Vor dem Start: „Clarice Starling“

    Neues FBI-Sat.1-Drama setzt die Geschichte von „Das Schweigen der Lämmer“ fort

    Bernd Krannich
    Bernd Krannich – 15.03.2022, 16:53 Uhr

    Clarice Starling im Kreis ihrer neuen Kollegen bei „Clarice Starling“ – Bild: CBS
    Clarice Starling im Kreis ihrer neuen Kollegen bei „Clarice Starling“

    In Deutschland geht heute in Sat.1 die junge US-Serie „Clarice“ unter dem Titel „Clarice Starling“ an den Start. Die Serie will die Geschichte der jungen FBI-Agentin Clarice Starling aus dem Film „Das Schweigen der Lämmer“ fortsetzen.

    Ausstrahlung

    Die Deutschlandpremiere des Formats beginnt heute – nach einem „Ukraine Spezial“ – um 20:30 Uhr. Zum Auftakt werden in Sat.1 gleich drei Folgen gezeigt, die auch bei Joyn zur Verfügung stehen. Diese werden am Mittwoch dann auch beim Pay-TV-Sender Sat.1 emotions ausgestrahlt.

    Ab kommender Woche gibt es auf beiden Sendern in der Regel ab 20:15 Uhr Doppelfolgen.

    Zur Handlung

    Ein Jahr ist in der Serie für Clarice Starling (dargestellt von Rebecca Breeds) vergangen, seitdem sie an der Ergreifung des Serienkillers Buffalo Bill beteiligt war – und durch einen Alleingang zwar ein von ihm gefangengehaltenes Opfer retten konnte, dem Killer aber ohne Rückendeckung gegenüberstand und von ihm beinahe getötet worden wäre. Kurz danach hatte sie offiziell ihre Ausbildung als FBI-Agentin abgeschlossen.

    Nun, im Jahr 1993, soll sie endlich in den regulären FBI-Dienst einsteigen. Die damaligen Ereignisse hängen ihr dabei immer noch in Alpträumen nach – in einer Nebenrolle ist Buffalo Bill (hier dargestellt von Simon Northwood) in Form von Erinnerungen und Alpträumen Teil der Serie. Clarices FBI-Psychologe ist nicht wirklich davon überzeugt, dass die Agentin diensttauglich ist.

    Auf Wunsch der Justizministerin wird Clarice Starling nun zum neu gegründeten VICAP (dem Violent Criminal Apprehension Program) des FBI ins Team von Paul Krendler (Michael Cudlitz) berufen. Das ist auf mehreren Ebenen ein Politikum: Die Justizministerin ist niemand anderes als die ehemalige Senatorin Ruth Martin (Jayne Atkinson), deren Tochter Catherine (hier dargestellt von Marnee Carpenter) Clarice mit ihrem eigensinnigen Vorgehen gerettet hatte – während die Mutter vom Entführungsfall politisch profitieren konnte, unterliegt ihre Tochter seitdem schweren psychischen Störungen.

    Dass die „Berühmtheit“ Clarice ihm ins Team gesetzt wird, nervt Krendler. Der ist zwar ein Verbündeter von Ministerin Martin bei einer inhaltlichen Neuausrichtung des angestaubten FBI, schätzt aber trotzdem die unauffällige und verlässliche Arbeitsweise nach Vorschrift. Und dass Starling für ihren eklatanten Bruch der Regeln damals nun auch noch „belohnt“ wird, wurmt ihn. Aber ein neuer Fall mit drei brutalen Frauenmorden erscheint Ministerin Martin die rechte Gelegenheit, sich und die eigene Arbeit ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken.

    Starling ist nicht der einzige Neuzugang: Das FBI will sich zu der Zeit auch Bevölkerungsminderheiten öffnen – etwa dem ehemaligen Armee-Scharfschützen Tomas Esquivel (Lucca De Oliveira), einem Latino. Nicht aber wirklich Clarices schwarze Studienfreundin Ardelia Mapp (Devyn A. Tyler) aus den Zeiten der FBI-Akademie: Die muss trotz hervorragender Noten im Keller der Bundesbehörde Verwaltungsarbeit leisten, statt zu ermitteln.

