FerienSerien: „Pastewka“

    Bastian Pastewka als Comedian mit Hang zu peinlichen Situationen in der Rolle seines Lebens

    Dennis Braun
    Dennis Braun – 18.06.2016, 17:00 Uhr

    Der Cast von „Pastewka“ – Bild: Brainpool/Sat.1/Frank Dicks
    Der Cast von „Pastewka“

    Dieser Artikel ist Teil unserer Artikel-Reihe FerienSerien.

    „Ist Ihnen das alles wirklich passiert?“ – „Nein, nicht alles. Nur die peinlichen Momente.“ So oder so ähnlich antwortet Comedian Bastian Pastewka gerne, wenn Fans, Kritiker oder Journalisten ihn nach dem Wahrheitsgehalt seiner eigenen Sitcom fragen.

    „Pastewka“ ist ein echtes Kleinod in der deutschen Serien- und vor allem Comedy-Landschaft und besticht nicht nur durch einen hervorragend eingespielten Cast, sondern auch die himmelschreiend komischen Drehbücher von Chris Geletneky und Sascha Albrecht. Womit gleichzeitig oben genannte Frage beantwortet wäre – wenngleich gewisse autobiografische Züge nach Aussage des Hauptprotagonisten nicht von der Hand zu weisen sind. Seit 2005 entstanden bislang 67 Folgen in sieben Staffeln, die dem Bällchensender Sat.1 vor allem in den Anfangsjahren sehr gute Quoten bescherten.

    Worum geht es in „Pastewka“?
    Die Serie bildet das Leben des Comedians Bastian Pastewka ab – zumindest soll es den Anschein erwecken. Der 44-Jährige spielt sich darin selbst und fällt vor allem dadurch auf, dass er in jedes erdenkliche Fettnäpfchen tritt, das sich ihm in den Weg stellt – sowohl beruflich als auch privat.

    Leidtragende sind beispielsweise seine prominenten Kollegen wie Annette Frier, Michael Kessler, Anke Engelke oder Hugo Egon Balder, die als Gaststars ebenfalls sich selbst spielen und von Bastian des Öfteren veräppelt, auf die Palme gebracht oder gar eiskalt ausgenutzt werden. Sich selbst im besten Licht erscheinen zu lassen, gerne auch auf Kosten seiner engsten Freunde, ist eine seiner schlechten Eigenschaften.

    Doch auch mit seinen Familienmitgliedern eckt er häufig an: Lebensgefährtin Anne Leyfert (Sonsee Neu) etwa bemängelt dessen Fernsehsucht, seine generelle Abneigung gegen Sport und gesunde Ernährung sowie sein Zaudern vor Hochzeits- und Nachwuchsplänen (O-Ton Pastewka: „Da brauch ich noch etwas Bedenkzeit“). Mit Bruder Hagen (Matthias Matschke) kommt es ebenfalls zu Reibereien, während Nichte Kimberly Jolante („Kim“, Cristina do Rego) ihren Onkel sogar abgrundtief hasst. Dies beruht nicht nur hier, sondern auch in Bezug auf Bastians Nachbarin Svenja Bruck (Bettina Lamprecht, ab Staffel 3 Hagens Freundin) auf Gegenseitigkeit, mit der er förmlich einen Kleinkrieg führt. Von seinem gelegentlich auftauchenden Vater Volker (Dietrich Hollinderbäumer) erfährt er zudem kaum Unterstützung, hält dieser seinen Sohn trotz dessen Bekanntheitsgrades doch für einen egoistischen, selbstverliebten und nichtsnutzigen Faulenzer.

    Dann wäre da noch Bastians Managerin Regine Holl (Sabine Vitua), die jedoch nur selten einen lukrativen Auftrag für ihn an Land zieht und von der TV-Branche augenscheinlich nur wenig Ahnung zu haben scheint. Darüber hinaus hat sie ein ausgeprägtes Alkoholproblem und ist vor allem in ihrem Büro nur selten nüchtern anzutreffen.

    All diese Umstände sorgen dafür, dass Bastian von einem Unglück ins nächste schlittert und vermeintlich alltägliche Ereignisse wie ein Flug zu einer Preisverleihung in Wien, ein Besuch bei Annes Eltern oder eine Fahrstuhlfahrt mit Anke Engelke nach der Verleihung des „Deutschen Comedypreises“ regelmäßig in einer Katastrophe enden.

    Hintergründe
    Die Idee zu „Pastewka“ ist an die US-amerikanische Serie „Lass es, Larry!“ mit Larry David („Seinfeld“) angelehnt, wenngleich auf Improvisationselemente verzichtet wird. Nachdem der Sender RTL, bei dem der Schauspieler zuvor für die unterhaltsame Reisereportage „Pastewka in…“ sowie die Pantomime-Show „Ohne Worte“ vor der Kamera stand, das Konzept abgelehnt hatte, einigte man sich 2004 mit Konkurrent Sat.1. Die erste Folge lief am 9. September 2005 und holte grandiose 20,1 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen bei insgesamt 3,36 Millionen Zuschauern.

    In den folgenden Jahren war „Pastewka“ ein fester Bestandteil des Freitagabends, zum Start der jeweils neuen Staffel veranstaltete man 2012 und 2014 sogar eine bundesweite Kinotour. Auch wenn die Quoten besonders mit der letzten Staffel spürbar zurückgingen, ist die Serie nach wie vor eines der letzten Aushängeschilder für Sat.1 im Comedybereich. Daher ist es absolut unverständlich, wie stiefmütterlich der Sender mit der auch bei Kritikern äußerst beliebten Sitcom umgeht und eine Fortsetzung seit nunmehr knapp zwei Jahren offen lässt. Ein Vertrauensbeweis sieht in jedem Fall anders aus.

    Für wen ist „Pastewka“ zu empfehlen?
    Freunde von rar gesäten hochwertigen deutschen Comedyformaten wie „Stromberg“, „Der Tatortreiniger“ oder „Olli Dittrichs TV-Zyklus“ werden auch bei „Pastewka“ voll auf ihre Kosten kommen. Die hervorragend dargestellte Metaebene mit all ihren Übertreibungen und dem immer mitschwingenden Fremdschäm-Faktor machen die Sitcom einzigartig in der deutschen Fernsehlandschaft. Besonders mit ein wenig Hintergrundwissen über die Branche, welches jedoch nicht unbedingt vonnöten ist, eröffnen sich einem intelligent verborgene Pointen, die sich im nächsten Atemzug mit herrlich überzogenem Klamauk paaren. Die schauspielerischen Leistungen des gesamten Casts sind derart herausragend, dass man all die hochnotpeinlichen Begebenheiten fast für bare Münze nehmen könnte.

    Verfügbarkeit
    Alle sieben Staffeln sind sowohl einzeln als auch in mehreren Gesamteditionen auf DVD erschienen. Online kann man aktuell (17. Juni 2016) sämtliche Episoden bei den Video-on-Demand-Diensten Netflix (im Abo enthalten) und Amazon Prime Instant Video (im Abo oder Kaufvideo) sowie über den iTunes-Store (Kaufvideo) beziehen. Darüber hinaus lassen sie sich auf der werbefinanzierten Plattform myspass.de der Produktionsfirma Brainpool kostenlos anschauen.

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