Gefälschte Zeitschrift: WDR hat revolutionäre Pläne

    Mitarbeiter kritisieren ihren Sender in Satireform

    Michael Brandes – 29.10.2010

    Eine gefälschte Ausgabe des „WDR-Print“ hat am Donnerstag beim Kölner Sender für Aufsehen gesorgt. Das professionell gefertigte Plagiat der Hauszeitschrift wurde von rund 50 anonymen Mitarbeitern des Senders angefertigt, die in Satireform scharfe, aber durchaus humorvoll verpackte Kritik an ihrem Arbeitgeber äußern.

    In der im Jahr 2011 angesiedelten „Zukunftsausgabe“ der Zeitschrift kündigt die im Emma-Peel-Kostüm abgelichtete WDR-Intendantin Monika Piel unter der Überschrift „Auferstanden von den Quoten“ einen selbstkritischen Kurswechsel an: „Eine Tendenz zur Programmverflachung war in den 90er und 2000er Jahren unverkennbar: Buntes statt investigativer Journalismus, ‚Service‘ statt Hintergrund, ‚Menscheln‘ statt Analysieren, ‚Quote‘ statt Qualität – das war WDR-Hauspolitik“. Die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sei es aber weder, „dem vermeintlichen Zeitgeist hinterher zu laufen, noch, Politik und Wirtschaft zu gefallen oder deren Vorgaben nachzuplappern. Unsere Aufgabe ist es, Fehlentwicklungen aufzuzeigen und die Zukunftsfragen dieser Gesellschaft zu diskutieren.“

    Angekündigt wird ein simples, aber revolutionäres neues Programmschema für ARD und WDR: „Alle guten Sendungen beginnen künftig um 20:15 Uhr direkt nach der Tagesschau. Alle schlechten Sendungen werden auf Sendetermine nach 23:00 Uhr verschoben. Bisher war es leider genau umgekehrt.“

    Alle gängigen WDR-Unterhaltungsformate werden dafür mit Hilfe von Margarethe Schreinemakers entsorgt. Sie moderiert einmal pro Woche die ‚All-in-One‘-Show „Ein Abwasch“: „Margarethe kocht, stellt Quizfragen, richtet fremde Wohnungen ein, gibt Erziehungstipps, testet Produkte, singt Heimatlieder, präsentiert Rankings, liefert Servicehinweise, reist durch reizvolle Landschaften in NRW – und das alles gleichzeitig
    in nur 45 Minuten!“ Auf diese Weise „werden im WDR-Fernsehen pro Woche vier Hauptabendtermine um 20:15 Uhr frei“, wird Fernsehdirektorin Verena Kulenkampff zitiert. „Und wir haben dann auch das Geld, auf diesen Sendeplätzen endlich ein gutes Programm zu machen.“

    Als neue Programme angekündigt werden ein WDR-Satiremagazin („Seit vor 2 Jahren sogar das ZDF satiremäßig in die Offensive ging, wirkte der WDR doch ziemlich angegammelt. Wenn das Programm älter aussieht als sein Publikum, dann stimt etwas nicht“), das Comeback der kritischen Enthüllungsreportagereihe „Gesucht wird … “ und die ehrliche Vor-Ort-Sendung „Potthässlich“ – denn „zwischen Bottrop und Quadrath-Düsseldorf wartet ein ganzes Bundesland darauf, neu entdeckt zu werden.“ Außerdem als TV-Ereignis des Jahres das dreiteilige Doku-Drama „Die Krise“ über die Bankenkrise als „Folge einer jahrelangen, von Politikern wie Gerhard Schröder, Wolfgang Clement und Angela Merkel gezielt betriebenen Deregulierungs- und Liberalisierungspolitik der Finanzmärkte.“ In den Hauptrollen unter anderem Götz George als Josef Ackermann und Heike Makatsch als Angela Merkel.

    Zur „Wende im WDR“ zählen aber nicht nur neue Programme. So wird beispielsweise der Rundfunkrat durch ein Zuschauerparlament ersetzt, die leitenden Angestellten stellen sich künftig einer Wahl und freie Mitarbeiter erhalten angemessenere Honorare.

    Intendantin Monika Piel reagierte inzwischen mit einem Schreiben an die „lieben Kolleginnen und Kollegen“: „Die Ausgabe ist witzig und phantasievoll gemacht, mit gelungenen Pointen und einem Layout von hoher Professionalität. Einmal mehr ein klarer Beleg dafür, dass der WDR eine Menge kluger Köpfe hat“. Für den Dezember lädt sie ihre Mitarbeiter zu einem „Get-Together“ ein, um über die Situation im WDR zu diskutieren.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

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      "I LOVE 'Sälps gemaachchdd"
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        Am besten finde ich diesen Artikel:


