Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist, sagt eine alte Lebensweisheit. Ob das für Klaus J. Behrendt und seinen nun angekündigten Abschied vom „Tatort“ aus Köln der Fall ist, kann vermutlich nur er selbst beurteilen. Es wird jedenfalls ein Abschied auf einem Höhepunkt sein.
Klaus J. Behrendt hat angekündigt, 2027 aus persönlichen Gründen den „Tatort“ zu verlassen, in dem er seit 1997 als Max Ballauf an der Seite von Dietmar Bär als Freddy Schenk zu sehen ist (fernsehserien.de berichtete). 2027 ist er also genau 30 Jahre im Dienst; der WDR hat zudem bestätigt, dass die beiden Ermittler dann auch in ihrem 100. Fall zu sehen sein werden – der Film der Krimireihe wird noch in diesem Jahr gedreht und ist für eine Ausstrahlung im Herbst des nächsten Jahres vorgemerkt. Weiter bestätigte der WDR, dass Bär dem Kölner „Tatort“ auch über diesen 100. Fall hinaus treu bleiben wird.
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Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 100 Fälle in 30 Jahren, das sind rund drei Filme pro Jahr. In Zuschauerbefragungen hat sich das Team „Ballauf & Schenk“ stets auf den Top-Plätzen unter den Ermittlern halten können. Etwa im letzten Jahr kamen die beiden auf Platz 2 der Beliebtheitsliste ins Ziel, alleine übertrumpft von den Münsteranern Thiel (Axel Prahl) und Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) – die dieses Jahr ihren 50. Fall gedreht haben.
Mehr Zeit für die Familie
Behrendt, der in diesem Jahr 66 Jahre alt geworden ist, beleuchtet seinen Schritt in einem ausführlichen Statement:
Die Rolle Max Ballauf hat mich fast die Hälfte meines Lebens begleitet. Als Dietmar Bär und ich 1997 unseren Dienst als ‚Tatort‘-Kommissare in Köln antraten, hatte ich als Max Ballauf bereits acht Fälle als Kommissaranwärter im Düsseldorfer ‚Tatort‘ gedreht. Dass dann noch einmal 100 Fälle folgen würden, war für mich damals unvorstellbar. Mein Entschluss, dieser Rolle pünktlich zum 30-jährigen Dienstjubiläum Lebewohl zu sagen, ist mir nicht leichtgefallen, reift aber schon länger in mir. Mein Ziel waren immer 100 Folgen. Der Produktionsfirma Bavaria Fiction, allen Menschen vor und hinter der Kamera und dem WDR, mit dem mich diese lange Zusammenarbeit verbindet, bin ich sehr dankbar. Ich arbeite, seit ich mit 17 meine Lehre als Bergmechaniker unter Tage gemacht habe, im kommenden Jahr seit insgesamt 50 Jahren. Jetzt freue ich mich darauf, mehr Zeit für mich und meine Familie zu haben. Auch wenn das nicht heißt, dass ich gar nicht mehr vor der Kamera stehen möchte.
„Tatort“ Köln wird mit Freddy Schenk weitergehen
In seiner Mitteilung spricht der WDR davon, dass die beiden Ermittler-Darsteller Behrendt und Bär auch eine persönliche Freundschaft verbindet. Der 65-jährige Bär kommentiert den Abschied seines Serienpartners und damit die anstehenden Veränderungen im „Team Köln“:
Als Klaus J. Behrendt mich damals fragte, ob ich Lust hätte, mit ihm zusammen ab 1997 beim WDR das neue ‚Tatort‘-Team in Köln zu werden, hat wohl keiner von uns beiden eine Sekunde daran gedacht, dass wir im Jahr 2026 werden überlegen müssen, wie es denn weitergehen könnte. Nach 100 Folgen!! Nach fast 30 Jahren konstantem Erfolg und – fast – immer gutem Echo und Zuspruch unserer Zuschauer. Nach fast 30 Jahren immer noch das Vertrauen des Senders in unsere Zusammenarbeit zu haben und dazu das Angebot, diese gerne zu verlängern. Klaus und ich haben uns darüber intensiv ausgetauscht; seine Entscheidung, nach Folge 100 auszusteigen und einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen, habe ich natürlich schweren Herzens zu akzeptieren. Ich und unser Kölner Team haben noch Lust, weiterzumachen. Also: Let’s go!
Für den WDR kommt ein Statement von Intendantin Dr. Katrin Vernau:
Auch wenn es bis zum Abschied noch etwas hin ist: Im Namen unseres Publikums und des ganzen Teams danke ich Klaus J. Behrendt schon jetzt sehr herzlich für seinen langen und intensiven ‚Tatort‘-Einsatz. Er spielt seine Rolle als Max Ballauf mit großer Authentizität und emotionaler Tiefe, wirkt dadurch besonders menschlich und nahbar. Gemeinsam mit den vielen Kolleginnen und Kollegen lenkt der Kölner ‚Tatort‘ immer wieder den Blick auf gesellschaftliche Problemlagen und aktuelle Herausforderungen in der Region. Auch wenn uns Max Ballauf an der Seite von Freddy Schenk sehr fehlen wird: Dass Dietmar Bär weitermacht und den ‚Tatort‘-Fans erhalten bleiben wird, freut mich natürlich.
Für das „Tatort“-Team Ballauf & Schenk gab es auch diverse Auszeichnungen, etwa für die Folge „Bildersturm“ (Folge 388) aus dem Jahr 1998 eine Nominierung für den Grimme-Preis. Und Gastdarstellerin Anna Thalbach wurde für ihre Darstellung mit dem Deutschen Fernsehpreis 2001 als „Beste Schauspielerin in einer Nebenrolle“ ausgezeichnet.
Im Jahr 1998 sorgte zudem der vielbeachtete, sozialkritische „Tatort: Manila“ (Folge 383) zum Thema Kinderhandel und Sextourismus (auf den Philippinen) dafür, dass der Kölner Hilfsverein „Tatort – Straßen der Welt e. V.“ durch das „Tatort“-Team (Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär und Joe Bausch) zum Schutz für die Straßenkinder in Manila ins Leben gerufen wurde.
Er wird mir als Kölnerin und Zuschauerin sehr fehlen, aber ich wünsche ihm tolle Begegnungen, spannende Herausforderungen und besonders Gesundheit. Eine wunderschöne Zeit mit seiner Familie und Freunden Alles Liebe, Herr Kommissar ❤