    Der neue Fall mit den drei Frauenmorden erweist sich gleich als Geschichte mit tiefgreifenden Konsequenzen. Während das FBI den Fall schließlich schnell als gelöst zu den Akten legen will, sind Clarice Ungereimtheiten aufgefallen, die bei ihr zum Aufbegehren gegen ihren Boss führen…

    Hintergründe

    Während die Serie „Clarice Starling“ als Procedural zu beginnen scheint, erweist sich der erste Fall als hartnäckiger. Auch wenn zwischenzeitlich andere Fälle anstehen, zieht sich jener erste Fall dann als roter Faden facettenreich über den Verlauf der 13-teiligen Auftaktstaffel.

    Dabei zeigt die Serie, dass nicht nur Clarice in der Serie mit ihren alten Dämonen ringt: Auch ihr Chef ist etwa von seiner langen Karriere gekennzeichnet, hat Eheprobleme. Der neue Kollege Esquivel hat im Dienst für sein Land zahlreiche feindliche Soldaten liquidiert. Weitere Kollegen verbergen ihre Geheimnisse anfangs noch. Zudem hat Clarice damit zu tun, dass Ministerin Martin sie davon zu überzeugen versucht, sich mit ihrer Tochter Catherine zu unterhalten, wovor Clarice aber wegen der traumatischen Erinnerungen zurückschreckt.

    Daneben geht es um die „politischen Veränderungen“ im FBI. Wie gesagt versucht Ministerin Martin hier, einen neuen Wind wehen zu lassen, wogegen sich zahlreiche hochrangige Beamte wehren. Die versuchen, Martin, Krendler und auch Clarice in Misskredit zu bringen. Anderen – vor allem schwarzen – Mitarbeitern gehen die Veränderungen nicht schnell genug: Ardelia Mapp etwa wird zu einer Gruppe eingeladen, die sich gerade formiert, um Anerkennung und Aufstiegsschancen für schwarze Mitarbeiter einzufordern.

    In den USA lief die Auftaktstaffel der Serie um 22:00 Uhr bei CBS – ein Sendeplatz für düstere Serienware. Dort wartete man auch seit fast einem Jahr auf eine offizielle Entscheidung über die Zukunft nach der ersten Staffel: Denn die Rechte an den Stoffen um Hannibal Lecter liegen bei MGM. Als man dort damals eine Serie bei CBS unterbringen konnte, war man froh. Mittlerweile ist Prime Video dabei, sich MGM einzuverleiben (Anti-Monopol-Bewertungen ziehen den Vollzug des eingeleiteten Erwerbs hin), wobei es dem Streaming-Anbieter bei dem Einkauf eben vor allem um die Rechtebibliothek geht. Verhandlungen über eine Fortsetzung von „Clarice“ nicht bei CBS, sondern bei dessen Sreamingschwester Paramount+ wurden vor dem beginnenden Verkauf gestartet, aber weder erfolgreich abgeschlossen noch offiziell als gescheitert erklärt.

    In seiner Kritik zu den beiden Auftaktfolgen machte unser Kollege Gian-Philip Andreas mehrere Schwachstellen aus (Zur kompletten Kritik). Da ist zum einen die Tatsache, dass Hauptdarstellerin Rebecca Breeds keine Jodie Foster ist, die Clarice im Film „Das Schweigen der Lämmer“ großartig darstellte. Auch einige Figuren – wie Krendler – sind schon in anderen Medien aufgetaucht, werden hier aber ganz anders aufgearbeitet. Eine sich nach den ersten beiden Folgen aufdrängende Angst erwies sich aber als unbegründet: Dass „Clarice“ eben einfach ein Procedural sein werde – trotz diverser Schwächen gibt die Auftaktstaffel mit ihrer letztendlich seriellen Erzählweise den Figuren den nötigen Raum zur Entfaltung.

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