The Big Surprise – Review

    Mischung aus „Versteckte Kamera“ und „Lass dich überraschen“ – von Glenn Riedmeier

    Rezension von Glenn Riedmeier – 16.01.2015, 11:16 Uhr

    „The Big Surprise“ ist der neueste Streich von Palina Rojinski.

    Streiche mit der versteckten Kamera sind alles andere als ein Novum. Im deutschen Fernsehen begrüßte erstmals 1961 Chris Howland die Zuschauer zu „Vorsicht Kamera“ und der Dauerbrenner „Verstehen Sie Spaß?“ schlägt sich seit mittlerweile 35 Jahren beachtlich im Ersten. Gestern Abend schickte ProSieben mit „The Big Surprise“ eine neue Variante auf Sendung. Das Format mit Palina Rojinski trägt den Untertitel „Dein schönster Albtraum“ und verbindet Elemente aus klassischen Verlade-Sendungen mit Shows ? la „Lass Dich überraschen“. Nichts ahnende Menschen erleben zunächst den „schlimmsten Tag ihres Lebens“. Anschließend bekommen sie als Ausgleich für die strapazierten Nerven einen großen Lebenswunsch erfüllt.

    Palina Rojinski fungiert in ihrer neuen Sendung als Teufelsengel und arbeitet im Auftrag einer nahestehenden Person des Pechvogels. Im ersten Fall wird der 20-jährige Sebastian mächtig hinters Licht geführt. Er arbeitet als Praktikant bei der Jugendzeitschrift BRAVO und soll spontan ein Interview mit Sascha Vollmer und Alec Völkel von The BossHoss führen, da der ursprünglich eingeteilte Redakteur angeblich einen Wasserschaden hat und sofort nach Hause eilen musste. Die ohnehin schon schlecht gelaunten Bandmitglieder stellen schnell fest, dass der eingesprungene Sebastian völlig unvorbereitet ist und nehmen ihn nicht ernst. Als sich dann auch noch herausstellt, dass offenbar Sebastians Freundin, die am Abend zuvor bei einer Promiveranstaltung als Kellnerin gearbeitet hat, mit Alec angebandelt hat, liegen dessen Nerven endgültig blank. Nach schmerzhaften Minuten der Verzweiflung erfolgt die Erlösung: Palina Rojinski erscheint auf der Bildfläche und beendet den Spuk. Zur Belohnung erhält der sichtlich erleichterte Sebastian ein neues Motorrad, von dem er schon lange geträumt hat.

    Palina wartet hinter den Kulissen auf ihren Einsatz.
    Beim nächsten Opfer werden noch ein paar Schippen Dramatik draufgelegt. Die 23-jährige Studentin Melanie, die nebenbei in einer Bäckerei jobbt, wird von der Aushilfe zur stellvertretenden Chefin befördert – trotz eines ziemlich misslungenen Vorstellungsgesprächs. Doch ihr erster Arbeitstag in der neuen Position entpuppt sich als Albtraum. Melanie muss sich nicht nur mit einer demotivierten Mitarbeiterin herumschlagen, sondern auch mit den wohl schlimmsten Kunden aller Zeiten. Die Situation eskaliert, als plötzlich ein Kunde nach dem Biss in ein Schokocroissant vermeintlich einen allergischen Anfall erleidet. Dann überschlagen sich die Ereignisse: Die besorgte Ehefrau stürmt in die Bäckerei und alarmiert die Polizei, bevor schließlich der Krankenwagen anrollt. Zum Ausgleich darf sich Melanie nach der Auflösung des bösen Streichs auf einen Urlaub am Meer freuen.

    Das Konzept geht auf: Als Zuschauer macht man das Wechselbad der Gefühle mit. Zunächst versetzt man sich zwangsläufig in die Lage der Opfer und empfindet eine Mischung aus Mitleid und Schadenfreude. Anschließend gönnt man den durchweg sympathischen Kandidaten ihre Belohnung. Die Streiche sind aufwendig vorbereitet und besitzen einen unterhaltsamen Spannungsbogen. Die Macher schrecken auch nicht davor zurück, an die Grenzen der Belastbarkeit zu gehen. Dennoch hat man nie das Gefühl einer wirklich boshaften Intention. Es zeigt sich, dass alte Konzepte auch heute noch funktionieren können, wenn man sie mit Liebe zum Detail umsetzt.

    Die Sendung besitzt mit knapp 120 Minuten eine angenehme Laufzeit. Auf einen Studio- bzw. Showteil wird verzichtet, um das Format nicht unnötig in die Länge zu ziehen, was mittlerweile in den meisten ProSieben- und RTL-Shows der Fall ist. Stattdessen konzentriert sich „The Big Surprise“ auf das Wesentliche und zeigt nacheinander die gedrehten Einspielfilme. Jedem Fall wird etwa eine halbe Stunde Sendezeit eingeräumt. Das ist für Versteckte-Kamera-Formate ungewohnt lang, wirkt sich allerdings nicht negativ aus. Im Gegenteil: Durch die ausführliche Darstellung des Falls können sich die Zuschauer noch mehr mit den Opfern identifizieren.

    Während die Streiche bei ähnlichen Formaten inzwischen zu oft gestellt und inszeniert wirken, setzt „The Big Surprise“ auf Authentizität. Fernsehen mit echten Emotionen ist selten geworden. Doch hier übertragen sich sowohl die negativen als auch die positiven Gefühle der Kandidaten auf die Zuschauer. Palina Rojinski ist als Moderatorin ebenfalls überzeugend und scheint als Teufelsengel eine Rolle gefunden zu haben, die ihr steht. „Ich leide total mit den Kandidaten mit“, gesteht sie und das merkt man. Am Ende ist das ProSieben-Gesicht mit der feuerroten Mähne sogar selbst zu Tränen gerührt.

    Palina Rojinski ist den Zuschauern vor allem als Sidekick aus den Comedyshows von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf bekannt geworden. 2013 wurde die zweifache Deutsche Meisterin in der Rhythmischen Sportgymnastik Jury-Mitglied der ProSiebenSat.1-Show „Got to Dance“. In diesem Jahr erhielt sie bei ProSieben mit „Crazy Dates. In Love mit Palina“ und „Offline – Palina World Wide Weg.“ zwei eigene Sendungen, die jedoch aus Quotensicht enttäuscht haben. Einer Fortsetzung der erfrischenden Sendung „The Big Surprise“ sollte allerdings hoffentlich nichts im Wege stehen.


    Glenn Riedmeier
    © Alle Bilder: ProSieben

    Über den Autor

    Glenn Riedmeier ist Jahrgang ’85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. „Bim Bam Bino“, „Vampy“ und der „Li-La-Launebär“ waren ständige Begleiter zwischen den „Schlümpfen“, „Familie Feuerstein“ und „Bugs Bunny“. Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. „Ruck Zuck“ oder „Kaum zu glauben!“. Auch für Realityshows wie den Klassiker „Big Brother“ hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie „Die Harald Schmidt Show“ und „PussyTerror TV“, hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie „Eine schrecklich nette Familie“ und „Roseanne“, aber auch schräge Mysteryserien wie „Twin Peaks“ und „Orphan Black“. Seit Anfang 2013 ist er bei fernsehserien.de vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.

    Lieblingsserien: Twin Peaks, Roseanne, Gargoyles – Auf den Schwingen der Gerechtigkeit

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