Paul Wander: Stark durch Cut Out Kunst
Folge 208 (15 Min.)
Paul Wanders Kunst ist speziell. Mit einem Skalpell schneidet er kleinste Teile aus einem Papier. Dadurch entstehen faszinierende Kunstwerke zu ganz unterschiedlichen Themen: Architektur, Natur oder der menschliche Organismus.Bild: ZDF und Larissa EdenKünstler Paul Wander hat den Blick fürs Wesentliche. Mit seinen Cut-Out-Werken macht er es sichtbar, indem er Unwesentliches ausschneidet. Auf diese Weise kann Paul seine Ängste ausblenden. Tag für Tag arbeitet Paul Wander im Atelier 23 der Lebenshilfe Gießen an seinen Werken. Zu Beginn haben ihn Linoldrucke fasziniert. Mittlerweile hat er Cut-Out für sich entdeckt. Die Kunst, durch Ausschneiden feinste Konturen sichtbar zu machen. Pauls neueste Bilderserie zeigt Organe. Das Herz, die Leber oder auch den komplexen Aufbau einer weiblichen Brust. Tagelang arbeitet der 46-Jährige an seinen Werken. Beim Ausschneiden mit einem Skalpell vergisst er Zeit und Raum.Vergisst er die Flucht aus seinem Heimatland Kasachstan. Sein Stottern. Seine seelischen Probleme. Weglassen für eine klare Sicht auf die Dinge. Das ist Pauls Ding. Gemeinsam mit seinen Künstlerkolleginnen und -kollegen arbeitet er Tag für Tag im Atelier 23. Der Austausch mit den anderen ist ihm dabei sehr wichtig. Denn jeder und jede im Atelier hat ganz eigene Stilrichtungen und künstlerische Ansichten. So kommen immer wieder neue Ideen auf. Immer gleich ist aber der Anfang von Pauls Werken. Er beginnt stets mit einer Zeichnung. Detailgetreu bringt Paul seine Motive auf ein Blatt. Spannende Gebäude, Gießener Wahrzeichen, facettenreiche Pflanzen und Tiere oder eben wie zurzeit: menschliche Orange. Nach dem Zeichnen kommt das Cutten. Millimetergenau schneidet Paul Stück für Stück aus dem Papier und lässt so das eigentliche Objekt zum Vorschein treten. Die fertigen Kunstwerke werden in der hauseigenen Galerie 23 ausgestellt. Auch die Bilder, Skulpturen und Fotos seiner Künstlerkolleginnen und -kollegen kann man in der Galerie betrachten – und natürlich kaufen. Wir begleiten Paul bei seiner Arbeit im Atelier, besuchen in der Gießener Unibibliothek eines seiner ausgestellten Werke und erleben die Ausstellungseröffnung in der Galerie 23 mit Werken von Paul Wander und seinen Künstlerkolleginnen und Kollegen. (Text: ZDF) Deutsche TV-Premiere Sa. 18.04.2026 ZDF Lucy Wilke: Lebe lieber ungewöhnlich
Folge 209 (15 Min.)Lucy Wilke und Pawe? Dudu? brauchen keine Requisiten. Ihr Stück „Scores that shaped our friendship“ findet ausschließlich auf dem Boden statt. Das Theaterstück ist ein intimes Porträt ihrer Freundschaft.Bild: ZDF und Martina Marini MisteriosoSchauspielerin, Sängerin, Autorin und Regisseurin, das alles ist Lucy Wilke. Wild und stürmisch muss es sein bei ihr: Sowohl auf der Bühne als auch daneben. Ihr Rollstuhl ist Nebensache. Alles andere als geradlinig verläuft Lucys Weg zur Schauspielerei. Doch sie hat es geschafft. Mit viel Hingabe und Hartnäckigkeit erarbeitet sich die Vierährige ihren Platz auf Deutschlands Bühnen. Sei es bei den Münchner Kammerspielen oder beim Berliner Festival. Aufgewachsen ist Lucy Wilke auf einem Wohnwagenplatz im Norden von München. Kunst in all ihren Formen gehört von Beginn an zu Lucys Leben.Ihre Mutter ist Flamenco-Gitarristin, der Vater bildender Künstler und Bühnenbauer. Ihre Eltern sind unkonventionell, aber keine Hippies. Sie wollen einfach anders leben. Um Lucy herum sind ständig Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt zu Gast. Rumba am Lagerfeuer. Ein Theaterzelt gleich nebenan. Lucy saugt das alles in sich auf. In dieser Atmosphäre fühlt sich Lucy sehr wohl – auch weil hier niemand seltsam schaut. Denn Lucy hat Spinale Muskelatrophie und nutzt einen Rollstuhl. (Text: ZDF) Deutsche TV-Premiere Sa. 25.04.2026 ZDF Joey Maurice und Maurice Rieger: Ottos Apfel rockt die Bühne
