Prosit, „Klimbim“!

    Die Nummernrevue feierte vor 40 Jahren ihre TV-Premiere – von Ralf Döbele

    Ralf Döbele
    Ralf Döbele – 24.07.2013, 10:00 Uhr

    Die Klimbims

    Als Zuschauer konnte man sich ebenso darauf verlassen nicht einfach nur mit „Guten Abend“ begrüßt zu werden, sondern dem „Klimbim“-Titelsong von Heinz Kiessling, der mit seinem Text die sinnlose Essenz der Show geradezu brillant einfing: „Klimbim ist unser Leben, Klimbim hat montags zu, Klimbim schmeckt nach Vanille und spielt gern Blindekuh. Klimbim ist unser Leben, und ist es mal nicht wahr, dann mach ich mir ‚nen Schlitz ins Kleid und find‘ es wunderbar.“

    Ingrid Steegers letzte, leicht gestöhnte Liedziele ist bis heute legendär. Genau wie ihre Versprecher beim Vortragen der Witze, die von Regisseur Pfleghar mitunter mit in die fertige Sendung geschnitten wurden. Später sollte Steeger „Klimbim“ als härteste Arbeit ihres Lebens bezeichnen, da ihre dreijährige, private Beziehung mit Pfleghar einem Abhängigkeitsverhältnis mit dem fordernden und nicht gerade zimperlichen Perfektionisten gleichkam. Gleichzeitig wurde Steeger zum Lustobjekt zahlloser männlicher Zuschauer, die ansonsten im Fernsehprogramm kaum je einen Blick auf nackte Brüste erhaschen konnte. Praktisch ständig glänzten Ingrid Steeger und Elisabeth Volkmann mit ihren tiefen Ausschnitten, egal ob sie sich in einem Sketch erfolglos als Chefsekretärinnen versuchten, als Tagesschau-Sprecherinnen oder in der zum Sendungs-Inventar gehörenden, verrauchten Bar.

    Fester Bestandteil einer jeden „Klimbim“-Folge waren natürlich „Die Klimbims“, deren vollkommen abgefahrenen Familienmitglieder zu den Protagonisten einer Art Sitcom innerhalb der Show wurden. Da war der militante und glorreichen Kriegszeiten nachtrauernde Opa (von Roëll), die Männerverzehrende Mutter Jolanthe (Volkmann), die ständig fluchende Tochter Gaby (Steeger) mit Zahnlücke und Skorpion Charlie als Haustier, der impotente Onkel Poldi (Muxeneder) und der Papa, der eigentlich nie was zu sagen hatte (Augustin). Später hatte Jolanthe noch den nichtsnutzigen Adolar (Jüssen) als Liebhaber.

    Nicht weniger übertrieben als die Figuren waren auch die Situationen, in denen sich die Familie mitunter wiederfand. Nach einem Anfall von Freundlichkeit bei Gaby diagnostiziert Opa sofort Besessenheit durch den Teufel und besteht auf Exorzismus durch Schnaps. Am Ende der ersten Staffel lassen sich die Klimbims einfrieren, werden in Staffel 2 erst im Jahr 2975 wieder aufgetaut. Opa hatte den Wecker zu spät gestellt. Andere Cliffhanger waren ähnlich spektulär. Mal lassen sich die Klimbims in der Familiengruft einmauern, werden in den Weltraum geschossen oder ziehen auf den Planeten Yxta. Dort findet Jolanthe in dem geflohenen Gauner Gundolf (Willer) immerhin einen neuen Liebhaber.

    Bild: WDR (Screenshot)

    zurückweiter

    weitere Meldungen