„The Walking Dead“ enthüllt „Michonnes Weg“ – Review

    Unser Recap zur 13. Episode der zehnten Staffel

    Rezension von Jana Bärenwaldt – 23.03.2020, 23:00 Uhr

    Michonne (Danai Gurira)

    Mit der neuen Folge „Michonnes Weg“ verabschiedet „The Walking Dead“ eine langjährige Hauptfigur. Zugleich wird aber ein Blick auf einen hoffnungsvollen Neuanfang gewährt. Zudem wird in bester „Was wäre, wenn … “-Manier ergründet, wie Michonnes (Danai Gurira) Leben verlaufen wäre, wenn sie nicht zuerst Rick (Andrew Lincoln) & Co. getroffen hätte. Dadurch kommt es zu einem Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern.

    Während Hilltop sich im Kampf mit den Whisperern befindet, ist Michonne mit Virgil (Kevin Carroll) auf dessen Insel angekommen. Auf ihr Nachfragen hin gibt er an, dass seine Familie und die Waffen sich in der Mitte der Insel befinden würden. Virgil scheint es aber nicht eilig zu haben, dorthin zu kommen, und Michonne wird immer unruhiger. Sie passieren eine Reihe umzäunter Labore und Michonnes Misstrauen wächst, als niemand kommt, um sie zu begrüßen, obwohl es so aussieht, als ob hier vor kurzem noch Menschen gewesen wären.

    Schließlich rückt Virgil mit der Sprache raus, wobei seine Erklärung etwas wirr erscheint. Angeblich ist es auf der Insel nicht mehr sicher, seit „die Anderen“ gekommen sind und die Krankheit mitgebracht haben, der auch seine Familie zum Opfer gefallen ist. Vorher war die Insel weitestgehende unbehelligt von Walkern geblieben, weswegen Virgil auch nie so geübt im Kämpfen geworden ist wie Michonne.

    Michonne (Danai Gurira) stellt Virgil (Kevin Carroll) zur Rede. AMC

    Gemeinsam betreten sie eins der Gebäude, wo sie außer einer Menge Beißern jedoch nichts weiter finden. Mittlerweile ist die Dämmerung nah, sodass Virgil darauf besteht, die Nacht abzuwarten und die Suche erst am nächsten Morgen fortsetzen. Michonne versucht ihr Funkgerät zu benutzen, erreicht Judith (Cailey Fleming) jedoch nicht. Sie findet keinen Schlaf und macht sich schließlich auf eigene Faust auf um die Gebäude weiter zu erkunden.

    Auf einmal hört sie Stimmen. Als sie diesen in einen Raum folgt, steht plötzlich Virgil hinter ihr und schlägt die Tür hinter ihr zu. Er wirft ihr vor, durch ihr eigenmächtiges Handeln alles ruiniert zu haben und lässt sie dann trotz ihres Widerspruchs allein. Als sie später erwacht, steht ein Tablett mit Essen vor ihr. Erneut hämmert sie wütend gegen die Tür, woraufhin sie wieder die Stimmen hört, die aus einem Nachbarraum kommen.

    Offenbar hat Virgil noch drei andere Leute hier eingesperrt, die früher einmal seine Freunde waren. Sie erzählen ihr, dass Virgil nach dem Tod seiner Familie einen Nervenzusammenbruch erlitten hat. Michonne versucht ihre Kräfte zu sammeln und isst und trinkt die Dinge, die Virgil ihr gebracht hat. Allerdings hat dieser ihr dabei halluzinogene Drogen untergemischt, die bei ihr einen Horror-Trip auslösen.

    Michonne (Danai Gurira) sitzt in der Falle. AMC

    Zunächst erscheint ihr Siddiq (Avi Nash), der ihr sowohl an seinem als auch an Ricks und Carls (Chandler Riggs) Tod die Schuld gibt. Dann sieht Michonne eine frühere Version von sich selbst und durchlebt einen Abschnitt ihres Lebens noch einmal mit einer alternativen Entwicklung.

    Die Vision beginnt zu dem Zeitpunkt, als sie Andrea (Laurie Holden) im Wald trifft. Jedoch entscheidet sie sich dieses Mal dagegen, ihr zu helfen, und geht ihren eigenen Weg, sodass Andrea den Beißern zum Opfer fällt. Auf ihrem Weg trifft Michonne danach auf Daryl (Norman Reedus), der in einem Auto an ihr vorbeifährt, aber nicht anhält, um ihr zu helfen. Später begegnet sie dann Negan (Jeffrey Dean Morgan), Laura (Lindsley Register), D.J. (Matt Mangum) und einigen anderen Saviors und schließt sich ihnen an. Somit steht sie dann auf der Seite der Saviors, als Rick, Glenn (Steven Yeun), Heath (Corey Hawkins) und die anderen den Satelliten-Außenposten überfallen.

