Goldene Zeiten – Bittere Zeiten

    Goldene Zeiten – Bittere Zeiten

    Die Geschichte einer Bürgersfamilie

    D 1981–1984
    Deutsche Erstausstrahlung: 29.09.1981 ARD
    Alternativtitel: Goldene Zeiten

    Baden-Baden in der 1920ern: Die Krankenschwester Victoria Volmer kehrt vom Fronteinsatz in den väterlichen Friseursalon zurück, um sich kurz darauf mit ihrer Jugendliebe Walter zuvermählen. Als diesem die Beihilfe am Attentat auf Matthias Erzberger nachgewiesen zerbricht die Ehe und Victoria heiratet Jahre später den jüdischen Zeitungsreport Robert, der angesichts des aufziehenden Nationalsozialismus gezwungen ist ins Exil zu gehen. Während Victorias Schwester mit dem Gastwirt Werner Bombach ihrerseits die Ehe eingeht und der Vater in die NSDAP einzutreten versucht, steigt Walter in der Hierarchie der Nazis weiter auf. Die erste Staffel spielt zur Zeit der Weimarer Republik, die zweite Staffel setzt mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten ein.

    Goldene Zeiten – Bittere Zeiten auf DVD

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    PietS (geb. 1958) am 27.09.2013: Eine der letzten großen Mehrteiler . So etwas wird heute nicht mehr gemacht . Geschichte aus der Sicht des kleinen Mannes . Wenn es heute mal einen Mehrteiler vor historischem Hintergrund gibt , so kommt er selten über 2 oder 3 Folgen hinaus . Nächstes Jahr sind die Ereignisse des 1. Weltkrieges genau 100 Jahre her . Ich würde mir wünschen , das es dann wieder einmal einen längeren Mehrteiler gibt , der die Zeit von ca. 1900 bis 1945 gründlich zusammenfasst , aus der Perspektive der kleinen Leute. Das geht kaum in einem 4-Teiler . Außer dieser Serie gab es früher einige Beispiele für gelungene Mehrteiler . Zum Beispiel die Hans Fallada Verfilmungen , " Ein Mann will nach oben " und " Der eiserne Gustav " oder auch " Rote Erde " ! Warum hat man es bloß aufgegeben solche Mehrteiler zu produzieren ? Das prinzipiell solche Serien auch heute noch erfolgreich sein können , sieht man doch an den Serien " Unsere Mütter, Unsere Väter " und " Das Adlon " des ZDFs , die aber leider nur eine kleinen Ausschnitt dieser Zeit repräsentieren . Ein Mehrteiler mit 10 bis 20 Folgen wäre klasse , und eigentlich auch notwendig
    Axel (geb. 1941) am 16.10.2007: Eine Neuauflage als DVD wäre wünschenswert. Die authentische Schilderung dieser Familienchronik ist absolut sehenswert besonders heute, in der kommerzialisierten Medienlandschaft wäre auch eine Wiederholung dieser Serie in der ARD ein wohltuender Kontrapunkt in einer immer flacher werdenden - auf Quote schielenden - Medienlandschaft ...
    Frank Weithofer (geb. 1961) am 15.10.2006: Die Serie spiegelt die Gegebenheit der damaligen Zeit beinahe authentisch wider. Doch einen "Haken" in der letzten Folge (diese habe ich mal auf Video aufgezeichnet) entdecke ich immer wieder: Glauben die Produzenten ehrlich, dass man in Zeiten schlimmster Kriegswirren und strengster rechtsgerichteter Diktatur als Gattin eines NS-Bonzen (Gaupropagandaleiter) derart schrill "aufgetakelt" herumlief? So offenherzig, mit kaum erhältlichem Kunststoff-Strumpfmaterial, fingerdicker "Tünche" im Gesicht, feuerrot gefärbtem Haar und derart langen Farbkrallen? Und noch dazu einen eigenen Beruf ausgeübt hat? - Letzteres hing ja wohl vom Wohlwollen des Gatten ab in dieser Ära, aber ein strenger PG konnte ja sich wohl schwerlich eine Ehefrau mit solcher "Kriegsbemalung", wie man dies damals nannte, halten. Dies wäre ein Widerspruch innerhalb der Ideologie. Jetzt kann man es ja sagen, die Darstellerin erfährt es ja nicht mehr. War die nicht zu sehr als "Jolanthe von Scheußlich" stigmatisiert?
    niko (geb. 1961) am 28.08.2006: eine der ganz wenigen serien, die es sich lohnt zu sehen.zeigt die zwischenkriegszeit aus sicht des sogenannten kleinen mann in glaubhafter berührender weise. konnte, nachdem ich diese serie gesehen habe, vieles besser verstehen, obwohl ich einiges an wissenschaftlicher literatur darüber gelesen habe. würde mich freuen, wenn ich diese serie wieder einmal zu einer vernünftigen sendezeit sehen könnte
    Robert Komarek (geb. 1956) am 13.12.2005: Eine Wiederholung dieser ausgezeichneten Serie in unserer mittlerweile endlich fast durchgedummten Medienlandschaft wäre angesichts des sonst angesagten Brutalohirnkleisters wohl eine rührende Sensation.

