„The Walking Dead“: Im Staffelauftakt geht es um „Überschrittene Grenzen“ – Review

    Unser Recap zum zehnten Staffelauftakt der Zombieserie

    Jana Bärenwaldt
    Rezension von Jana Bärenwaldt – 07.10.2019, 23:00 Uhr

    Michonne (Danai Gurira) und Judith (Cailey Fleming) – Bild: AMC
    Michonne (Danai Gurira) und Judith (Cailey Fleming)

    Der zehnte Staffelauftakt von „The Walking Dead“ setzt ungefähr ein halbes Jahr nach den Ereignissen der letzten Staffel an. Der Winter ist vorbei und Rosita (Christian Serratos) ist mittlerweile Mutter von einem kleinen Mädchen. Seit die Whisperer weiter gezogen sind, um dem Wintereinbruch zu entgehen, herrscht in den Gemeinden eine Art abwartende Ruhe. Zwar ist wieder der Alltag eingekehrt, doch die vermeintliche Idylle ist fragil und der Schmerz noch frisch. Und die Bedrohung durch die Whisperer ist längst nicht vorüber.

    Die Episode startet mehr als ungewöhnlich für die Zombieserie. Zu sehen ist ein Satellit der Sowjetunion im Weltraum, der im Absturz begriffen zu sein scheint. Was das zu bedeuten hat, bleibt jedoch vorerst offen, und es geht zurück auf die Erde, genauer gesagt nach Oceanside. Lange Zeit hat man weder die Gemeinde der kämpferischen Frauen noch ihre Anführerin Cindy (Sydney Park) gesehen. Beide sind in der neuen Staffel aber wieder mit von der Partie.

    In Oceanside leiten Michonne (Danai Gurira), Daryl (Norman Reedus) und Aaron (Ross Marquand) ein Kampftraining mit den verschiedenen Communities. Die Gruppe bildet dabei eine richtige Formation und die einzelnen Personen haben sich ihren Fähigkeiten entsprechend in Nah- und Fernkämpfer aufgeteilt. In Zeiten der Whisperer kann man eben nicht mehr einfach auf jeden vermeintlich Untoten zustürmen und das Beste hoffen. Während die Erwachsenen trainieren, spielen die Kinder am Strand. Aus dem fröhlichen Spiel wird aber plötzlich Ernst, als Judith (Cailey Fleming) und R.J. (Antony Azor) neben Muscheln auch eine angespülte Whisperer-Maske finden.

    Michonne (Danai Gurira) und Daryl (Norman Reedus) statten Oceanside einen Besuch ab.
    Michonne (Danai Gurira) und Daryl (Norman Reedus) statten Oceanside einen Besuch ab.

    Durch die von Eugene (Josh McDermitt) etablierten Kommunikation mit den Funkgeräten, können Michonne und Aaron rasch eine Warnung an Alexandria übermitteln. Während Aaron die Gemeinde aber am liebsten direkt komplett abriegeln würde, rät Michonne vorerst nur zu erhöhter Wachsamkeit. Sie will keine unnötige Panik unter ihren Leuten verbreiten. Den Frieden zu wahren ist ein Balanceakt für die Anführerin von Alexandria, denn während einige in ständiger Angst vor der Rückkehr der Whisperer leben, sind andere auf Vergeltung aus.

    Um Gewissheit zu erlangen, reiten Michonne und Aaron, Magna (Nadia Hilker) und Yumiko (Eleanor Matsuura) sowie Luke (Dan Fogler) und Alden (Callan McAuliffe) in Zweierteams aus, um die Gegend nach Spuren der Whisperer abzusuchen. Aaron klärt Michonne darüber auf, dass er es satt habe, immer nur der nette Kerl zu sein. Vielleicht wird man in dieser Staffel also eine andere, düstere Seite von ihm zu sehen bekommen. Schließlich stoßen Magna und Yumiko auf Hinweise, dass die Whisperer tatsächlich wieder zurück sind.

    Gabriel (Seth Gilliam), Eugene (Josh McDermitt) und Siddiq (Avi Nash) nehmen ihre Pflichten als Väter sehr ernst
    Gabriel (Seth Gilliam), Eugene (Josh McDermitt) und Siddiq (Avi Nash) nehmen ihre Pflichten als Väter sehr ernst

    In Alexandria ahnt man derweil noch nichts von den neuesten Erkenntnissen. Aus dem Liebes-Viereck zwischen Rosita, Gabriel (Seth Gilliam), Siddiq (Avi Nash) und Eugene ist mittlerweile ein eingespieltes Team geworden. Gemeinsam kümmern sie sich um das kleine Baby Coco, jeder auf seine Art. Vor allem Eugene nimmt das Wohlergehen des Neugeborenen sehr ernst und dokumentiert akribisch jeden Atemzug. Dabei verhält er sich wie so oft unfreiwillig komisch, zeigt aber auch seine aufrichtige Fürsorge.

