Prosit, „Das aktuelle Sportstudio“!

    Vor 50 Jahren ging eine Fernsehinstitution auf Sendung – von Ralf Döbele

    Ralf Döbele
    Ralf Döbele – 24.08.2013, 10:00 Uhr

    Harry Valérien, Wim Thoelke, Rainer Günzler im ersten „Sportstudio“-Jahr 1963

    Drei unten, drei oben – seit nunmehr einem halben Jahrhundert ist dies am Samstagabend die ultimative, sportliche Herausforderung für die Gäste einer ZDF-Sendung, die noch immer mit der Einblendung einer Bahnhofsuhr beginnt und mit dem Torwandschießen endet. „Das aktuelle Sportstudio“ feiert seinen 50. Geburtstag und hat in fünf Jahrzehnten mit seiner Mischung aus Stargästen, Wettkampfberichten und so mancher spektakulären Einlage der Moderatoren gleich mehrere Fernsehgenerationen geprägt. Eine Bar steht in der heutigen Dekoration leider nicht mehr, aber dennoch stoßen wir an und sagen Prosit, „aktuelles Sportstudio“!

    Am 24. August 1963 ging’s los, pünktlich zum allerersten Spieltag der neu gegründeten Bundesliga. Neu gegründet war auch das ZDF, das dringend Zuschauermagneten brauchte und im König Fußball auch prompt einen fand. Kein Wunder also, wenn die ersten Ausgaben des „Sportstudios“ mitunter über drei Stunden lang waren. Ob deshalb der erste Moderator Heribert Meisel nur fünf Sendungen lang durchhielt, man weiß es nicht. Nach ihm traten dann aber bereits langjährige „Sportstudio“-Legenden wie Wim Thoelke, Rainer Günzler und Harry Valérien vor die Kamera.

    Ebenso kennzeichnend für das erste „Sportstudio“-Jahrzehnt waren die sich drehenden Litfaßsäule, die stets am Anfang der Sendung zu sehen war und die Bar, an der man sich im Studio mit den Gästen ausgiebig unterhielt. Gesangsauftritte von Rudolf Schock oder Fred Bertelmann boten dagegen zwar nur einen geringen Bezug zum sportlichen Tagesgeschehen, was aber wohl auch auf diverse Modenschauen und Gewinnspiele zutraf, die stets in die Sendung integriert wurden. Die inzwischen legendäre Titelmusik, komponiert von Thomas Reich und eingespielt von Max Gregers Big Band, war übrigens nicht von Anfang an dabei. Erstmals war sie 1965 im „Sportstudio“ zu hören, wobei Wim Thoelke das Publikum gleich in die Pflicht nahm: „Sie werden sich an die Melodie schon gewöhnen!“

    Nicht ganz an Thoelke gewöhnen wollte sich dagegen die Pferdedame Antoinette, die den bravourösen Moderator in einer Sendung beinahe abwarf. Thoelke hätte die Hinweistafel im Hintergrund lesen sollen: „Reiten verboten!“ Umgewöhnen mussten sich glücklicherweise die Zuschauer in den nächsten Jahrzehnten auch bei der Berichterstattung über den Frauenfußball. Zu Schwarz-Weiß-Zeiten wurde die von Thoelke noch mit einem, sagen wir, leider zeitgemäßen Kommentar unterlegt: „Die Frauen waschen doch ihre Trikots selber!“ und „Manndecken, nicht Tischdecken!“ sind noch die harmlosesten Auszüge.

    Bild: © ZDF/​Renate Schäfer

    weiter

    weitere Meldungen