„The Walking Dead“: „Die Welt dreht sich weiter“ – aber ohne Maggie?

    Unser Recap zur sechsten Folge der neunten Staffel

    "The Walking Dead": "Die Welt dreht sich weiter" - aber ohne Maggie? – Unser Recap zur sechsten Folge der neunten Staffel
    Ezekiel (Khary Payton) und Carol (Melissa McBride) sind mittlerweile glücklich verheiratet

    Der bereits in der letzten Episode von „The Walking Dead“ etablierte Zeitsprung von sechs Jahren bringt einige Veränderungen mit sich. Die einzelnen Communities haben sich weiterentwickelt, manche zum besseren und manche zum schlechteren. Der Zeitsprung hat aber vor allem Platz für Neues geschaffen, sodass neben einer Gruppe Fremder und einer neuen Romanze auch der Nachwuchs eines Paares für eine besondere Überraschung sorgt. Und Rick (Andrew Lincoln) ist zwar nicht mehr da, spielt aber immer noch eine Rolle.

    Obwohl seit seinem vermeintliche Tod bereits sechs Jahre vergangen sind, kehrt Michonne (Danai Gurira) immer noch zu der zerstörten Brücke am Fluss zurück und redet mit Rick. Sie fühlt sich seit seinem Tod verloren, will aber nicht aufgeben und weiter für das Kämpfen, woran die beiden geglaubt haben. In einem alten Fahrzeug findet sie eine Figur von einem Sheriff, die sie an Rick erinnert. Auch den Walkern sieht man die vergangene Zeit deutlich an. Sie verrotten immer mehr und passen sich langsam der Vegetation an.

    An einer andern Stelle im Wald wird die mittlerweile zehnjährige Judith Grimes (Cailey Fleming) verzweifelt von Aaron (Ross Marquand), Rosita (Christian Serratos), Eugene (Josh McDermitt) und Laura (Lindsley Register) gesucht, mit denen sie offensichtlich unterwegs war. Als Ricks Tochter dann jedoch nicht allein, sondern mit Magna (Nadia Hilker), Yumiko (Eleanor Matsuura), Luke (Dan Fogler), Connie (Lauren Ridloff) und Kelly (Angel Theory) zurückkehrt, sind die anderen wenig begeistert. Judith ist zwar noch sehr jung, aber an Selbstbewusstsein mangelt es ihr dafür nicht. Sie überzeugt Aaron und Rosita Magnas Gruppe mit nach Alexandria zu nehmen, vor allem, da Yumiko sich eine ernste Kopfverletzung zugezogen hat. Als sie auf dem Weg ein paar Beißer abwehren müssen zeigt sich, dass aus dem einstmals unbeholfenen Eugene mittlerweile ein solider Kämpfer geworden ist.

    Magnas (Nadia Hilker) Gruppe würde gern in Alexandira bleiben

    Auch am Kingdom ist der Zahn der Zeit nicht spurlos vorbeigegangen. Die Gebäude müssen durch provisorische Restaurationsarbeiten mühevoll in Schuss gehalten werden. Carol (Melissa McBride) und Ezekiel (Khary Payton) sind noch zusammen und mittlerweile sogar verheiratet. Deutlicher als der Ring, dürften aber wohl Carols mittlerweile sehr langen Haare auffallen. Dies ist insofern bemerkenswert, als dass lange Haare in der Zombieapokalypse stets als unpraktisch, wenn nicht sogar als gefährlich galten. Somit scheint die Gefahr, die von den Untoten ausgeht, wohl immer geringer zu werden. Carol und Ezekiel haben den mittlerweile pubertierenden Henry (Matt Lintz) als ihren Sohn großgezogen. Umso schwerer fällt es vor allem Ezekiel zu akzeptieren, dass Henry nun eine Lehre beim Schmied Earl (John Finn) in Hilltop machen will, um das Königreich so besser in Schuss halten zu können.