    Cast & Crew

    Dies und das

    Aus dem Fernsehlexikon von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier (Stand 2005):

    „Die Geschichte einer Bürgersfamilie“. 20 tlg. dt. Familiensaga, Regie: Michael Braun.

    Zwei Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kehrt die Krankenschwester Victoria Vollmer (Ilona Grübel) mit dem letzten Verwundetentransport aus Frankreich in ihre Heimatstadt Baden-Baden zurück. Nach wie vor betreibt ihr Vater Fritz (Peter Schiff) dort einen Friseursalon. Victoria heiratet ihre Jugendliebe Walter Bielstock (Alexander Radszun), den Sohn der Generalin Bielstock (Gisela Trowe), und zieht mit ihm auf einen Bauernhof. Im Sommer 1921 zerbricht die Ehe an Walters Verwicklung in das Attentat auf Matthias Erzberger, der den Versailler Vertrag unterschrieben hatte. Ausgerechnet der Zeitungsreporter Dr. Robert Wolff (Wolf Roth), der ans Licht brachte, dass Walter auf dem Hof die Tatwaffen versteckt hatte, macht Victoria vier Jahre später einen Heiratsantrag, den sie annimmt.

    Derweil arbeitet Victorias Schwester Susanne (Jocelyne Boisseau) zunächst als Zimmermädchen, dann in der Hotelverwaltung. Sie hat eine Affäre mit einem französischen Betrüger, von dem sie schwanger wird. Sie heiratet den Gastwirt Werner Bombach (Gernot Endemann), der den jungen Friedrich als seinen Sohn akzeptiert. Zwei Jahre später, 1932, wird auch Victoria schwanger. Ihr Mann Robert verliert seinen Job, weil er Jude ist. Am Tag des Reichstagsbrands im Februar 1933 soll Robert verhaftet werden. Er und Victoria emigrieren nach Frankreich, wo Tochter Friederike zur Welt kommt. Walter, inzwischen Sturmführer der Nazis, hatte die beiden gewarnt.

    Fritz Vollmer, der durch den Konkurs des Bankhauses Rodeweil seinen Salon verloren hat, findet eine Anstellung als Friseur im „Parkhotel“ und steigt zum Chef des dortigen Salons auf. Sein Bemühen um eine Mitgliedschaft in der NSDAP scheitert an der Emigration des jüdischen Schwiegersohns. Er heiratet 1935 Anette Seidelmann (Margot Léonard), die er schon vor Jahren kennen gelernt hatte, als sie Hausdame im „Parkhotel“ war. Später wird sie Krankenschwester. Familie Wolff zieht nach Wien und Robert von dort zwei Jahre später weiter nach Prag, um für ein Filmdrehbuch zu recherchieren, das er schreiben soll. Er kann nicht nach Wien zurück, weil die Deutschen inzwischen dort einmarschiert sind. Robert und Victoria trennen sich, und erst 1941 wird die Familie in Marseille wiedervereint. Robert tritt eine Stelle als Rundfunksprecher an. Vater Vollmer ist mittlerweile im Ruhestand.

    Im Herbst 1944 wird Werner Bombach zum Wehrdienst eingezogen, Susannes Sohn Friedrich (Pascal Breuer) kehrt im Alter von 19 Jahren als Versehrter und überzeugter Soldat in den Schwarzwald zurück. Er hat im Krieg einen Arm verloren. Er verliebt sich in eine Frau (Elisabeth Volkmann), die mit einem Nazibonzen verheiratet ist, doch die Liebe wird nicht erwidert. Als sein Vater desertiert, nimmt sich Friedrich das Leben.

    Die einstündigen Folgen liefen im regionalen Vorabendprogramm. Die elf Episoden der ersten Staffel nannten sich Kapitel und waren in je zwei Akte unterteilt. Die zweite Staffel, die während des Kriegs spielte, trug den Titel Goldene Zeiten – bittere Zeiten.