Auch im Fernsehen war Gotthilf Fischer gern gesehener Gast, zudem war er Erfinder und Moderator der langjährigen Showreihe „Straße der Lieder“, die von 1995 bis 2008 im Ersten lief. Darin zog der Dirigent mit Gastkünstlern in einem Oldtimerbus durch die deutschen Lande. Ferner wirkte Fischer auch in der Castingshow „Bully sucht die starken Männer“ mit, wo er mit den Kandidaten, die sich für die Rolle des Ulme bewarben, den Gesang übte.

    Zwischenzeitlich dirigierte Gotthilf Fischer mehr als 60.000 Sänger auf der ganzen Welt, die in Freundeskreisen der Fischer-Chöre aktiv waren. Insgesamt verkaufte er 16 Millionen Platten weltweit. Und auch die modernen Medien kamen nicht an dem „König der Chöre“ vorbei: Die Aufnahme der Europahymne „Ode an die Freude“ kam nach Angaben von Fischers Management auf mehr als 17 Millionen YouTube-Streams und Zehntausende Downloads. Für sein langes Wirken bekam Fischer 2017 als erster Künstler eine Auszeichnung für 70 Jahre Tonaufnahmen.

    Gotthilf Fischer heiratete im Jahr 1949 seine Frau Hildegard, die am 26. Dezember 2008 an den Folgen eines Schlaganfalls starb. Sie brachte einen Sohn mit in die Ehe, gemeinsam bekamen sie zwei Kinder.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

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      Ein schönes Alter und friedlich eingeschlafen, mehr kann man nicht wünschen.

      Mach's gut!
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        Ja, der Gotthilf Fischer, auch GoFi genannt, ein ganz großer ist von usn gegangen. Er wohnte hier im Nachbarort. Jetzt haben die Engel einen genialen Chorleiter für den Himmelschor.

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