[UPDATE] Kabarettist Ludger Stratmann ist tot

    73-jähriges Ruhrpott-Urgestein erlitt Herzinfarkt

    Dennis Braun
    Dennis Braun – 26.08.2021, 11:31 Uhr

    Ludger Stratmann (1948 – 2021) – Bild: WDR/Dirk Borm
    Ludger Stratmann (1948 – 2021)

    Als Arzt und Kabarettist war der Bottroper Ludger Stratmann eine echte Ruhrpott-Ikone, der neben seinen Bühnenprogrammen vor allem mit der WDR-Sendung „Stratmanns – Jupps Kneipentheater im Pott“ deutschlandweit bekannt wurde. Am gestrigen Mittwoch (25. August) ist er im Alter von 73 Jahren plötzlich und unerwartet an einem Herzinfarkt gestorben, wie engste Familienangehörige dem WDR bestätigten.

    Ludger Stratmann wurde am 23. Juli 1948 als zweitjüngstes von neun Kindern im ostwestfälischen Verl geboren. Als er zehn Jahre alt war, zog die Familie nach Essen, wo er verschiedene Schulen besuchte, anschließend die Handelsschule und eine Lehre bei der Sparkasse absolvierte. Nachdem er am bischöflichen Abendgymnasium in Essen das Abitur nachgeholt hatte, studierte er Humanmedizin in Bochum und Essen. In dieser Zeit unternahm er auch erste kabarettistische Versuche.

    Seine erste Station nach Abschluss des Studiums war das Marienhospital Gelsenkirchen, wo er als Assistenzarzt arbeitete. 1985 promovierte Stratmann an der Ruhr-Universität Bochum, danach ließ er sich in Bottrop mit einer Praxis für Allgemeinmedizin nieder. 1998 entschied er sich, den Arztberuf aufzugeben und sich ausschließlich auf seine Bühnentätigkeit zu konzentrieren.

    Bereits im Jahr 1994 eröffnete er zusammen mit seinem Bruder Christian das Stratmanns Theater Europahaus im Essener Amerikahaus, welches er in eine Kleinkunstbühne verwandelte, die jahrelang das Zuhause für seine Bühnenprogramme und TV-Formate wurde. Ab Juli 1995 trat er unter dem Titel Doktor Stratmanns – Heiteres Medizinisches Kabarett als Kabarettist auf. Etwa alle zwei Jahre folgte ein neues Programm, insgesamt wurden bis 2007 ca. 1,2 Millionen Besucher in seinem Theater sowie auf Bühnen von Flensburg bis München gezählt. Damit gehörte er zu den erfolgreichsten Kabarettisten und Livekomikern Deutschlands.

    Stratmanns Paraderolle war zunächst der Hypochonder, Bühnenarbeiter und Kleingartenpräsident Josef Kwiatkowski, genannt „Jupp“, der über Krankheitsverläufe pseudowissenschaftlich referiert und amüsante Milieubeschreibungen abliefert, wobei er sich an seinem Arbeitsplatz, im Wartezimmer oder dem Krankenbett befindet. Eine Figur gleichen Namens stellte er erstmals zwischen 1997 und 2000 in der WDR-Talkshow „mittwochs mit…“ dar – hier handelte es sich allerdings um einen Kneipenwirt aus dem Kohlenpott, der sich am Ende jeder Ausgabe mit dem Gast an der Theke unterhielt.

    Ein Jahr später entstand daraus seine eigene Comedysendung „Stratmanns – Jupps Kneipentheater im Pott“, die erstmals am 20. September 2001 im WDR zu sehen war und bis 2016 rund 150 mal ausgestrahlt wurde. Neben klassischen Stand-up-Auftritten wechselnder Künstler zeichneten die Sendung vor allem die Kneipengespräche der Stammgäste an der Bar aus: Richard Rogler als der Nörgelkopp Richard, Gregor Mönter als Herr Trost, Dagmar Schönleber als Frau Schochz, Andreas Etienne als Köbes, Beate Abraham als Mutter Schagalla, Daniela Lebang als Tamara Schmitz, Matthias Kress als Egon Häberle und Michael Müller als Herr Borowiek. Viele Jahre war auch Hund Püppi Teil des Ensembles, bis dieser 2011 verstarb. Seit 2006 gab es zusätzlich eine traditionelle Silvesterausgabe.