Folge 210 (15 Min.)Die Band „Ottos Apfel“ in ihrem Probenraum im Hamburger Millerntor-Stadion. Wo sonst der FC St. Pauli spielt, geben unter der Woche Maurice Rieger (l.) und Joey Maurice (r.) so richtig Gas.Bild: Tilo Burmeister / ZDFOttos Apfel – das sind Joey Maurice und Maurice. Zwei Jungs, die als inklusive Punk-Pop-Band die Bühnen rocken. Mit Songs über das Leben, die Liebe und den Fußball begeistern sie ihr Publikum. Gefunden haben sich die beiden beim Karaokesingen. Was als lockere Idee begann, ist schnell richtig ernst geworden. Jede Woche proben die beiden Jungs ihre selbst geschriebenen Lieder im Millerntorstadion auf St. Pauli. Sie wollen auf die ganz große Bühne. Schon während der Proben geben die beiden richtig Gas. Dass einer der beiden ADHS hat und der andere das Downsyndrom, rückt dabei völlig in den Hintergrund. Denn beim Musikmachen können Joey und Maurice sich am besten fokussieren und ihre Energie rauslassen.Schon von klein auf haben Joeys Eltern seine Liebe zur Musik gefördert. Auch seine Schwestern haben ihn immer ermutigt, seiner Leidenschaft nachzugehen. Mittlerweile lebt Joey in einer WG für Menschen mit Behinderung. Wenn er nicht gerade Musik macht, arbeitet er in einer Tischlerei. Doch am liebsten ist er auf St. Pauli – im Stadion. Zum Fußballgucken oder zum Musikmachen. Denn der Bandprobenraum befindet sich mitten im Millerntorstadion. Mit bestem Blick auf den heiligen Rasen. Gemeinsam arbeitet die Band jede Woche daran, einmal im Vorprogramm von Peter Maffay zu spielen. Das ist Joeys großer Traum. Wenn die beiden Jungs proben, geht’s auch mal hitzig her. Nicht immer sind sie einer Meinung. Glücklicherweise kann Maurice gut damit umgehen. Seine erste Ausbildung als Erzieher hilft ihm, Lösungen und Kompromisse zu finden. „einfach Mensch“ erlebt Ottos Apfel beim Proben auf St. Pauli, beim Espressotrinken in ihrer Lieblingsbar, beim Stöbern im Plattenladen und natürlich bei einem ihrer fast schon legendären Auftritte vor großem Publikum. Weitere Informationen sind zu finden unter www.einfachmensch.zdf.de. Die Sendereihe entsteht in Kooperation mit der „Aktion Mensch“ und ist mit Untertitelung, Gebärdensprache und Audiodeskription verfügbar. (Text: ZDF) Deutsche TV-Premiere Sa. 02.05.2026 ZDF Thomas Zander: Ich spreche mit den Händen
Folge 211 (15 Min.)Thomas Zander arbeitet als Journalist und Moderator und bewegt sich beruflich zwischen hörender und gehörloser Welt.Bild: Martin Langner / ZDFThomas Zander ist taub und arbeitet als Journalist, Moderator und Schauspieler. Er kommuniziert in der deutschen Gebärdensprache (DGS) und macht die Lebensrealität gehörloser Menschen sichtbar. Thomas Zander wuchs als taubes Kind hörender Eltern auf und lernte zuerst die Lautsprache durch Lippenlesen. In seiner Kindheit war Gebärden nicht erwünscht. Erst 2002 wurde die Gebärdensprache offiziell anerkannt, nachdem taube Menschen lange dafür gekämpft hatten. 