Rudi Carrell: 50 Jahre Fernsehunterhaltung

    Eine Rückschau

    Jutta Zniva – 10.07.2006

    Rudi Carrell ist tot. Der Showmaster und Entertainer verstarb am Freitag, 7. Juli, in im Alter von 71 Jahren an den Folgen seiner schweren Krebserkrankung. Sein Wunsch war es, als „ein Mann, der die Menschen gut unterhalten hat“ in Erinnerung zu bleiben. Wunschliste.de schaut zurück auf fast fünf Jahrzehnte Fernsehgeschichte, die Carrell mit seinen Shows geschrieben hat.

    „Ich wurde am 19. Dezember 1934 in dem holländischen Städtchen Alkmaar von meinem Vater beim Standesamt angemeldet, am Schalter ‚Geburt K-Z‘ unter dem Namen Kesselaar – Vornamen Rudolf Wiybrand, Rufname Rudi“, schrieb Rudi Carrell 1979 in seiner Autobiografie „Gib mir mein Fahrrad wieder“. Showmaster wie sein Vater und Großvater, die in Varietés auftraten, sei er am 17. Oktober 1953 geworden: „Ich teilte meinem Publikum mit, daß ich Rudi Carrell hieß, erzählte ein paar Witze und kassierte 50 Gulden.“

    Wenige Jahre später, Ende der 50er Jahre, wurde Carrell im niederländischen Fernsehen durch einen einzigen Fernsehauftritt über Nacht bekannt. Bald darauf präsentierte er monatlich die „Rudi Carrell-Show“, für die er auch als Autor und Produzent zeichnete und die ihm die Silberne Rose von Montreux eintrug. Mitte der 60er Jahre realisierte er die Show erstmals für das deutsche Fernsehen. Ab 1970 folgen Rollen in Schlagerfilmen wie „Tante Trude aus Buxtehude“ oder „Wenn die tollen Tanten kommen“.

    Der große Durchbruch in Deutschland gelang Rudi Carrell Mitte der 70er Jahre mit „Am laufenden Band“ nach dem holländischen Vorbild „Een von de acht“. Das Familienquiz, stets live am Samstagabend gesendet, erreichte bis zu 64 Prozent Einschaltquoten und übertraf damit die Showkonkurrenz „Dalli-Dalli“ mit Hans Rosenthal und „Der große Preis“ mit Wim Thoelke. „Am laufenden Band“ wurde bis 1979 in der ARD 51 mal ausgestrahlt. Danach verordnete sich Carrell eine Pause – er hatte bis dahin insgesamt 450 Sendungen selbst entwickelt und ausgearbeitet.
    Die Pause war eine kreative gewesen: Mit „Rudi kann’s nicht lassen“ kehrte er bereits 1981 im WDR zurück auf den Bildschirm. Im gleichen Jahr folgte in der ARD seine erste Satiresendung, „Rudis Tagesshow“, einer Parodie auf die Tagesschau.

    Mitte der 80er Jahre startete er mit der Quizshow „Die verflixte Sieben“, danach war er Präsentator von „Herzblatt – Eine Sendung zum Verlieben“ im Vorabendprogramm des Bayerischen Rundfunks. Mit der Neuauflage seiner „Rudi-Carrell-Show/Lass dich überraschen“ kehrte er 1988 wieder auf den Sendeplatz am Samstagabend im Ersten zurück. Kleinere Produktionen („Die Post geht ab!“, „Rudis Tiershow“, „Rudis Urlaubsshow“, „Rudis Hundeshow“ folgten. 1996 landete er auf RTL mit dem satirischern Wochenrückblick „7 Tage, 7 Köpfe“ einen weiteren großen Erfolg. Carrell moderierte die Sendung bis 2002, danach beschränkte er sich auf die Produktion.

    Am 30. Dezember 2005 kehrte er, von seiner schweren Krankheit bereits deutlich gezeichnet, für einen letzten, wortlosen Auftritt noch einmal wieder, als er in „7 Tage, 7 Köpfe“ Harald Schmidt ein Glas Wasser über die Hose kippte. Es war sein Abschied vom Bildschirm gewesen. Am 2. Februar 2006 wurde Rudi Carrell in Berlin der letzte von zahlreichen Fernsehpreisen, die Goldene Kamera für sein Lebenswerk, überreicht. Es sei ihm eine Ehre gewesen, sagte der sonst oft zynische Showmaster, „in diesem Land und vor diesem Publikum Fernsehen machen zu dürfen“.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

      weitere Meldungen