Prosit, Jim Knopf und Lukas der Lokomotivfahrer feiern Puppentheater-Jubiläum

    Erstausstrahlung der Schwarz-Weiß-Version heute vor 50 Jahren – von Boris Klemkow

    Boris Klemkow – 15.10.2011, 08:06 Uhr

    Seite
    Bild: S.A.D. Home Entertainment GmbH (Screenshot)
    Bild: S.A.D. Home Entertainment GmbH (Screenshot)

    Autor Michael Ende verkaufte nach der Fernsehausstrahlung seines ohnehin sehr erfolgreichen Romans noch mehr Bücher und ließ mit „Jim Knopf und die wilde 13“ eine Fortsetzung folgen, der sich die Augsburger Puppenkisten dankbar angenommen und ebenfalls zweimal für den HR inszeniert wurde.

    Der 1995 verstorbene Schriftsteller gab in einem Radiointerview vier Jahre vor seinem Tod an, sein Buch nicht in erster Linie für Kinder geschrieben zu haben. Die Journalistin Jutta Voss analysierte Endes Romane um die beiden sympathischen Eisenbahner hinsichtlich dieser Aussage und kam in ihrer literaturwissenschaftlichen Untersuchung zu einigen höchst interessanten Ergebnissen. Endes freundlicher Waisenjunge wurde nach Jeremy Button (englisch für Knopf) benannt, der von europäischen Forschern in seiner Heimat Feuerland käuflich erworben wurde, um dann mit der HMS Beagle nach England genommen zu werden. An dieser Expedition, die auch zu den Galapagos-Inseln führte, nahm auch Charles Darwin teil, dessen Forschungsergebnisse von den Nationalsozialisten für ihren pervertierten Sozialdarwinismus missbraucht wurden. Ende (Jahrgang 1929) wurde in seiner Schulzeit mit diesen menschenverachtenden Thesen und der NS-Rassenideologie konfrontiert.

    Nach Kriegsende wollte er mit seinem Buch einen in eine fantastische Abenteuergeschichte verpackten Gegenentwurf zur rassistischen Herrenmenschenideologie der Nazis verfassen. Dieses Bemühen schränkt den Unterhaltungswert seiner Prosa und ihrer Verfilmungen niemals ein, da es sich nie in den Vordergrund drängt, sondern subtil zwischen den Zeilen mitschwingt. An mehreren Stellen wie der Diskriminierung des Halbdrachen Nepomuk werden Aspekte dieser Herangehensweise offenbar, durch die ein humanistischer Subtext entsteht, der den Vorwurf widerlegt, dass Endes Geschichten realitätsferner Eskapismus seien.

    weitere Meldungen

    weitere Meldungen

    weitere Meldungen

    weitere Meldungen