„Only Murders in the Building“: Selena Gomez, Steve Martin und Martin Short machen als Hobbydetektive Laune – Review

    Drei Nachbarn und True-Crime-Fans gehen in exklusivem New Yorker Wohnhaus auf Mördersuche

    Rezension von Christopher Diekhaus – 30.08.2021, 18:03 Uhr

    Selena Gomez, Martin Short und Steve Martin gehen in „Only Murders in the Building“ einem möglichen Verbrechen auf die Spur. – Bild: Hulu
    Selena Gomez, Martin Short und Steve Martin gehen in „Only Murders in the Building“ einem möglichen Verbrechen auf die Spur.

    Die große Bühne betrat Comedy-Altmeister Steve Martin in den letzten Jahren nur sehr selten, weshalb man den Eindruck gewinnen konnte, ein verdienter Film- und Fernsehstar bereite sich auf seinen Ruhestand vor. Dass der gebürtige Texaner noch immer große Lust an humorigen Geschichten und darstellerischer Arbeit verspürt, beweist er nun allerdings mit der von ihm und John Hoffman („Grace und Frankie“) entwickelten Hulu-Serie „Only Murders in the Building“, die sich auf augenzwinkernde Weise mit dem gigantischen Erfolg von True-Crime-Formaten befasst. Das betont leichtfüßige Krimirätsel, in dem drei grundverschiedene Nachbarn ein detektivisches Trio bilden, lässt den Puls sicherlich nicht in die Höhe schnellen, ist aber äußerst unterhaltsam – nicht zuletzt dank Steve Martin und seiner Ko-Stars Selena Gomez und Martin Short, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft und diverse erfolgreiche Produktionen – unter anderem „Drei Amigos“ – verbinden.

    Ein bisschen fühlt man sich in den ersten vier für diese Kritik gesichteten Episoden der zehnteiligen ersten Staffel von „Only Murders in the Building“ an Rian Johnsons cleveres Crime-Stück „Knives Out“ erinnert, das klassische Detektivarbeit erstaunlich unterhaltsam aufbereitet und in manchen Momenten auch mit einem Schuss Gesellschaftskritik überrascht. Die von Steve Martin mitkreierte Serie ist sicherlich weniger wendungsreich, lässt in ihren knackigen, knapp über oder unter der 30-Minuten-Marke liegenden Folgen jedoch zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommen.

    Schon der Einstieg erfolgt ohne ausufernde Charakterexpositionen, sondern lässt die drei Hauptfiguren und ihre Macken rasch Gestalt annehmen. Charles (Steve Martin) war der Star einer einst erfolgreichen Krimiserie, zitiert gerne Dialogsätze seiner Rollenfigur, wird auf der Straße nach wie vor erkannt, muss aber keineswegs jedes Mal für ein Bild parat stehen. Manchmal wollen die Menschen, die ihn ansprechen, einfach nur, dass er ein Foto von ihnen schießt. Der einstige Ruhm ist mittlerweile verblasst, und wohl auch deshalb hat sich der misanthropische Charles mehr und mehr in sein Schneckenhaus, das exklusive, an New Yorks Upper West Side gelegene Wohnhaus Arconia, zurückgezogen. Er fahre gut damit, allein zu sein, erklärt er voller Überzeugung an einer Stelle.

    Oliver (Martin Short, l.) und Charles (Steve Martin, r.) verbindet die Begeisterung für einen True-Crime-Podcast.Hulu

    Kontaktfreudiger ist da schon der extrovertierte Broadway-Regisseur Oliver (Martin Short), der laut eigener Aussage an diversen neuen Projekten arbeitet. Tatsächlich steht dem Hundebesitzer das Wasser allerdings bis zum Hals. Und doch will er sich nicht von seinem annehmlichen Leben im Arconia trennen, wie es sein Sohn Will (Ryan Broussard) anregt, der immer mal wieder mit Geldzuschüssen aushelfen muss. Die junge Mabel (Selena Gomez) wiederum scheint nicht wirklich in das gediegene Gebäude zu passen, ist aber seit ihrer Kindheit mit ihm verbunden. Heute renoviert die talentierte Künstlerin das Apartment ihrer Tante, das sie gleichzeitig bewohnt. Damals zog sie mit einer eigenen Detektivbande bei ihren Ferienbesuchen durch den Häuserblock.

    Die drei sich eingangs nicht bekannten Nachbarn könnten unterschiedlicher nicht sein. Was sie jedoch verbindet, ist ihre Liebe zu einem True-Crime-Podcast namens „All Is Not Okay in Oklahoma“. Wie es der Zufall will, stehen Mabel, Charles und Oliver ausgerechnet mit einem jungen Mann (Julian Cihi) im Aufzug, der nur wenig später tot aufgefunden wird. Alle Spuren legen einen Selbstmord nahe. Die Krimifans haben allerdings ihre Zweifel und stellen daher eigene Nachforschungen an. Schnell entdecken sie Indizien, die auf ein Verbrechen hindeuten, was ihre Neugier nur noch mehr befeuert. Auf Olivers Vorschlag hin wollen sie schließlich einen eigenen Podcast produzieren, der ihre Ermittlungsergebnisse vorstellt.