    Sie steigt zu Negans rechter Hand auf und darf an seiner Stelle Lucilles Opfer wählen. Sie entscheidet sich dafür die frühere Version ihrer selbst zu töten. Während eines späteren Kampfes wird sie von Daryl und Rick umgebracht. Michonne erwacht aus ihrem Albtraum.

    Michonne (Danai Gurira) hätte auch einen anderen Weg einschlagen können. AMC

    Als Virgil einen Moment unachtsam ist, nimmt sie das zum Anlass zu fliehen. Dabei befreit sie auch die drei anderen Leute aus dem Nachbarraum. Zusammen stellen sie Virgil, der ihr Boot in Flammen gesetzt hat. Virgil erklärt, dass er ihre Hilfe wollte, um die anderen freizulassen. Alleine hatte er nicht den Mut dazu. Die drei sind zu Recht wütend, aber Michonne kann sie davon überzeugen, dass Gnade sich oft mehr bezahlt macht als Rache.

    Am nächsten Tag hilft Virgil Michonne nun endlich bei der Suche nach Waffen. Statt den erhofften Kampfgeräten findet sie aber etwas weitaus bedeutsameres: Ricks alte Cowboy-Stiefel. Michonne ist außer sich über den Fund und will wissen, wo die Stiefel herkommen. Virgil gibt an, diese von einem Schiff zu haben, das kürzlich vor die Insel gespült wurde.

    Michonne (Danai Gurira) findet Hinweise auf Ricks Überleben. AMC

    Als Michonne das besagte Schiff durchsucht, findet sie weitere Hinweise auf Ricks Überleben. Auf einem Handydisplay eingeritzt entdeckt sie eine Zeichnung von sich und Judith, die mit „Rick“ und einer Reihe japanischer Schriftzeichen unterschrieben ist. Virgil erkennt, dass die Zeichnung Michonne und Judith zeigt, weiß aber nichts über den Besitzer.

    Michonne drängt es nun mehr denn je die Insel zu verlassen. Virgil und seine ehemaligen Freunde schaffen es, das Boot wieder flott zu machen. Nachdem sie abgelegt haben, schafft Michonne es endlich, Judith über das Funkgerät zu erreichen. Judith informiert sie darüber, dass sie einen entscheidenden Kampf gegen die Whisperer gewonnen haben und Alpha (Samantha Morton) tot ist. Offenbar hat Carol (Melissa McBride) schon die frohe Botschaft verkündet. Michonne ist sichtlich erleichtert.

    Die Zeichnung zeigt Michonne und Judith. AMC

    Als Michonne Judith davon berichtet, was die auf der Insel und auf dem Schiff gefunden hat, zögert Judith nicht lange und gibt ihrer Ziehmutter den Segen für die Suche nach Rick. Michonne weigert sich zunächst und will nach Hause kommen, aber Judith überzeugt sie, dass Rick sie nun dringender braucht. Unter Tränen verabschieden sich die beiden und Michonne verspricht, sich so lange wie es möglich ist über das Funkgerät zu melden.

    Nachdem das Boot wieder angelegt hat, zieht Michonne allein Richtung Norden weiter. Für den Weg holt sie sich wie damals zwei Walker, die sie hinter sich herführt. Einige Zeit später trifft sie auf eine Frau und einen humpelnden Mann, die sie um Hilfe ersuchen. Die beiden kommen nicht schnell genug voran, um zu den anderen aufzuschließen. Als Michonne sich umdreht, um zu sehen, wen die beiden meinen, sieht sie in der Ferne eine riesige Karawane von Menschen und Pferden in Formation Richtung Norden ziehen. Sie entledigt sich ihrer Zombie-Begleiter und reicht dem Mann die Hand.

    Wohin zieht die geheimnisvolle Karawane? AMC

    Fazit

    Die Episode „Michonnes Weg“ zollt dem Charakter von Michonne den gebührenden Tribut und wirft ein interessantes Licht auf alternative Entwicklungen in der Apokalypse. Die Tatsache, dass man schnell auf der anderen Seite stehen kann, wenn man die „falschen“ Leute zuerst trifft, wurde im Laufe der Serie schon mehrmals thematisiert. An Michonnes Beispiel wurde nun gezeigt, dass ihr Leben wahrscheinlich ganz anders verlaufen wäre, wenn sie sich damals nicht dafür entschieden hätte, Andrea zu helfen, denn dadurch hat sie im Endeffekt Rick getroffen.

