„Bella Block“: Hannelore Hoger ermittelt zum letzten Mal

    Ein Blick zurück auf die außergewöhnliche Krimi-Reihe

    Ralf Döbele
    Ralf Döbele – 24.03.2018, 10:00 Uhr

    Ermittlungen am Rande des Abgrunds. Bella (Hannelore Hoger) vor der Leiche des kleinen Jacob (Florian Musik) in „Am Ende der Lüge“.ZDF/​Manju Sawhneyr


    Über die Jahre hinweg folgte „Bella Block“ weniger den Regeln einer traditionellen Krimireihe, sondern eher denen des Autorenkinos. Alle Filme wurde von wechselnden Autoren und Regisseuren inszeniert, die teilweise nach längerer Auszeit auch wieder zu der Reihe zurückkehrten. Max Färberböck drehte mit „Vorsehung“ 2009 eine dritte und herausragende Folge. Ebenfalls unter den Wiederholungstätern zu finden ist Markus Imboden, der mit „Tod eines Mädchens“ (Oktober 1997) eine der beklemmendsten Sozialstudien der Reihe ablieferte. Auch Sherry Hormann („Schuld und Liebe“), Christian von Castelberg („Das Glück der Anderen“), Rainer Kaufmann („Das schwarze Zimmer“) und Dagmar Hirtz („Das Gegenteil von Liebe“) inszenierten mehrere „Bellas“, während die Autoren Katrin Bühlig („Weiße Nächte“) und Fabian Thaesler („Der Fahrgast und das Mädchen“) die meisten Vorlagen lieferten.

    Die größte Konstante in diesem inhaltlich und optisch vielfältigen Wechselspiel stellt zweifelsohne Pit Rampelt dar, der als ZDF-Redakteur die Reihe seit 1999 betreute. Sein erster „Bella“-Film war damals ausgerechnet der kontroverse Szene-Thriller „Geflüsterte Morde“ mit Ben Becker, der wegen Jugendschutzbedenken erst einige Monate im ZDF-Giftschrank lagerte, bevor er dann schließlich abseits der Primetime ausgestrahlt wurde.

    Aber auch abseits dessen schreckte „Bella Block“ nie vor kontroversen Themen zurück. Vereinsamung, Inzest, Sterbehilfe, Zwangsprostitution, erweiterter Selbstmord, an und von Kindern begangene Verbrechen, Krankheit und Tod – die Reihe war stets sperrig und konnte sich gerade damit ein großes Stammpublikum erobern. Sicher vor allem, weil man als Fan auch in den Momenten, in denen man mit den düstersten Abgründen der Gesellschaft konfrontiert wird, dennoch stets eine wunderbare Hannelore Hoger vor Augen hatte. Als Bella litt sie oft stellvertretend für das Publikum, noch öfter warf sie sich allerdings mit all ihrer Kraft und forscher Überzeugung zwischen die Zuschauer und das Unrecht, das vor ihr und uns ausgebreitet wurde.

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