Streamingstudie: Netflix beliebter als Prime Video

    Joyn gleichauf mit TVNOW

    Glenn Riedmeier – 16.12.2019, 16:27 Uhr

    Die Arbeitsgesellschaft Fernsehforschung (AGF) lässt zwei Mal pro Jahr in einer Studie die Geräte-Ausstattung, den TV-Empfang, Pay-TV-Daten sowie die Bewegtbildnutzung über das Internet erheben. Die aktuelle Studie TV-Plattform 2019-II kam dabei zu dem Ergebnis, dass der Streamingdienst Netflix in der Gunst der Zuschauer vor Amazon Prime Video rangiert. Demnach nutzt hierzulande inzwischen fast jeder Vierte Netflix, während Prime Video mit 15 Prozent deutlich dahinter liegt. Die Nutzung der kostenpflichtigen VoD-Dienste hat sich seit 2015 vervielfacht: Waren es in der Studie 2015-I noch 7 Prozent, die angaben, in den vergangenen drei Monaten ein VoD-Angebot genutzt zu haben, sind es 2019-II schon 32 Prozent.

    Noch viel populärer als die kostenpflichtigen VoD-Anbieter ist jedoch YouTube. Die Studie ergab, dass 51 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren in TV-Haushalten das Videoportal in den letzten vier Wochen genutzt haben. Auch die Mediatheken der TV-Sender werden stark genutzt. So gaben 30 Prozent der Befragten an, mindestens einmal im Monat ein Angebot zu nutzen. Je jünger die Teilnehmer sind, umso häufiger nutzen sie neben dem klassischen TV auch die Streaming-Angebote der Sender. 39 Prozent der 14- bis 29-Jährigen gaben an, in den letzten vier Wochen auf einer der Plattformen der TV-Sender gewesen zu sein.

    Wer nun denkt, dass Streaming lediglich von jungen Menschen genutzt wird, irrt. Von den über 65-Jährigen gab bereits jeder Fünfte an, in den letzten vier Wochen Streaming-Angebote genutzt zu haben. Bei den 14- bis 29-Jährigen liegt der Anteil mit 87 Prozent erwartungsgemäß deutlich höher als etwa bei den 30- bis 49-Jährigen, die mit 72 Prozent aber ebenfalls stark vertreten sind.

    Erstmals in der Studie dabei ist Joyn, das im Juni gestartete Joint-Venture von Discovery und ProSiebenSat.1. Im Drei-Monats-Zeitverlauf ist der Anbieter direkt in die Top 5 der kostenpflichtigen beziehungsweise kommerziellen Content-Plattformen aufgestiegen. Mit 2,2 Prozent liegt Joyn laut der AGF-Studie nach Netflix, Amazon Prime Video und DAZN gleichauf mit TVNOW von der Mediengruppe RTL Deutschland.

    „Die Menschen – egal welchen Alters – suchen nach relevantem Content und zwar auf jedem Gerät, das ihnen gerade zur Verfügung steht. Anbieter von Bewegtbildinhalten sollten dies aufgreifen und ihren Inhalt auf allen Distributionswegen zur Verfügung stellen“, erläutert Kerstin Niederauer-Kopf, Vorsitzende der Geschäftsführung der AGF Videoforschung.

    Webvideos werden am häufigsten am Smartphone konsumiert. So gaben 52 Prozent der Befragten an, mindestens einmal im Monat mit dem Mobiltelefon Videoclips angeschaut zu haben. Auf PC und Laptop greifen 43 Prozent zurück. Doch auch auf dem großen Bildschirm sind Online-Inhalte inzwischen keine Seltenheit mehr: Jeder Dritte schaut gestreamte Inhalte auch auf dem Fernseher. Die Geräte werden dabei immer hochwertiger und funktionaler. Bereits 19 Prozent geben an, ein Ultra-HD-/4K-Gerät zu besitzen. „Das bedeutet, dass sich letztlich für den Nutzer geradezu unbemerkt nur der Distributionsweg verändert. Die Nutzungssituation gleicht der klassischen TV-Nutzung. Diese Entwicklung zeigt, dass wir den Begriff ‚Fernsehen‘ neu denken müssen“, kommentiert Kerstin Niederauer-Kopf.

    Die erstmals 2010 durchgeführte Analyse der AGF beruht auf rund 2.500 repräsentativ ausgewählten Teilnehmern, die pro Welle persönlich befragt werden. Die Haushalte werden außerdem durch den Interviewer begangen und die Programme werden gezielt hergeschaltet, um die Validität der getroffenen Angaben zu untermauern. Die Studie wird primär für die Gewichtung des TV-Panels genutzt, liefert jedoch auch zahlreiche Erkenntnisse zur Videonutzung in Deutschland und ermöglicht Langzeitvergleiche über fast ein Jahrzehnt.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • (geb. 2001) am melden

      Ich gucke auch hauptsächlich bei Netflix oder Amazon Prime. Wenn ich Fernsehen gucke, dann keine Privatsender, die ständige Werbung da kann ich mir nicht geben. Aber ich bin froh, dass es auch noch Arte und 3sat gibt, wo Filme und Serien zu sehen sind, die es nicht zu streamen gibt; und dann auch noch ohne Werbung.
      Allerdings ist bei den Streaminganbietern auch ein Vorteil, das man Filme/Serien auch im Originalton schauen kann, was v.a. bei amerikanischen Formaten mir oft besser gefällt. Bei europäischen oder asiatischen Sachen macht mir das nichts aus, da ich nicht nur mit Untertiteln schauen will, aber sonst ist das schon ganz gut.

      Also zusammengefasst eine Mischung aus Prime, Netflix, Arte und 3sat (:
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      • (geb. 1974) am melden

        Seit ich Netflix hab, guck ich so gut wie gar nicht mehr ins Free TV rein. Davor fand ich das Programm schon uninteressant u. hab mir eher Filme/Serien auf DVD/BD gekauft. Bei Netflix find ich altes aber auch neues. Dazu auch viele Sachen, die mal nicht aus der USA kommen u. im Free TV wohl auch keinen Platz gefunden hätten. Und ganz wichtig - ich entscheide was ich wann gucke, ganz ohne Werbung. Und wenn ich mir das öde Weihnachts- u. Silvester/Neujahr Programm auf allen Sendern ansehe, weiss ich auch jetzt schon, das mich nichts davon reizt.
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        • (geb. 1967) am melden

          Eigentlich doch....prime Video ist ein Streaming Dienst!! Und, dass Netflix vor Amazon ist, ist doch null überraschend!!
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            Prime Video betrachte ich eigentlich gar nicht als eigenständigen Streamingdienst und damit auch nicht wirklich in Konkurrenz zu Netflix stehend. Das ist halt im Prime-Abo mit drin, also schaut man eben gelegentlich mal rein.
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              Ich schaue fast nur noch über Streaming-Dienste. Im TV Programm finde ich nur noch selten etwas. Eigenproduktionen mag ich nicht. Die vielen Programmänderungen bei Serien nerven mich. Die ganzen Wiederholungen im TV Programm, habe ich schon zu oft gesehen.

              Bei den Streaming-Diensten finde ich immer etwas, was ich noch nicht gesehen habe. Die Inhalte kann ich auch noch in HD sehen und ohne Werbeunterbrechung.
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