    Als Magnas Gruppe in Alexandria ankommt, bleibt ihnen vor Staunen fast der Mund offen stehen. Scheinbar haben sie in der Apokalypse noch nie eine so gut organisierte und geschützte Gemeinde mit Mauern, Häusern, Feldern, Solaranlagen und einer Windmühle gesehen. In einer kurzen Sequenz sieht man, dass nicht nur Judith, sondern auch Gracie (Anabelle Holloway), das Savior Baby, dass Aaron adoptiert hatte, inzwischen zu einem kleinen Mädchen herangewachsen ist. Auch andere Charaktere haben sich verändert, z.B. haben Eugene und Siddiq (Avi Nash) eine neue Frisur, D.J. (Matt Mangum) ist nun ein Mitglied Alexandrias und Rosita und Father Gabriel (Seth Gilliam) sind mittlerweile ein Paar. Michonne, die nun wohl die Anführerin in Alexandria ist, scheint aber vor allem ihre Einstellung gegenüber Fremden geändert zu haben. Sie ist misstrauisch und will die neue Gruppe nicht aufnehmen. Die Entscheidung wird schließlich dem Gemeinderat übergeben.

    Michonne (Danai Gurira) heißt die Neuankömmlinge nicht willkommen

    Somit hat Michonne anscheinend doch einige ihrer Ideen durchgesetzt, beispielsweise, dass es keine alleinigen Anführer und somit Entscheidungsträger geben sollte. Neben ihr sitzen auch Gabriel, Aaron, Siddiq und Laura im Rat. Zudem ist Michonne auch der „Head of Security“ in Alexandria, also für die Sicherheit der Gemeinde verantwortlich. Seit einem bestimmten Vorfall, der allerdings nicht näher ausgeführt wird, gibt es ein neues Sicherheitsprotokoll in der Community, weswegen beispielsweise auch keine Fremden aufgenommen werden sollen. Innerhalb der letzten sechs Jahre muss etwas Schlimmes passiert sein, dass Michonne ihre Einstellung so geändert hat. Vielleicht haben sie eine Gruppe Überlebender aufgenommen, die sich im Endeffekt als keine guten Menschen herausstellten.

    Auf jeden Fall wird Magnas Gruppe vor den Rat gebracht, der nicht hinter verschlossenen Türen, sondern vor den anderen Gemeindemitgliedern tagt. Zuvor mussten sie all ihre Waffen abgeben. Bei der Tagung müssen die Neuankömmlinge einige Fragen beantworten. Vor der Apokalypse war Magna eine Kellnerin, Luke ein Musiklehrer, Connie eine Journalistin und Kelly ging noch zur Highschool. Gabriel, Aaron und Siddiq scheinen von der neuen Gruppe überzeugt zu sein, aber Michonne interveniert. Sie macht die anderen auf ein Gefängnis Tattoo aufmerksam, dass Magnas Handrücken ziert und findet zudem ein Messer, dass diese nicht abgegeben hat. Damit hat die Gruppe ihre Chance auf eine Bleibe in Alexandria verspielt und muss abreisen, sobald Yumiko genesen ist.

    Judith (Cailey Fleming) ist eine waschechte Grimes

    Ezekiel hat Probleme damit, Henry ziehen zu lassen, lässt ihn schließlich aber Dank Carols Zureden gehen. Auf dem Weg werden Carol und Henry allerdings von einer Gruppe heruntergekommener Saviors angegriffen, die von Jed (Rhys Coiro) und Regina (Traci Dinwiddie) angeführt werden. Während des Zeitsprungs ist die Sanctuary aufgegeben worden, aber nicht alle Saviors haben sich auf die übrigen Communities verteilt. Jed verschont ihr Leben, da Carol einst auch seines verschonte, verlangt aber ihren Ring. Als Henry versucht, dazwischen zu gehen, wird er von Jed zu Boden gestoßen und Carol gibt ihm schnell was er will.

