Noel Clarke („Doctor Who“) zahlreicher sexueller Übergriffe beschuldigt

    Britischer Schauspieler, Regisseur und Produzent soll an Sets Position missbraucht haben

    Bernd Krannich
    Bernd Krannich – 30.04.2021, 14:01 Uhr

    Noel Clarke in seiner Rolle als Aaron Bishop in der Serie „Bulletproof“ – Bild: Sky/Vertigo Films
    Noel Clarke in seiner Rolle als Aaron Bishop in der Serie „Bulletproof“

    Der britische Schauspieler, Regisseur und Produzent Noel Clarke sieht sich nach einem ausführlichen Exposé über sexuelles Fehlverhalten bei der Arbeit mit zahlreichen Konsequenzen konfrontiert. Zu denen gehört auch der Verlust der aktuellen Rolle in „Bulletproof“. Der Künstler bestreitet die Vorwürfe.

    Der 1975 geborene Noel Clarke wurde einem breiteren Publikum durch die Rolle als Roses Freund Mickey Smith in den frühen Staffeln des aktuellen „Doctor Who“-Revivals bekannt. In Großbritannien hat er sich durch die Film-Trilogie „Streets of London – Kidulthood“ (2006), „Adulthood“ (2008) und „Brotherhood“ (2016) als Autor und Regisseur einen Namen gemacht. Aktuell hat er eine der beiden Hauptrollen in der Actionserie „Bulletproof“ über zwei Freunde bei der Polizei. Clarke gehörte zuletzt noch der Film-Kommission der BAFTA an und war Teil eines Mentoring-Programms bei ITV, das ihn mit jungen Künstler:innen in Kontakt brachte.

    In einem langen, am späten Donnerstag publizierten Artikel hat der britische The Guardian Berichte von 20 Frauen über Noel Clarkes angebliches Fehlverhalten zusammengetragen. Einige Frauen berichteten anonym, andere unter ihrem Namen. Die Anschuldigungen umfassen unerwünschte Berührungen, Grapscher, unangemessene sexuelle Kommentare und unangemessenes Verhalten an Sets, berufliches Fehlverhalten sowie das Fotografieren und Aufnehmen von sexuell geprägten Videos ohne Consent (inklusive deren Weitergabe) sowie Bullying – in einem Zeitraum von 2004 bis 2019. Vieles geschah im Kontext von Clarkes Rolle als Produzent und Regisseur, was ihn in die Position brachte, bei Castings auch Nacktheit einzufordern und das dann insgeheim zu filmen. Der ausführliche Guardian-Artikel setzt dabei etwa an einer Stelle in Zusammenhang, wie Clarke eine 23-jährige Darstellerin bedrängt habe, für eine Rolle vorzusprechen, nackt Casting-Szenen zu absolvieren unter der schriftlichen Zusage, dass dieses Casting nicht gefilmt würde, und später einer Angestellten seiner Produktionsfirma trotzdem diese Filmszenen zu zeigen mit der Prahlerei, dass er die Aufnahmen insgeheim gemacht habe. Daneben wird summiert, dass Clarke in seinen Filmen als Regisseur oft gewagte, bisweilen als unnötig kritisierte Sex-Szenen hat, bei denen er selbst die männliche Rolle spielt.

    Noel Clarke, zuletzt einer der meistgefeierten Nachwuchsstars der britischen Film-Szene, hat 19 der Anschuldigungen explizit widersprochen und in einem Fall unangemessene Kommentare über das Gesäß einer Darstellerin eingeräumt, für die er sich aber bereits entschuldigt habe.

    Am 10. April hatte die britische Film- und Fernsehakademie BAFTA Clarke für Outstanding British Contribution to Cinema geehrt – The Guardian bezeichnet das als Punkt, der mehrere Frauen ihr Schweigen beenden ließ.

    Die Reaktionen auf das Exposé erfolgten zügig. Die BAFTA erklärte bereits am gestrigen Abend, dass man den genannten Preis aberkenne und Clarkes Mitgliedschaft bis auf Weiteres suspendiere. Allerdings steht auch die BAFTA nun im Zwielicht, da dort wohl schon in den Tagen vor der Preisvergabe Beschwerden über Clarke vorlagen – aber laut BAFTA-Erwiderung anonym und nicht konkret genug, um eine Untersuchung einzuleiten.

    Sky erklärte, dass man nicht mehr mit Clarke zusammenarbeiten werde – was sich auch auf die zuvor bestellte vierte Staffel seiner Serie „Bulletproof“ bezieht. Gleiches erklärte das zuständige Produktionsstudio Vertigo Films. Die amerikanische Produktionsfirma All3Media, bei der Clarke mit seiner eigenen, kleineren Firma Unstoppable Film unter Vertrag ist, wird eine eigene Untersuchung einleiten (sollte Clarke sich im Rahmen der Arbeit bei Unstoppable Film die vorgeworfenen Verhaltensweisen erlaubt haben, muss der Vertragspartner sich natürlich positionieren). Man erklärte, dass man eine Null-Toleranz-Politik bezüglich Machtmissbrauch, Bullying und Belästigung verfolge und die Aufklärung als dringliche Angelegenheit ansehe.

    Zum The-Guardian-Artikel ‚Sexual predator‘: actor Noel Clarke accused of groping, harassment and bullying by 20 women.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am

      Na summa summarum - vorausgesetzt, dass die Behauptungen der Zeitung nicht erstunken und erlogen sind, gibt es dafür ja sowohl Zeugen als auch Sachbeweise. Sofern diese auch stichhaltig sind braucht man keine Vorstellungskraft @SerienFan_92. Dann ist er fällig, sowohl was seine Karriere angeht, als auch strafrechtlich.
      • am

        Schlimm, wie einfach und schnell jemand heutzutage am Pranger steht.


        Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass an den Anschuldigungen etwas dran ist.
        • am

          Also gibt es denn IRGENDEIN Beweis oder Gerichtsurteil oder hat man ihn auf frischer Tat ertappt oder sind das auch nur wieder irgendwelche Anschuldigungen eines Boulevardblattes , quasi die britische BILD, ohne jegliche Beweise wie bei Mockridge oder Kachelmann? Oder will man einen schwarze Person mit solchen Anschuldigungen rausekeln? Rassismus kennt offenbar keine Grenzen.


           Man hätte ihn bis zu einem abschließenden Gerichtsurteil freistellen aber nicht kündigen dürfen, wenn sich die Vorwürfe nämlich in einem späteren Gerichtsverfahren als haltlos rausstellen werden wird es für die die ihn nun rausgeworfen haben aber bitter oder teuer je nachdem ob Noel dann gerichtlich gegen die beteiligten Firmen oder diesem Boulevardblatt das diese Anschuldigungen nun rausgebracht hat.
          • (geb. 1976) am

            "[...] wie Clarke eine 23-jährige Darstellerin bedrängt habe, für eine Rolle
            vorzusprechen, nackt Casting-Szenen zu absolvieren unter der
            schriftlichen Zusage, dass dieses Casting nicht gefilmt würde, und
            später einer Angestellten seiner Produktionsfirma trotzdem diese
            Filmszenen zu zeigen mit der Prahlerei, dass er die Aufnahmen insgeheim
            gemacht habe." - also ganz offenkundig gibt es Filmmaterial.

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