    Auf dem Zenit seines Erfolgs war Stratmann auch in vielen anderen Sendungen zu sehen, darunter als Gast bei den „Mitternachtsspitzen“, „7 Tage, 7 Köpfe“, „Ottis Schlachthof“, in diversen Talkshows sowie zweimal bei „Zimmer frei!“. Von 2011 bis 2014 produzierte der WDR zudem die Doku-Reihe „Stratmann wandert“, in der er zusammen mit seinem Dackel Fidel den Zuschauern die schönsten Gegenden Nordrhein-Westfalens vorstellte. 2016, nach dem Ende von „Stratmanns“, zog er sich aus gesundheitlichen Gründen langsam von der Bühne zurück und übergab seinem Sohn das Stratmanns Theater als alleinigem Geschäftsführer und Inhaber.

    Markenzeichen von Ludger Stratmann war, dass er sich stets humor-, aber auch immer respektvoll mit den Menschen des Ruhrgebiets, deren Eigenheiten und Sprache auseinandersetzte, die es ihm angetan hatte. Insbesondere in der Figur des Jupp nutzte er dabei wiederholt den tatsächlichen oder vermeintlichen Dialekt und Soziolekt („Doktor, ich hab Knie!“), unter anderem mit Verzicht auf den Genitiv und Problemen mit dem Dativ.

    Auch ehrenamtlich war er aktiv: So war er bis zuletzt Botschafter der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel und unterstützte viele Jahre lang die „Solidarfonds-Stiftung NRW“, die schul- und bildungspolitische Projekte vor allem für junge Menschen fördert, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Für sein Engagement wurde ihm 2017 der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen verliehen.

    WDR-Intendant Tom Buhrow würdigte den beliebten Arzt und Kabarettisten: Ludger Stratmann ist eine Ruhrgebietsikone – mit seinem originellen Kabarett hat er uns als Gastgeber im Herzen des Reviers erfolgreich und unnachahmlich Ruhrgebietstöne nahegebracht – auch weit über die Landesgrenzen hinaus. Wir sind im WDR sehr traurig und bestürzt über seinen plötzlichen Tod, unser ganzes Mitgefühl gilt seiner Familie. Er hinterlässt seine Frau Brigitte, mit der er seit 1971 verheiratet war, seine zwei erwachsenen Kinder und seinen Bruder Christian.

    UPDATE: Für den kommenden Freitag- und Samstagabend (27. und 28. August) hat der WDR Programmänderungen angekündigt, um das Lebenswerk von Ludger Stratmann zu würdigen.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am via tvforen.de

      "Stratmanns" hat mir immer gut gefallen.
      • am via tvforen.de

        Auch dieser Tod ging mir nahe , auch er hatte noch kein Alter zum sterben . Seine Sendung habe ich immer gerne gesehen.

        "Er war ein echter Potti:". Dieser Satz, den ich über ihn gelesen habe , ist sicherlich genau das was ihn freuen würde.



        Gruß

        Sir Hilary
    • am via tvforen.de

      Oh, ihr kennt Ludgar gar nicht?! Vermutlich ist er außerhalb von NRW kaum in Erscheinung getreten.
      • am via tvforen.de

        Ups, soll schnell geht das mit dem Tod?!

        Wenngleich Stratmann hier aus Ostwestfalen kommt, finde ich ihn - etwa im Gegensatz zu Rüdiger Hoffmann - nur mäßig lustig. Es mag aber sein, dass ich mich mit medizinisches Kabarett schwertue, ich bin nämlich nicht einmal als Hobbymediziner geeignet. Wie geht es euch dabei?

        Und ist er eigentlich der erste Spaßvogel mit medizinischen Themen, gefolgt von von Hirschhausen, für den ich mich übrigens ebenfalls nicht wirklich begeistern kann? Mir fällt da gerade kein Vorgänger ein, gut, Günter Willumeit war Zahnarzt, aber der hat das ja nicht als Thema auf die Bühne gebracht.

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