    Während Siddiq in seiner Vaterrolle ebenfalls sichtlich aufgeht, lassen ihn die traumatischen Ereignisse mit den Whisperern nicht zur Ruhe kommen. Ständig wird er von den Erinnerungen heimgesucht, wie seine Freunde vor seinen Augen hingerichtet wurden.

    Während er einen neuen Schub erleidet, platzt der neue Arzt Dante (Juan Javier Cardenas) ins Zimmer. Dante ist ein neuer Charakter, der einen arroganten ersten Eindruck hinterlässt, als er darüber witzelt, dass Ärzte in der Apokalypse so etwas wie Götter seien. Sein Comicbuch Pendant hat ebenfalls ein ziemlich loses Mundwerk, das Herz aber trotzdem am rechten Fleck und war außerdem ein Love Interest für Maggie. Somit bleibt abzuwarten, was Dantes Rolle in der Serie sein wird.

    An anderer Stelle in der Community sitzt Lydia (Cassady McClincy) in der Schule, wo sie gerade widerwillig lesen lernt. Dadurch, dass sie den Großteil ihres Lebens mit den Whisperern verbracht hat, ist vieles noch neu für sie. Der Unterricht wird allerdings unterbrochen, als der Rat den Raum benötigt, um die neuesten Entwicklungen in puncto Whisperer zu besprechen. Wobei man sich schon fragt, warum bei den vielen Gebäuden in Alexandria nun gerade das Klassenzimmer benötigt wird. Laura (Lindsley Register), die Ex-Savior Frau, macht zudem sehr deutlich, dass Lydia bei diesem Gespräch nichts verloren hat. Anscheinend vertraut sie dem Mädchen immer noch nicht, obwohl gerade sie verstehen sollte, dass es möglich ist die Seiten zu wechseln.

    Negans (Jeffrey Dean Morgan) neue Freiheit ist begrenzt.
    Negans (Jeffrey Dean Morgan) neue Freiheit ist begrenzt.

    Lydia macht ihrem Ärger draußen beim Kampftraining Luft. Nicht weit von ihr entfernt erntet Negan (Jeffrey Dean Morgan) unter Aufsicht Tomaten. Anscheinend genießt er mittlerweile mehr Freiheiten. Er weiß genau, was in dem jungen Mädchen vorgeht, da er sich in einer ähnlichen Situation befindet: geduldet aber trotzdem nicht akzeptiert. Als er sie zu den Vorgängen befragt, erteilt Lydia ihm bereitwillig Auskunft. Es scheint fast, als hätten die zwei Außenseiter in Alexandria zusammengefunden.

    Als Gabriel Negan später in seiner Zelle besuchen kommt, unkt der ehemalige Anführer der Saviors, dass die sich erneut anbahnende Bedrohung durch die Whisperer schnell zu einem Stimmungsumschwung in der Gemeinde führen wird. Er befürchtet, dass sich dann das Blatt gegen ihn wenden könnte, wenn die Leute ihn immer noch als Bedrohung wahrnehmen. Gabriel versucht diese Bedenken zu zerstreuen. Mehr noch als Negan könnte jedoch Lydia ungewollte Aufmerksamkeit zu teil werden.

    Daryl (Norman Reedus) und Carol (Melissa McBride) sind in Bezug auf die Grenzen der Whisperer geteilter Meinung.
    Daryl (Norman Reedus) und Carol (Melissa McBride) sind in Bezug auf die Grenzen der Whisperer geteilter Meinung.

    In Oceanside herrscht derweil Wiedersehensfreude, als Carol (Melissa McBride) mit einem Boot anlegt. Die letzten Monate hat sie anscheinend oft auf See verbracht, offiziell für Erkundungen, jedoch wissen Michonne und Daryl, dass Carol auf der Suche nach Alpha (Samantha Morton) ist. Zuerst wird Carol von einem sichtlich freudigen aber auch vorsichtigen Ezekiel (Khary Payton) begrüßt. Der Verlust von Carol und seiner Gemeinde haben den ehemaligen Anführer des Kingdom schwer getroffen. Besonders enthusiastisch wird jedoch Daryl von ihr begrüßt. Ihre Freundschaft ist stärker denn je, wobei man sich bei dem ein oder anderen Moment zwischen den beiden fragt, ob da nicht doch ein bisschen mehr ist.

    Auf der anderen Seite gibt es in der Folge aber auch schöne Momente zwischen Daryl und Connie (Lauren Ridloff), für welche er extra angefangen hat, Gebärdensprache zu lernen. Die potentiellen Beziehungsdynamiken werden von Showrunnerin und Autorin dieser Episode, Angela Kang, wunderbar subtil angedeutet, jedoch in keine bestimmte Richtung gedrängt, sodass der Raum für interessante Entwicklung offen bleibt.

