„Mangelhaft“: Konzept zum Jugendkanal steht im Netz

    Ministerpräsidenten waren „regelrecht geschockt“

    Michael Brandes – 12.03.2014, 15:04 Uhr

    "Mangelhaft": Konzept zum Jugendkanal steht im Netz – Ministerpräsidenten waren "regelrecht geschockt" – Bild: ARD/ZDF

    An diesem Donnerstag berät die Rundfunkkommission der Länder über den geplanten Jugendkanal von ARD und ZDF. Im vergangenen Herbst war ein erster Entwurf am Widerstand einiger Bundesländer gescheitert. Beide Sender wurden aufgefordert, die Antworten auf einige offene Fragen nachzureichen. Laut Medienberichten der vergangenen Tage soll jedoch auch das ergänzende Papier wenig dazu beigetragen haben, das als zu dünn und schwammig empfundene Konzept aufzuhübschen (fernsehserien.de berichtete).

    Von den öffentlich-rechtlichen Überlegungen zu einem gemeinsam betriebenen Jugendkanal kann sich nun jeder Zuschauer selbst ein Bild machen. Die internen Papiere wurden über Newsroom.de vollständig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

    Die Ministerpräsidenten waren „regelrecht geschockt, als sie die dürftigen und konzeptionsschwachen Papiere für einen Jugendkanal zur Kenntnis nehmen mussten“, meldet das Nachrichtenportal. So soll auch das zweite, nachgereichte Papier „von allen Beteiligten als ‚mangelhaft‘ bewertet“ worden sein.

    Das ursprüngliche Konzept wirkt tatsächlich so, als sei es binnen zwei Tagen mit Hilfe einer Ansammlung von Phrasen notdürftig zusammengestrickt worden. Was die Finanzen betrifft, werden jene Zahlen bestätigt, die bereits in den Medien kursieren: 45 Millionen Euro sollen pro Jahr investiert werden. Die Summe ergibt sich aus der geplanten Streichung der Kanäle EinsPlus, Einsfestival und ZDFkultur.

    Der Programmbereich soll sich am breiten Mainstream-Geschmack der Zielgruppe orientieren, den die Sender anhand bunt zusammengewürfelter Studienergebnisse zu kennen glauben. So werden beispielsweise konkret die fünf „Lieblingsthemen“ der unter 30-Jährigen definiert: „Freundschaft/Liebe“, „Musik“, „Ausbildung/Beruf“, „Internet“ und „was in der Welt geschieht“.

    Zielgruppen-Forscher Thomas Wind kritisiert auf Newsroom den Versuch der Sender, die so vielfältigen Ansichten und Interessen junger Menschen zu einer homogen Gesamtheit unter dem Etikett ‚Digital Natives‘ zu bündeln. „Die Unter-30-Jährigen als Digitals Natives zu charakterisieren, ist mittlerweile trivial, handelt es sich doch um die erste Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist“, so Wind, der im gleichen Atemzug auch das geplante Programm kritisiert: „Die wenig differenzierte Betrachtung der 14- bis 29-Jährigen schlägt sich notwendigerweise in den konkreten Programmideen nieder“.

    Das „Modell-Schema“ der Sender wirkt dann auch recht lapidar: Der Nachmittag beginnt um 16.00 Uhr mit einer interaktiven Liveshow rund um Lifestyle- und aktuelle Tagesthemen. Um 18.00 Uhr folgen unterhaltsame Dokus „auf Augenhöhe“ der Zielgruppe, die „auf leichte, aber dennoch nicht oberflächliche Art die Lebenswelt der 14- bis 29-Jährigen“ zeigen. Für 18.45 Uhr ist ein interaktives News-Format geplant – mit „Content wie Bewegtbild, Fotos und Social-Media-Beiträge“. Weiter geht es um 18.55 Uhr mit „leichter Fiktion“ und Zeichentrickserien. Denn, so heißt es im Konzeptpapier: „Die sogenannten ‚Toons‘ sind in der Zielgruppe sehr beliebt.“ Für 19.45 Uhr sind Doku-Soaps wie „Die Backpacker“ vorgesehen.

