Prosit, „Herzblatt“!

    Legendäre Kuppelshow startete vor 25 Jahren – von Ralf Döbele

    16.10.2012, 09:31 Uhr – Ralf Döbele

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    Im Oktober 1987 flimmerte „Herzblatt“ erstmals über deutsche Bildschirme
    Im Oktober 1987 flimmerte „Herzblatt“ erstmals über deutsche Bildschirme

    Also, lieber Leser, wer soll jetzt Dein Herzblatt sein? Moderator 1, der Holländer, der Kuppler der ersten Stunde, der nach getaner Arbeit gerne selbst sieben Tage lang mit sieben Köpfen den Urlaub im Wohnwagen verbringt? Oder Moderator 2, der „Macho Macho“, der auch „Wien bei Nacht“ unsicher macht und 1997 mit dem Herzblatt-Hubschrauber das Weite sucht? Oder Moderator 3, die Allzweckwaffe, die inzwischen vom ersten ins zweite Munitionslager der Republik gewechselt ist und dafür nichts vorzuweisen hat als einen weißen Werbe-Hintergrund in Dauerschleife? So, lieber Leser, jetzt musst Du Dich entscheiden! … . Und falls die Entscheidung allzu schwer fällt, stehen auch noch vier weitere Moderatoren zur Auswahl bereit, die mit ihren drei Kollegen von 1987 bis 2005 durch 463 Folgen des ARD-Kuppelklassikers „Herzblatt“ führten.

    Am 9. Oktober 2012 ist es bereits 25 Jahre her, seit Rudi Carrell zum ersten Mal Susi Müller bat, die Eigenschaften der Kandidatinnen und Kandidaten erotisch gehaucht zusammenzufassen. Die Idee zu „Herzblatt“ kam – wenig überraschend – aus den USA. Dort waren verschiedene Fassungen von „The Dating Game“ bereits seit 1965 fester Bestandteil des Nachmittagsprogramms. Im Ersten sollte es allerdings eine wöchentliche Show sein, die stets am Freitagabend vor der „Tagesschau“ ausgestrahlt wurde. Das Konzept blieb indes in der deutschen Fassung weitgehend gleich. Ein Kandidat oder eine Kandidatin stellt Fragen an drei Auserwählte, die hinter einer Trennwand verborgen sind. Die Wahl muss also ausschließlich auf den Antworten des unsichtbaren Gegenüber basierend erfolgen. Im Anschluss folgte die Qual der Wahl. Mit dem/der Erwählten seiner/ihrer Gunst ging es dann per „Herzblatt-Hubschrauber“ ab in ein romantisches Wochenende, meist gespickt mit amüsanten Aufgaben, die zu zweit bewältigt werden mussten – von der Butterherstellung bis zum Alphornbläser-Kurs.

    Während die Fragen und Antworten der Kandidaten in den ersten Sendungen noch recht bieder daherkamen, wurden sie nach und nach gewitzter und auch schlüpfriger. Dies ist allerdings kaum den Kuppelwilligen selbst zu verdanken. Es war ein offenes Geheimnis, dass die Sendung ein professionelles Autorenteam beschäftigte. Tatsächlich erhöhte sich so der Spaßfaktor beim Anschauen erheblich und „Herzblatt“ wurde zum Kult, zumal sich die Sendung auf Partys oder auf Schulfesten sehr einfach nachspielen ließ. Oft war insbesondere der Moment, in dem sich die Kandidaten vor der noch geschlossenen Trennwand gegenüber standen, für das Publikum zum Schreien – gerade wenn beispielsweise ein extremer Größenunterschied zwischen den beiden vorlag.

    Bild: ©Das Erste/ Youtube Screenshot

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