        Potthässlich: Mit Tamina Kallert durch NRW

        Zugegeben – Nordrhein-Westfalen ist in weiten Teilen kein wirklich schönes Bundesland. Unsere neue Vor-Ort-Sendung steht dazu – und sucht den Charme im Hässlichen, die Atmosphäre im Banalen, die Geschichten hinter den Dingen.
        „Bislang hatten wir ja immer den Postkartenblick, aber dann waren wir verblüfft, wie viel Scheußlichkeiten ein einziges Bundesland so aufbringen kann“, berichtet Redakteur Richard Hofer. Jürgen Roth und Raik Wieland, die Herausgeber des Standardwerks „Öde Orte“ haben die Fachberatung der Sendung übernommen.
        Ab Dezember führt uns Tamina Kallert zu den bedenklichsten Autobahnkreuzen, umstrittensten Supermarktparkplätzen und sonderbarsten 70er-Jahre-Rathäusern des Landes; zwischen Bottrop und Quadrath-Düsseldorf wartet ein ganzes Bundesland darauf, neu entdeckt zu werden – und zwar so, wie es wirklich ist: Potthässlich.
        Jetzt neu im wdr-Fernsehen, jeden ersten Freitag im Monat, 22.00 Uhr
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          NRW findet zu nicht unerheblichen Teilen auch südlich der Ruhr, nördlich der Lippe und westlich des Rheins statt, woll ?

          Und überhaupt: "woanders isset auch scheisse", O-Ton des Stadionsprechers des VfL Bochum (komm grad nicht auf den Namen).
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          yrkoon schrieb:
          -------------------------------------------------------
          > [...]
          > Und überhaupt: "woanders isset auch scheisse",
          > O-Ton des Stadionsprechers des VfL Bochum (komm
          > grad nicht auf den Namen).


          Ähhh ... mal kurz off Topic: ist das nicht dieser Michael Wurst, der auch mal bei "Star Search" mitgemacht hat?
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          Es müsste Frank Gosen (Goosen?) sein, der das geprägt hat ?
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          Und gut, dass ich südlich der Ruhr wohne
          .
          .
          ca. 200m ;))
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          yrkoon schrieb:
          -------------------------------------------------------
          > Es müsste Frank Gosen (Goosen?) sein, der das
          > geprägt hat ?


          Stimmt, der war's.
          Michael Wurst spricht (glaube ich) erst seit August im Stadion.
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          Na da bist Du ja fast ein Nachbar ... ;-)
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          Dann sind wir ja zumindest schon drei. Zu DVOGEL kann/könnte ich rüberwinken, wenn ich wüsste, wie er aussieht ;)
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          yrkoon schrieb:
          -------------------------------------------------------
          > Dann sind wir ja zumindest schon drei. Zu DVOGEL
          > kann/könnte ich rüberwinken, wenn ich wüsste,
          > wie er aussieht ;)


          Ha ... dann kannst Du sicher auch zu mir winken ... ;-)
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          Ich weiss aber auch nicht, wie Du aussiehst.
          Ich geh jrtzt mal eben zum Fenster mit Blick auf die N-Gebäude der RUB u nd winke!
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        Was soll ich mich noch anstrengen - danke für eure Beiträge - wo kann ich unterschreiben ?
        Nachdenker
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          Keine weiteren Versuche, dem Schrott der Kommerzsender nachzueifern, kein weiteres Absenken des Niveaus in Richtung Boulevard, kein Verballern der Gebührenmilliarden für wenige Promis und Sportereignisse, keine weitere Zusammenarbeit mit den regionalen Großunternehmern im Printmedienbereich, keine weiteren fragwürdigen "Medienpartnerschaften" (Nannte man derlei früher nicht Journalisten-Prostitution?) an Stelle von kritisch-distanzierter Berichterstattung und vor allem: Statt Politikern und Lobbyisten, die nach einer Art Ständestaatsystem ihre Posten erhalten haben, weil sie angeblich irgendwie wichtig sind und angeblich irgendjemanden repräsentieren,
          entscheiden künftig von den Gebührenzahlern gewählte, also demokratisch legitimierte Vertreter.

          Zu schön, um wahr zu sein!

          (Kann deshalb auch nur jedem empfehlen, sich die gefälschte Hauszeitung über den in der Meldung enthaltenen Link herunterzuladen - solange sie noch im Netz steht. Schöne, geistreiche, unterhaltsame Lektüre fürs Wochenende!)
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            Sehr löblich! Wobei mir der WDR immer noch eines der liebsten Dritten ist. Der NDR (!!!) sollte sich davon mal eine Scheibe abschneiden. Was die im Vorabend- und Abendprogramm bieten ist kaum zu ertragen. Diese unsäglichen Shows mit Carlo von Tiedemann oder RTL-Kopien à la "Die 10 größten/dümmsten...", wo dann auch immer Carlo von Tiedemann zusammen mit ein paar Tagesschau-Sprechern seinen Senf dazugeben muss.
            Einziger aktueller Lichtblick ist die neue Reportagereihe "45 Minuten", die in diesem Jahr eingeführt wurde. Wer will schon wissen, was Jan Hofer von Bikinis hält? Oder dass Carlo von Tiedemann findet, das die Farbe Lila "gar nicht" geht? Unglaublich!


            Der Kelte
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              Gute Ansätze. Vor allem das Format "Ein Abwasch" scheint mir zukunftsträchtig. Wenn Frau Schreinemakers nicht zur Verfügung steht, empfiehlt sich als Vertretung Johannes "kann es" Kerner. Allerdings sollte die Sendung auf 25 Minuten verkürzt werden. Inhaltlich scheint sie mir einfach nicht mehr herzugeben.

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