Foto von NSU-Terrorist in Kölner „Tatort“ eingebaut

    Echter Uwe Mundlos in fiktiver BKA-Akte

    Mario Müller – 14.09.2012, 11:47 Uhr

    Foto von NSU-Terrorist in Kölner "Tatort" eingebaut – Echter Uwe Mundlos in fiktiver BKA-Akte – Bild: WDR

    „Ich bin fast vom Glauben abgefallen: Es ist Mundlos“, bestätigte Sonja Goslicki von Colonia Media gegenüber ‚Spiegel Online‘. Sie hatte 2001 im Auftrag des WDR die „Tatort“-Folge „Bestien“ produziert, in der in einer Szene das reale Fahndungsfoto des Terroristen Uwe Mundlos in einer fiktiven Fahndungsakte zu sehen ist. Mundlos hatte zusammen mit Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt die Terrorvereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) gegründet und soll für zehn Morde verantwortlich sein. Er wurde im November letzten Jahres tot in einem Wohnwagen aufgefunden.

    In der brisanten Folge, die damals mehr als neun Millionen Zuschauer erreichte, geht es um ein vergewaltigtes und ermordetes Mädchen, deren Mutter den Täter umbringt und vom ermittelnden Kommissar Ballauf (Klaus J. Behrendt) vor einer Mordanklage beschützt wird, indem dieser ein Beweismittel vernichtet. Die Folge sorgte für kontroverse Diskussionen und wurde von Medienwächtern und Vertretern der Polizei heftig kritisiert.

    In der betreffenden Szene schaut sich der Vater des ermordeten Mädchens in einer Kölner Zeitungsredaktion Fotos von gesuchten Sexualverbrechern an. Dabei sind in einer fiktiven BKA-Akte drei Fotos von Schauspielern zu sehen – sowie eines des damals tatsächlich zur Fahndung ausgeschriebenen Uwe Mundlos.

    Das Thüringer Landeskriminalamt suchte Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe 1998 wegen „Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens im Bereich Jena“, im Zuge dieser Ermittlungen wurde das Foto von Mundlos auch in der ‚Ostthüringer Zeitung‘ veröffentlicht. Größere bundesweite Beachtung sei diesem Fall damals jedoch nicht zuteil geworden, sodass das Foto keine weite Verbreitung fand.

    Daher ist es umso kurioser, dass es den Weg in die erfolgreichste deutsche Krimi-Reihe fand. Laut Colonia Media sei es üblich, Requisiten dieser Art aus Archivmaterial zusammenzubasteln. Produzentin Goslicki vermutet den zufälligen Fehlgriff bei einer Praktikantin, die damals bei der Ausstattung mithalf: „Die junge Mitarbeiterin ist wohl davon ausgegangen, dass es sich um ein Foto eines Mitarbeiters gehandelt hat“, so Goslicki gegenüber ‚Spiegel Online‘.

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