    Später versucht Henry seine Mutter zur Rede zu stellen, warum sie nicht mehr Widerstand geleistet habe. Wer gedacht hat, dass Carol in der Zwischenzeit zur Pazifistin geworden ist, hat sich jedoch gründlich getäuscht. Später in der Nacht schleicht sie sich zu Jeds Lager. Trotz dessen verzweifelten Versprechungen verbrennt sie die verbleibenden Saviors bei lebendigem Leib. Diese Kehrtwende dürfte sicher viele überraschen und auch wenn sich Jed nicht richtig verhalten hat, war Carols Reaktion doch sehr drastisch und lässt erahnen, dass sie sich noch nicht mit ihrem friedlichen Leben angefreundet hat. Am nächsten Morgen setzen sie und Henry ihren Weg fort. Sie treffen auf Daryl (Norman Reedus), der mittlerweile im Wald lebt und anscheinend öfter von Carol besucht wird.

    In Alexandria sind die übrigen Gruppenmitglieder sauer auf Magna. Die droht die Situation aber nur noch schlimmer zu machen, als sie sich nachts zu Michonnes Haus schleicht. Magna will die neu gefundene Sicherheit nicht so einfach aufgeben und zur Not darum kämpfen. Was genau sie vorhat ist unklar, jedoch ändert sie ihre Pläne, als sie sieht, dass Michonne einen kleinen Jungen auf dem Arm hat. Damit ist es offiziell, Rick und Michonne haben ein gemeinsames Kind, denn bei dem Jungen handelt es sich um R.J. (Rick Junior). Schließlich klopft Magna an der Tür und übergibt Michonne ihr letztes Messer.

    Judith ist traurig, dass die neue Gruppe Überlebender Alexandria wieder verlassen soll. In ihren Bestrebungen und Handlungen erkennt man viel von Rick, Carl und Michonne wieder. Als eine Art Bezugsperson dient für sie anscheinend auch Negan (Jeffrey Dean Morgan), der ihr von seinem Zellenfenster aus bei den Mathe Hausaufgaben hilft. Negan scheint sich inzwischen mit seiner Gefangenschaft arrangiert zu haben, zumal sich seine Bedingungen sichtlich gebessert haben. Er hat eine neue Frisur und ein Fenster in seiner Zelle, sodass er nicht mehr vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten ist. Neben Mathe steht auch das Training mit dem Schwert, welches natürlich von Michonne angeleitet wird, auf Judiths Stundenplan.

    Als Michonne sich am nächsten Morgen umzieht, sieht man ein großes vernarbtes „X“ auf ihrem Rücken. Man kann nur spekulieren, dass die Narbe etwas mit jenem schlimmen Ereignis zu tun hat, welches mehrmals in der Episode zur Sprache kam. Wahrscheinlich wird man schon bald mehr darüber erfahren. Michonne zieht eins von Rick alten Hemden an, denn sie hat eine Entscheidung getroffen. Sie geht zu Magnas Gruppe, die sich gerade abreisefertig macht, und bietet ihnen an, sie nach Hilltop zu eskortieren, wo sie ein neues Zuhause finden können.

    Eugene (Josh McDermitt) sieht die Herde heranziehen

    Gabriel geht indes sogar noch einen Schritt weiter, denn er will versuchen, aktiv neue Leute zu finden. Um den Plan umsetzen zu können, ziehen Rosita und Eugene los und positionieren ein Funkgerät auf einem abgelegenen Wasserturm. Danach geht allerdings alles schief, was schief gehen kann. Eine Herde Walker nähert sich rasch und die beiden sind gezwungen, zu Fuß zu fliehen. Das erweist sich jedoch als schwierig, da sich Eugene am Knie verletzt. Eugene will sich schon für Rosita opfern, da er offensichtlich Gefühle für sie hat, aber die zieht ihn kurzerhand in ein Flussbett, wo die beiden sich mit Schlamm tarnen. Als die Zombies vorbeigehen, hören die beiden zu ihrem Entsetzen etwas, dass ihnen das Blut in den Adern gefrieren lässt: Die Untoten sprechen. Sie flüstern: „Wo sind sie? Sie müssen in der Nähe sein. Lasst sie nicht entwischen.“

    Fazit

    Das war sie nun, die erste Folge von „The Walking Dead“ ohne Rick Grimes. Und wie der Titel der Episode es so passend beschreibt, dreht sie Welt sich weiter und überraschenderweise tut Ricks Weggang der Geschichte weniger Abbruch als gedacht. Die Szenen, in denen Michonne mit ihm spricht oder mit Judith über ihn spricht sind zwar traurig, aber gleichzeitig schön und überzeugend gespielt. Der Moment, als R.J. in der Serie eingeführt wird, ist bittersüß, denn Michonne und Rick haben sich ein Kind gewünscht, nur kann es sein, dass dieses seinen Vater niemals kennen lernen wird.

