ITV bestellt Vierteiler „The Great Fire of London“

    Journalist Tom Bradby schreibt Drehbuch

    Stefan Genrich – 29.04.2013, 09:03 Uhr

    Der Große Brand von London im Bild eines unbekannten holländischen Malers

    Der Große Brand von London mit seinen grausigen Schicksalen ist bis heute im nationalen Gedächtnis der Briten eingemeißelt. Jetzt erweckt ITV die dramatischen Ereignisse des Jahres 1666 im Fernsehen zum Leben: Der Privatsender hat einen Vierteiler „The Great Fire of London“ bestellt und lässt Politikredakteur Tom Bradby aus dem eigenen Haus das Drehbuch schreiben.

    In der TV-Version treffen historische Helden, Versager und Leidtragende auf erfundene originelle Charaktere in der Katastrophe, die damals die größte Stadt des 17. Jahrhunderts beinahe vollständig zerstörte: Neben der alten St. Paul’s Cathedral und fast 90 weiteren Kirchen fielen die alte Börse ‚Royal Exchange‘, drei Stadttore, der deutsche Stalhof der Hansekaufleute sowie geschätzte 80 Prozent aller Wohnhäuser den Flammen zum Opfer. Laut Aufzeichnungen kamen dabei wie durch ein Wunder nur weniger als zehn Menschen um, aber die Zahlen gelten heute als außerordentlich geschönt. Unbestritten ist hingegen, dass über 100.000 Einwohner Londons ihr Heim verloren.

    Also steht Drehbuchautor Tom Bradby genügend dramatisches Potenzial zur Verfügung. Allerdings kann er nicht auf eine eigene Vorlage zugreifen, denn seine historischen Romane wie „Die Toten von St. Petersburg“ sind näher der Gegenwart angesiedelt. Über eine schreckliche Seuche wenige Monate vor dem Brand schrieb Daniel Defoe, der Erfinder von „Robinson Crusoe“, 1722 den packenden fiktiven Bericht „A journal of the plague year“. Dagegen existiert kein vergleichbares literarisches Werk über die folgende Feuersbrunst. Der Moderator der halbstündigen politischen Talkshow „The Agenda“ muss also ausgiebig recherchieren, wie er es in seinem Beruf gewohnt ist.

    Tom Bradby; Bild: ITV
    ITV vertraut dem erfahrenen Journalisten, dass er die Aufgabe meistert. Er hat in seiner Karriere unterschiedlichste Jobs erledigt – darunter als Irland-Korrespondent die Begleitung des Friedensprozesses mit der IRA Mitte der Neunziger Jahre sowie das erste Interview zur königlichen Verlobung seines Freundes Prinz William mit der jetzigen Catherine, Duchess of Cambridge. Ihm zur Seite stehen die Executive Producers Douglas Rae und Lucy Bedford im Auftrag der Produktionsgesellschaft Ecosse Films: Douglas Rae kann durchaus eine lange Erfolgsserie mit etwa „Monarch of the Glen“ vorweisen, ging aber trotz Starbesetzung mit der Miniserie „Camelot“ mehr oder weniger baden. Bei seinem Hit „Mistresses – Aus Lust und Leidenschaft“ arbeitete er eng mit der wesentlich jüngeren Lucy Bedford zusammen, was sich nun erneut bewähren soll.

    Anders als etwa „Das Adlon. Eine Familiensaga“ aus deutschen Landen werden sich die vier Episoden über den Großen Brand von London weniger auf eine relativ kleine Personengruppe konzentrieren, sondern die ganze Spannbreite zwischen Arm und Reich abbilden. So lastet wohl bis in alle Ewigkeit die Schande auf dem Bäcker Thomas Farriner, dass in seiner Backstube das Feuer ausbrach. Hingegen bewährt sich Staatssekretär Samuel Pepys trotz früherer Korruption, zumal er in einem geheimen Tagebuch einen unverfälschten Blick auf den damaligen Alltag wirft. König Charles II. steuert die Maßnahmen zur Brandbekämpfung. Später wird der französische Uhrmacher Robert Hubert zum Tode verurteilt und aufgehängt, weil die Katholiken schuldig an der Tragödie seien und er als angeblicher Agent des Papstes das Feuer verursacht habe. Rund um den Brand blühen verbotene Liebe, Betrug, Verzweiflung – und aus der Asche steigt ein völlig verändertes London.

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