1968 geboren, erlebte Thomas Zander eine Schulzeit, in der Gebärden im Unterricht keinen Platz hatten. Die Gebärdensprache lernte er erst später im Kontakt mit anderen tauben Menschen.Das ist heute anders. Seine Frau ist hörend und arbeitet als Dolmetscherin für Gebärdensprache. Sie wuchs als einzig hörendes Kind gehörloser Eltern auf und kennt beide Sprachwelten von klein auf. Die beiden gemeinsamen Kinder sind ebenfalls gehörlos. Im Familienalltag wird ausschließlich in Deutscher Gebärdensprache kommuniziert. Heute bewegt er sich professionell zwischen unterschiedlichen Sprachsystemen. Für die Sendung „Sehen statt Hören“ im Bayerischen Rundfunk entwickelt er Beiträge, interviewt Aktivistinnen und Aktivisten und arbeitet eng mit einem hörenden Kamerateam zusammen. Produktionsabläufe, Absprachen am Set, Moderationen vor der Kamera – vieles funktioniert nonverbal, präzise und routiniert. Auch in anderen Alltagssituationen entstehen Schnittstellen: beim Gespräch mit seinem Vater oder im Onlineinterview mit einem Historiker, der über die Folgen der Unterdrückung von Gebärdensprache forscht. Mal wird gebärdet, mal lautsprachlich kommuniziert, manchmal vermittelt seine Frau, – eine ausgebildete Gebärdendolmetscherin – zwischen beiden Welten. Thomas Zander versteht Gebärdensprache nicht nur als Kommunikationsmittel, sondern als kulturelle Identität. „Es hat sich viel verbessert“, sagt er. „Aber taube Menschen und ihre Sprache werden in der Gesellschaft noch immer zu wenig mitgedacht.“ (Text: ZDF) Deutsche TV-Premiere Sa. 09.05.2026 ZDF Andreas Pennings: Mit den Augen sprechen
Folge 212 (15 Min.)Andreas Pennings lebt nach mehreren Schlaganfällen mit dem Locked-in-Syndrom. Er spricht nicht mit seiner Stimme, sondern mit den Augen und gestaltet sein Leben selbst bestimmt. Der frühere Bankfachwirt lebt in eigener Wohnung mit 24-Stunden-Assistenz. Über das Augensteuerungssystem Tobi teilt er sich mit, schreibt E-Mails, surft im Internet und steuert sein Smarthome. Während einer Reha lernte er seine heutige Frau kennen. Vor sechzehn Jahren erlitt Andreas Pennings drei Schlaganfälle hintereinander. Er fiel ins Koma.„Ich musste mich entscheiden: fallen lassen oder kämpfen.“ Aufgeben sei für ihn damals aber „keine Option“ gewesen. Als er erwachte, konnte er sich nicht bewegen, nicht sprechen, wurde künstlich ernährt. Zunächst dachte man, er sei im Wachkoma. „Dabei bekam ich alles mit.“ Sein Bruder erkannte, dass er geistig wach war und die Augenmuskeln noch funktionieren. Dass Andreas Pennings seine Augen gezielt steuern kann, ist zur Voraussetzung für jede weitere Verständigung geworden. Nur deshalb konnte er überhaupt mit einem Augensteuerungssystem versorgt werden. Sein Kommunikationssystem Tobi arbeitet mit Infrarotkameras am Monitor, die kleinste Augenbewegungen erfassen. Mit dem Blick steuert er Buchstaben an, setzt Wörter und ganze Texte zusammen. Eine synthetische Stimme gibt seine Sätze wieder. Über die Jahre erhielt er mehrere weiterentwickelte Modelle, die technischen Möglichkeiten wuchsen stetig. In der Physiotherapie kommuniziert er ohne Technik: Er zeichnet Großbuchstaben mit dem Finger auf die Brust seines Therapeuten. Die beiden verbindet ein eingespielter Humor. Im Austausch mit anderen braucht es Geduld. Wenn Gespräche gelingen, entsteht Nähe. „Ohne Kommunikation ist Teilhabe kaum möglich.“ „Ich bin lösungsorientiert“, sagt Andreas. Aus Tiefpunkten schöpfe er Kraft und richtet den Blick nach vorn. Weitere Informationen sind zu finden unter www.einfachmensch.zdf.de. Die Sendereihe entsteht in Kooperation mit der „Aktion Mensch“ und ist mit Untertitelung, Gebärdensprache und Audiodeskription verfügbar. (Text: ZDF) Deutsche TV-Premiere Sa. 16.05.2026 ZDF