    Werktags um 20.15 Uhr sollen aus Kostengründen Programme „aus dem zielgruppenaffinen Bestand von ARD und ZDF“ laufen. (Also vermutlich: Krimi-Wiederholungen wie auf ZDFneo.) Ab 21.45 Uhr folgt eine eingekaufte Serie, die „für Gesprächswert und Imagegewinn sorgen“ soll. „Humor trifft Journalismus“ ist um 22.15 Uhr das Motto einer interaktiven „Latenight-Info-Show“ vor Publikum.

    Für den Samstagnachmittag ist eine KiKA-Programmstrecke geplant. Am Samstagabend sollen Festivals wie Rock am Ring und Wacken übertragen werden, aber auch Events wie die Fashion Week in Berlin oder die GamesCom. Sonntags um 20.15 Uhr laufen „junge Dokumentationen“, beispielsweise die ZDF-Reihe „37 Grad“.

    Populäre US-Serien und aktuelle Hollywood-Blockbuster werden für den Jugendkanal aus finanziellen Gründen nicht eingeplant. Fiktionale Eigenproduktionen sind auf längere Sicht „angedacht“, ebenso die Ausstrahlung englischsprachiger Programme im Originalton. Comedy wird als „ein wichtiges Unterhaltungsgenre junger Leute“ eingestuft. Weil kein Budget für US-Sitcoms vorhanden ist, setzt der Kanal auf Studio- und Bühnenprogramme und dient vorwiegend als „Nachwuchsbühne und Plattform für neue Talente“.

    Den Ministerpräsidenten wurde das Konzept im vergangenen Oktober vorgelegt. Zweifel herrschen, ob die geplanten 45 Millionen Euro pro Jahr ausreichen, um den geplanten Sender wettbewerbsfähig zu machen. Zudem zeigten sich die Regierungschefs wenig beeindruckt von den zusammengewürfelten Marktanalysen, auf denen das Konzept basiert. So wurden die Sender aufgefordert, eine Art „Jugendbeirat“ in das Konzept zu integrieren, „dessen Mitglieder sich aus Personen der Zielgruppe“ rekrutieren. Sie sollen die inhaltliche Entwicklung mitgestalten.

    Diese Forderung wollen ARD und ZDF nun mit Hilfe ausufernder Umfragen erfüllen: „Regelmäßig sollen zunächst 500 junge Menschen elektronisch befragt werden, in der weiteren Entwicklung bis zu 1.000. Die Auswahl soll einen Querschnitt der angesprochenen Zielgruppe, etwa nach Alter, Geschlecht, familiären Hintergründen, Ausbildungsarten etc. widerspiegeln.“

    „ARD und ZDF steuern voraussichtlich auf ihr bislang größtes konzeptionelles Desaster zu“, mutmaßt Newsroom mit Blick auf die anstehenden Beratungen der Rundfunkkommission. Dass die Medienpolitiker das Konzept im zweiten Anlauf durchwinken, glaubt kaum jemand. Nach Informationen der Allgemeinen Zeitung aus Mainz soll der Jugendkanal nun vor dem Aus stehen, da die Ministerpräsidenten von Hessen, Sachsen und Bayern ihre ablehnende Haltung nicht geändert hätten. Denkbar ist allerdings auch, dass ARD und ZDF erneut nachsitzen müssen und die Zukunft des Jugendkanals somit weiter in den Sternen steht.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • (geb. 1979) am melden