    „Only Murders in the Building“ – der Titel bezieht sich auf den Grundsatz, dass die Amateurdetektive nur Morde untersuchen werden, die in ihrem Wohnhaus passieren – legt von Anfang an eine spielerische Note an den Tag, die mitunter in herrlich absurden Ideen mündet. Als das Dreiergespann etwa in einer Szene über mögliche Tatverdächtige nachdenkt, stellt sich der melodramatisch veranlagte Oliver das Auflaufen der möglichen Schuldigen wie ein Casting auf einer Theaterbühne vor. Wer ihn mit seinen Argumenten und Motiven nicht überzeugen kann, wird vom Maestro schnurstracks in die zweite Reihe verwiesen. Ein eigentlich dröger Vorgang, der vor einer typischen Fototafel mit Notizen stattfindet, verwandelt sich unerwartet in etwas Spritziges und Amüsant-Überdrehtes.

    Mabel (Selena Gomez) sieht eher nicht aus wie eine klassische Amateurdetektivin.Hulu

    Klassisch ist an der Krimiserie die Tatsache, dass wir nur selten das Arconia verlassen. Ein Großteil der Handlung spielt an eben diesem Ort, den wir nach und nach besser kennenlernen. Der Schwenk im animierten Vorspann über die Fassade des Gebäudes weckt, sicherlich gewollt, Erinnerungen an Alfred Hitchcocks Klassiker „Das Fenster zum Hof“, in dem ein vorübergehend an den Rollstuhl gefesselter Fotograf in das Leben seiner Nachbarn eintaucht. Auch die Hulu-Serie entblättert Schritt für Schritt einen mitunter kuriosen Mikrokosmos mit einigen schillernden Nebenfiguren. Ein Gefühl für die eigenwillige Gemeinschaft bekommt man während einer Versammlung zu Ehren des Toten, den offensichtlich niemand leiden konnte. Das Ableben einer Katze berührt die Anwesenden spürbar mehr.

    Der Fall des Hobbyermittlertrios haut einen ob seiner Twists in den ersten vier Episoden sicherlich nicht vom Hocker. Ein paar Geheimnisse der Protagonisten, so auch die enge Verbindung einer Person zum vermeintlichen Selbstmörder, sorgen jedoch dafür, dass man wissen möchte, wie es weitergeht und was hinter dem möglichen Verbrechen steckt. Dass man sich dem Charme von „Only Murders in the Building“ nicht entziehen kann, liegt vor allem an der Chemie der Hauptdarsteller, die sich – es mag klischeehaft klingen, stimmt hier aber definitiv – gut ergänzen. Selena Gomez bringt eine erfrischende Rotzigkeit in das Geschehen ein und demonstriert wiederholt ihr komödiantisches Talent. Zum Beispiel, wenn Mabel Oliver wegen sexistischer Aussagen zurechtweist. Martin Short steuert als vor – auch abwegigen – Einfällen nur so sprühender Dampfplauderer die notwendige Energie bei. Und Steve Martin brilliert als ruhigerer Vertreter, der, wenn er will, allerdings den Schalk im Nacken hat. Lob gebührt ihm als Mitschöpfer der Serie ebenso für die vielen kleinen witzigen Alltagsbeobachtungen, den satirischen Blick auf das True-Crime-Phänomen, die liebevoll-ehrlichen New-York-Erkenntnisse und die nicht wenigen popkulturellen Anspielungen, die zumeist nicht krampfhaft forciert daherkommen. Als Coup darf man gewiss die Verpflichtung eines bekannten Musikers bezeichnen, der sich selbst verkörpert und irgendwann in den Fokus der obsessiven Krimifans gerät. In diesem Zusammenhang diskutieren Mabel, Charles und Oliver kurz über eines seiner bekanntesten Lieder, das häufig missverstanden wird. Einer von diversen Momenten, die dem Zuschauer mindestens ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern.

    Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten vier von insgesamt zehn Folgen der Serie „Only Murders in the Building“.

    Meine Wertung: 4/​5

    Die Serie „Only Murders in the Building“ wird ab dem 31. August 2021 auf dem US-Streaming-Dienst Hulu zu sehen sein. Parallel erfolgt der Deutschlandstart über Disney+.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am

      Ich fands langweilig und Martin Short hat alle an die wand gespielt
      • (geb. 1979) am

        Gestern die erste Folge geschaut und für gut befunden. 
        Schöne Mischung aus Crime, Drama und natürlich eine gute Portion Humor. Aber nicht zu übertrieben, sondern ein sehr gutes Maß an Humor. Insbesondere bei Martin Short. Er beweist sehr git, dass er nicht nur albern sein kann, sondern auch wirklich eine Figur mit Hintergrund spielen kann.
        Die Demütigung, mit der er in einer bestimmten Szene umgehen muss, wurdevon ihm gut in Szene gesetzt. Und keine Sorge. Damit habe ich nichtzu viel verraten. 


        Martin und Short waren ja eh schon immer ein perfekt eingespieltes Duo. Mit Gomez hat man nun ein super Trio geschaffen...wobei ich natürlich hoffe, dass irgendwann mal Chevy Chase sich als Gaststar die Ehre geben wird, damit die Drei Amigos auch mal wieder zusammenkommen

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