Trotz Hightech- und Spitzenmedizin sind in Deutschland jedes Jahr circa 170.000 Menschen von Behandlungsfehlern im Krankenhaus betroffen. Rund 17.000 bezahlen dafür mit ihrem Leben. Ursachen können Sepsis, Resistenzen, Fehldiagnosen oder falsche Medikamente sein. Jasmina Neudecker macht sich auf die Suche: Wie kann es sein, dass ausgerechnet Krankenhäuser so häufig krank machen, und was kann die Forschung dazu beitragen, um Risiken zu verringern? Das deutsche Gesundheitssystem zählt zu den modernsten und teuersten der Welt.
Trotzdem sind jährlich circa 170.000 Menschen von medizinischen Fehlern betroffen. Die Folgen sind nicht nur tragisch, sondern auch teuer: 15 Prozent aller Krankenhauskosten – stolze 48 Milliarden Euro jährlich – entstehen dadurch. Jasmina Neudecker trifft Menschen, denen teils lebensbedrohliche Therapie- und Diagnosefehler widerfahren sind. Ein Patient aus Hanau etwa bekam nach einer Bauch-OP eine Sepsis, die nicht erkannt wurde, und litt unter erheblichen Spätfolgen wie massiven Depressionen mit Suizidversuch.
Bei einer Patientin aus Berlin wurde nach einer falschen Krebsdiagnose eine unnötige Operation durchgeführt, bei der sie fast gestorben wäre. Es gibt vielfältige Ansätze, um solche Probleme in den Griff zu bekommen. Jasmina Neudecker lernt sie auf einer Reise durch Deutschland bei Begegnungen mit Forschenden und Medizinern kennen. Der Anästhesist Michael Booke im varisano Krankenhaus Bad Soden klärt die Bevölkerung in einem Modellprojekt über die Symptome einer Sepsis auf. Viele Menschen, darunter selbst Fachleute, wissen immer noch zu wenig über die Gefahren und Anzeichen einer Blutvergiftung.
An der Universitätsmedizin Greifswald hat der Mediziner Matthias Gründling Anfang 2026 ein neuartiges Sepsis-Screening eingeführt. In anderen Krankenhäusern sollen Optimierungen beim Verabreichen von Medikamenten und eine verbesserte Fehlerkultur dazu beitragen, die Zahl der Fehlbehandlungen zu verringern. Zudem sollen neue, von dem Biomediziner Christophe Zimmer mithilfe von KI an der Universität Würzburg entwickelte Antibiotika helfen, die Fallzahlen zu senken. (Text: 3sat)