      Langsam aber sicher wird es an der Zeit bei der ARD den Rotstift anzusetzen. Ich bin nicht mehr bereit soviel Kohle für die ARD abzudrücken.
      Der Sender gibt viel zu viel Geld aus für "Unnötiges".
      Ich mag Günther Jauch wirklich gern, aber es gibt wohl hunderte von Personen die eine Talkshow am Sonntag genauso gut präsentieren könnten.
      Das würde unglaulich viel Geld einsparen.
      Außerdem sollte die ARD mal den Talk nicht nach einem TATORT zeigen, dann würde sich zeigen wie viele Zuschauer wirklich Interresse haben und einschalten.
      Zudem stellt sich hier die Frage : Was kostest wohl diese riesige Halle. Ich denke dort zu produzieren ist wohl eine unglaublichen Kosten.
      Hinzu kommen meiner Meinung nach, einfach zu viele Programme die die ARD unterhält.
      Wieso kann man denn nicht für jede Himmelsrichtung ein Drittes Programm haben.????
      Norden- NDR - produziert einige Serien und Sendungen für die ARD
      Osten - MDR- Hauptsender für den Osten
      Süden- Bayr. Fernsehen- ebenfalls großer Produzent
      Westen -WDR- der größte aller Produzenten
      Hessen sollte weg- bringt nicht Neues, nur Wiederholungen kaum Produzent
      aber die Kosten für das Personal und Sendungen müssen ja trotzdem bezahlt werden
      SWR/SR . auch nicht mehr von großer Wichtigkeit. Alle Lichtjahre Neues.
      Das würde mal richtig an den immensen Kosten sparen.
      Außerdem würde ich mal BR- Alpha einstellen, dessen Programm nur als Müllhalde der oben genannten Sender dient. Die Sendungen laufen auf allen dritten Programmen sowieso.
      Also dieser Sender ist Geldverschwendung.
      3SAT und ARTE könnte man zusammenlegen. Thematisch unterscheiden Sie sich nur in den wenigen Nachrichten und Magazine aus Frankreich. Die allerdings nicht wirklich hervorstechen.
      ZDF Info der Kriegskanal - einstellen
      Aber man sollte vor allem am Geld für die Moderatoren sparen, die wohl immens hoch sind.
      Pilawa hat mich Sicherheit mehr Geld als beim ZDF bekommen, sonst hätte er niemals gewechselt.
      Es gibt bei der ARD einfach zu viele Sender.
      Im Jahr 2014 sollte man dieses Konzept mal überdenken.
      Es ist einfach nicht mehr zeitgemäß.
      Genauso könnte man auch an den Radiosendern sparen.
      Brauchen wir wirklich aus jeder Himmelsrichtung (z. b. Nr. 1.2.3.4.5) plus evtl Ableger davon??
      Ich denke nicht.
      Bitte einmal darüber nachdenken liebe ARD.
      Euer Modell muss meiner Meinung nach gründlich überdacht werden.
      Grüße
      Nick
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      • (geb. 1963) am melden

        @Kellerkind: "arrte" ist k e i n Rentnerprogramm, sondern einer der wenigen TV-Sender mit Anspruch u n d Niveau!!
        Vielleicht bist Du ja auch so einer, der glaubt, der ewig(!!) 25 bleibt und nie älter wird.
        Tja, dann bleibt nur für dich das Unterschichten-Fernsehen über...
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        • am via tvforen.demelden

          Ob die heutige Jugend sowas noch braucht? Die phlegmatischen Jugendlichen bleiben bei Scripted-Reality-Shows kleben und die pfiffigen haben sich schon längst andere Bezugsquellen gesucht.
          • am via tvforen.demelden

            Wenn man täglich ein paar Stunden angebliches und billiges Jugendfernsehen macht, kann man ja auf allen anderen Kanälen weiter für die Kukident-Generation produzieren.
            • am via tvforen.demelden

              Genau. arte dieses alte Rentnerprogramm...
            • am via tvforen.demelden

              Arte ist die einzige Ausnahme.
          • (geb. 1979) am melden

            Unabhängig vom Inhalt des neuen Jugendkanals, aber ich frage mich schon seit Jahren:
            Was zum Teufel haben Politiker bei solchen Entscheidungen verloren. ????
            Raus mit denen aus dem Rundfunkbeirat. Die sollen die Länder bzw. das Land führen und keine Fernsehsender .
            Lasst die Sender selbst entscheiden und kümmert euch um euren.....
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            • am via tvforen.demelden

              Na Gott sei Dank! Wenigstens bleibt uns da noch die Hoffnung das zdf kultur weiterhin besteht, jetzt wo der Rahmen weg ist.

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