    Eugene (Josh McDermitt) und Rosita (Christian Serratos) müssen sich verstecken

    Gut gemacht ist zudem, dass sich in Judiths Charakter viele gute Seiten ihrer Eltern und ihres Bruders widerspiegeln und so Ricks und Carls (Chandler Riggs) Andenken auf eine gewisse Weise bewahrt wird. Die Folge ist eine der besten der Staffel, denn sie bietet Emotionen, Spannung und Überraschungen und macht Hoffnung, dass „The Walking Dead“ trotz Andrew Lincolns Abgang weiter bestehen kann. Auch die neue Gruppe rund um Magna wird sehr interessant dargestellt und bringt noch einmal frischen Wind in die Serie. Und die sprechenden Walker dürften zumindest den Comicbuchlesern bereits vertraut sein.

    Der einzige Wermutstropfen neben Ricks vermeintlichem Ableben ist die Abwesenheit von Maggie (Lauren Cohan) und die Bestätigung von Showrunnerin Angela Kang darüber, dass die fünfte Episode nicht nur Ricks, sondern auch Maggies Abgang markiert hat. Kang hofft zwar, Maggies Geschichte in der zehnten Staffel noch weiter erzählen zu können, ob das aufgrund Cohans Verpflichtungen für andere Projekte aber zustandekommen wird ist noch unklar. Sicher ist, dass Maggie zumindest in der neunten Staffel nicht mehr auftauchen wird.

    Die Gründe für Maggies Weggang werden innerhalb der Serie wohl in der nächsten Folge näher beleuchtet werden. Spannend ist zudem die Frage, wer jetzt in Hilltop als Anführerin fungiert – da Michonne von einer Frau als Anführerin Hilltops gesprochen hat, kommen für den Posten eigentlich nur Enid (Katelyn Nacon) oder Tara (Alanna Masterson) infrage.

    © Alle Bilder: AMC

    12.11.2018, 23:00 Uhr – Jana Bärenwaldt/fernsehserien.de

    Über die Autorin

    Jana Bärenwaldt
    Jana Bärenwaldt entdeckte ihr Interesse an Fernsehserien relativ spät, erst mit der Ausstrahlung von "The Tudors" im deutschen Fernsehen wurde sie zu einem richtigen Serien-Fan. Bis heute ist die Historienserie eins ihrer favorisierten Genres, weswegen sie diesem Thema auch ihre Bachelorarbeit gewidmet hat. Mittlerweile schaut sie aber bunt gemischt, von Drama über Fantasy bis Crime ist alles mit dabei. Seit März 2016 ist Jana neben ihrem Studium in der Redaktion von fernsehserien.de tätig und schreibt dort hauptsächlich für TV-Serien aus dem englischsprachigen Raum.

    Lieblingsserien: Sherlock, The White Princess, Death Note

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • Sentinel2003 (geb. 1967) am 13.11.2018 12:52

      Ich mag ja "Carol" aka Melissa McBride sehr, aber, die langen Haare gehen nun mal überhaupt garnicht!! Und, dieser Typ paßt auch null zu Ihr!
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      • User 562617 (geb. 1975) am 13.11.2018 08:14

        1=schlecht

        diversity rules oder was?

        "jetzt sind sie halt da"
        abgesehen von politisch korrekten und UN-konformen Dialogen ist die Serie völlig uninteressant und langweilig geworden, ehemalige Lieblinge nerven nur noch, neue Protagonisten bleiben blass und öde
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