1997 rief der WDR das Magazin „Frau tv“ ins Leben – mit dem klar definierten Ziel, die Lebenswirklichkeit von Frauen darzustellen und über Ungerechtigkeiten zu berichten, die Frauen heute noch widerfahren. Doch kurz vor dem 30. Geburtstag der Sendung gibt der WDR heute überraschend bekannt, das Format einzustellen. Die letzte Ausgabe wird am 19. November um 22:15 Uhr ausgestrahlt.
Als Grund für diese Entscheidung nennt der WDR transparent die gesunkenen Einschaltquoten. „Frau tv“ habe sich als klassisches Fernsehmagazin zwar weiterentwickelt, dennoch sei die Sehbeteiligung kontinuierlich gesunken. So lag der durchschnittliche Marktanteil 2025 lediglich noch bei 3,4 Prozent. Im NRW-Sendegebiet schalteten im Schnitt nur noch 131.000 Zuschauerinnen und Zuschauer ein.
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Bereits in diesem Jahr wurde die Anzahl der Ausgaben des ursprünglich wöchentlichen Magazins reduziert. So liefen 2026 bislang nur zehn Folgen. Nach der Ausgabe am 19. November wird „Frau tv“ schließlich eingestellt. Parallel zu dieser Bekanntgabe versichert der WDR allerdings, dass man auch künftig auf Formate und Angebote setzen werde, die Frauen und ihre Perspektive in den Mittelpunkt stellen. Diese sollen dann speziell für digitale Ausspielwege produziert werden, also allen voran für die ARD Mediathek. Der Facebook-Kanal von „Frau tv“ soll zudem auch über das Ende der linearen Sendung hinaus bestehen bleiben und weiterentwickelt werden.
Seit dem Start im Jahr 1997 fungiert Lisa Ortgies als Moderatorin von „Frau tv“. 2015 gesellte sich Sabine Heinrich als weitere Moderatorin hinzu. Das lineare Magazin im WDR Fernsehen konnte jedoch zuletzt immer weniger Publikum erreichen, daher folgt nun eine Verlagerung ins Digitale. Frauenpolitische Debatten, persönliche Geschichten von Frauen und Themen wie Emanzipation oder Geschlechtergleichstellung sollen dadurch mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit bekommen und mehr Menschen erreichen.
Damit diese Themen mehr Frauen aller Altersgruppen und in unterschiedlichen Lebensphasen erreichen, „entwickelt die Fachredaktion unter anderem in Kooperation mit anderen Abteilungen im WDR verschiedene Formen, die in der Summe wieder mehr Menschen ansprechen als ein Fernsehmagazin mit kurzen Einzelbeiträgen“. So wird am 12. Oktober die Dokumentation „Die Wechseljahre: Zu heiß für Deutschland?“ mit Sabine Heinrich für die „ARD Story“ im Ersten und der ARD Mediathek veröffentlicht. Ebenfalls im Herbst kommt das Social-Reality-Format „Vibes – Find Your Fire“ mit „Let’s Dance“-Jurorin Motsi Mabuse. Darin geht es um neun Frauen in einer entscheidenden Umbruchphase ihres Lebens, die zusammen in einem Haus am Meer sich selbst neu entdecken, um Schritt für Schritt zu mehr innerer Stärke und neuem Selbstbewusstsein zu finden (fernsehserien.de berichtete).
Andrea Schafarczyk, WDR-Programmdirektorin NRW, Wissen und Kultur:
Mit ‚Frau tv‘ verabschieden wir uns von einem langjährigen Fernsehformat, aber ganz ausdrücklich nicht von Angeboten für Frauen. Ganz im Gegenteil: Themen wie Frauenrechte, gesundheitliche Chancengleichheit, Frauengesundheit, Selbstbestimmung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Beziehungen haben bei uns eine lange Tradition und sind für den WDR unverzichtbar – sie liegen uns sehr am Herzen. Unser Ziel ist, mit anderen Erzählformen und Verbreitungswegen für diese Themen eine größere Aufmerksamkeit zu erzielen, als es uns mit dem klassischen Magazinformat gelungen ist. Auch wenn die letzte Sendung noch nicht ausgestrahlt ist, danke ich schon jetzt dem ganzen Team – den Autorinnen und Autoren, der Redaktion und natürlich den beiden Moderatorinnen Lisa Ortgies und Sabine Heinrich – ganz herzlich für ihre starke und engagierte Arbeit in den vergangenen Jahren.
„Frau tv“ ist seit dem Ende des ZDF-Formats „ML Mona Lisa“ das letzte verbliebene Frauenmagazin im deutschen Fernsehen. Ironie des Schicksals: Auch „ML Mona Lisa“ endete nach 29 Jahren. Das Magazin war von 1988 bis 2017 im ZDF auf Sendung.