    Der Kreis schließt sich in gewisser Weise, als sie sich am Ende der Folge dafür entscheidet, den zwei Menschen zu helfen, anstatt ihren einsamen Weg weiterzuverfolgen. Diese Entscheidung könnte sie demnach erneut zu Rick führen. Ob Danai Gurira in den „The Walking Dead“ Filmen über Rick Grimes zu sehen sein wird, wurde bisher nicht offiziell bestätigt, jedoch immer wieder von Franchise-Chef Scott M. Gimple angeteasert. Die Art und Weise, wie Michonne aus der Serie geschrieben wurde, scheint zudem kaum eine andere Schlussfolgerung zuzulassen.

    Überhaupt werfen die Hinweise, die Michonne über Rick gefunden hat, eine Menge Fragen über Ricks Verbleib auf. Die Tatsache, dass das Schiff an Virgils Insel angespült wurde, könnte bedeuten, dass Rick die ganze Zeit über vielleicht näher war als zunächst gedacht. Rätsel geben zudem die japanischen Schriftzeichen auf, deren Übersetzung „Believe a little bit longer“ lautet. Scheinbar ist es Rick aus unbekannten Gründen nicht möglich, direkt mit seiner Familie Kontakt aufzunehmen, sodass er seine Stiefel und die Zeichnung zurückgelassen hat.

    Die Zeichnung könnte dabei auch das Werk von Jadis/Anne (Pollyanna McIntosh) sein. Besonders interessant ist, dass die Zeichnung Judiths jetziges Aussehen zeigt. Aber weder Rick noch Anne haben Judith aufwachsen sehen. Die Antworten auf diese Fragen werden wohl erst die Filme liefern. Dort wird dann auch hoffentlich Michonnes weiterer Weg mit der mysteriösen Karawane gezeigt. Zunächst wird es jedoch spannend zu sehen sein, wie andere Figuren wie Daryl, Carol oder Negan auf Judiths Neuigkeiten über Ricks Überleben und Michonnes Verbleib reagieren.

    Über die Autorin

    Jana Bärenwaldt entdeckte ihre Leidenschaft für Fernsehserien mit der Ausstrahlung von „The Tudors“ im deutschen Fernsehen. Bis heute ist die Historienserie eins ihrer favorisierten Genres, weswegen sie diesem Thema auch ihre Bachelorarbeit gewidmet hat. Mittlerweile schaut sie aber bunt gemischt, von Drama über Fantasy bis hin zu Anime Serien. Seit März 2016 ist Jana neben ihrem Studium der Medienwissenschaften in der Redaktion von fernsehserien.de tätig und schreibt dort hauptsächlich für TV-Serien aus dem englischsprachigen Raum.

    Lieblingsserien: The Walking Dead, Outlander, Westworld

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

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      Zunächst einmal einen ganz lieben Dank an DIch, Jana Bärenwaldt! Ohne Deine laufenden Erklärungen und Deutungen der Folgen wäre ich *sowas von raus*, weil ich wirklich nur die Hälfte verstanden hätte.

      Solche Details, wie "Handy zeigt Judith, wie sie heute aussieht" hätte ich im Leben nicht bemerkt. Und ist mir auch beim Schauen eigentlich sowas von egal. Und genau deswegen geht mir die Serie immer mehr auf den Senkel. Solche Andeutungen sind ja schön und gut. Aber sie sind sowas von unverständlich für mich und werden üblicherweise dann erst 3 Staffeln später wieder aufgegriffen, wenn man längst jeder Erinnerung daran sowieso schon vergessen hat. In dem Moment später denkt man dan nur noch "a----haaaaa", tolle Logik - und das war's dann für mich. Nein, so erzählt man keine Geschichten, finde ICH.

      Und dass Michonne jetzt ihren Abgang gemacht hat....ach was?!?! Wenn Du es nicht gesagt hättest, hätte ich ewig darauf gewartet, dass ihre Story weiter erzählt wird. Wieder wäre ich sauer geworden irgendwann. Und später irgendwann hätte ich mich gefragt, "was ist eigentlich aus Michonne geworden? Ist die gvor 3 Staffeln estorben und ich habe es mal wieder nicht mitbekommen"?

      DAS ist mittlerweile ein großer Teil meines Schicksals mit dieser Serie und warum sie MIR immer weniger gefällt.

      Geht es anderen auch so, oder seid "Ihr" (Fans der ersten Stunde) schon längst weiter gezogen und sind hier nur noch die Fanboys einer Zombie Soap Opera ohne echte Entwicklung der Meta-Story Zombie-Invasion?
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      • (geb. 1963) am melden

        ich war schwer enttäuscht, so einen stümperhaften Abgang (Die Liste meiner Kritik ist endlos), bei dem wirklich nichts funktioniert hat, hatte Michonne nicht verdient. NULL PUNKTE!
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