    Daryl und Carol gehen gemeinsam auf die Jagd, müssen ihre Beute aber aufgeben, als der Hirsch eine Grenze der Whisperer überschreitet. Carol ist wütend, dass sie sich immer noch an die fremdbestimmten Grenzen halten, aber Daryl und Michonne wollen Alpha nicht unnötig provozieren und einen erneuten Vergeltungsschlag auslösen.

    Dann jedoch passiert etwas, dass sie alle Vorsicht in den Wind schlagen lässt. Ein Satellit stürzt vom Himmel in den Wald und löst dort ein Feuer aus. Zwar befindet sich der Wald im Territorium der Whisperer, aber wenn sie das Feuer nicht unter Kontrolle bekommen, würde es sich schnell auch auf ihr Gebiet ausbreiten.

    An der reibungslosen Zusammenarbeit sieht man, wie gut die Communities mittlerweile untereinander organisiert sind und eine echte Einheit bilden. Als das Feuer immer mehr Walker anlockt, kommen zudem Fans von gut choreografierten Kampfszenen auf ihre Kosten. Nachdem sie das Feuer erfolgreich gelöscht haben, versucht Eugene noch möglicherweise brauchbare Teile von dem Satelliten zu bergen.

    Das Teamwork zwischen den einzelnen Communities funktioniert einwandfrei.
    Das Teamwork zwischen den einzelnen Communities funktioniert einwandfrei.

    Währenddessen hat sich Carol ein wenig von der Gruppe entfernt, und macht eine Entdeckung, die alle Zweifel an der Rückkehr der Whisperer zerstreut. In einiger Entfernung sieht sie Alpha aus dem Wald treten, und diese erblickt ihrerseits auch Carol. Wenn Blicke töten könnten, wäre die Anführerin der Whisperer in diesem Moment auf jeden Fall tot umgefallen. Was aber wird das Überschreiten ihrer Grenzen nun für Konsequenzen für die Communities nach sich ziehen?

    Fazit

    Die Auftaktfolge der zehnten Staffel von „The Walking Dead“ versetzt den Zuschauer schnell in die richtige Stimmung und macht Lust auf mehr. Obwohl in der Episode nichts bahnbrechendes passiert, ist die erzählerische Spannung trotzdem da. Angela Kang versteht es, dem Zuschauer das zu geben, was er sehen will: authentische Interaktion zwischen den Figuren, Charakterentwicklung und einen Vorgeschmack auf die Konflikte der Staffel.

    Dafür wird in der Folge auch genau das richtige Tempo ausgewählt. Es bleibt genug Zeit, um wieder in die Serie reinzufinden, ohne dass es zu ausschweifend oder langatmig wird. Die emotionale Bandbreite der Dialoge reicht von humorvoll bis ergreifend. Besonders herausgestellt sei hier das Gespräch zwischen den Schwestern Connie und Kelly (Angel Theory), in dem es um die voranschreitende Gehörlosigkeit von Kelly geht, und das Gespräch zwischen Judith und R.J., in dem Judith ihrem Halbbruder von Rick (Andrew Lincoln) erzählt.

    Zusammengenommen ist der Staffelauftakt gelungen und rund und macht richtig Lust auf die zehnte Staffel.

    © Alle Bilder: AMC

    Über die Autorin

    Jana Bärenwaldt

    Jana Bärenwaldt entdeckte ihre Leidenschaft für Fernsehserien mit der Ausstrahlung von „The Tudors“ im deutschen Fernsehen. Bis heute ist die Historienserie eins ihrer favorisierten Genres, weswegen sie diesem Thema auch ihre Bachelorarbeit gewidmet hat. Mittlerweile schaut sie aber bunt gemischt, von Drama über Fantasy bis hin zu Anime Serien. Seit März 2016 ist Jana neben ihrem Studium der Medienwissenschaften in der Redaktion von fernsehserien.de tätig und schreibt dort hauptsächlich für TV-Serien aus dem englischsprachigen Raum.

    Lieblingsserien: The Walking Dead, Outlander, Westworld

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • (geb. 1980) am melden

      Also ich muss auch sagen, dass dieser Auftakt das Schwächste im
      mittlerweile eh sehr schwachem TWD-Universum war. TWD macht sich selber
      nur noch lächerlich und ist ein Schatten seiner selbst. Eine handvoll
      Zombies werden am Anfang nicht in gewohnter Manier kurzerhand (und
      einfach) mit einem Messer aus dem Weg gebracht, nein jetzt kommen
      Bogenschützen und Speerkämper zum Einsatz. Zudem sehr lächerlich, dass
      in dieser Folge 2 Walker ohne den Kopf zu treffen eliminiert werden
      können. TWD folgt nicht mal mehr seinen Grundprinzipien. Die Serie muss
      einfach beendet werden. Leider ist es so.
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      • (geb. 1979) am melden

        Ich habe eher das Gefühl, dass Kang es versteht den Zuschauer in eine noch größere Langeweile zu versetzen, als es Gimple zuletzt schon tat.
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