Sabine Zimmermann: „Ich bin richtig stolz auf meinen Vater!“

    Ein Gespräch zum 50. Jubiläum von „Aktenzeichen XY“

    Ralf Döbele
    Ralf Döbele – 25.10.2017, 08:00 Uhr

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    Sabine Zimmermann war 14 Jahre lang Co-Moderatorin bei „Aktenzeichen XY“, zehn davon an der Seite ihres VatersZDF / Hermann Roth

    „Zunächst aber weiter mit dem Rückblick. Bitte, Sabine!“

    Fast 30 Jahre ist er her, seitdem Sabine Zimmermann erstmals in „Aktenzeichen XY…ungelöst“ die Personenfahndungen präsentierte. In der 200. Sendung vom November 1987 stellte Eduard Zimmermann seine neue Kollegin gewohnt trocken, aber nicht ohne Stolz vor: „Familiennamen kann ich mir sparen, sie ist nämlich meine Tochter“.

    14 Jahre lang blieb Sabine Zimmermann „XY“ vor der Kamera treu, moderierte auch gemeinsam mit Butz Peters, bis Rudi Cerne Anfang 2002 die Sendung übernahm. Zeitgleich präsentierte sie im ZDF „Vorsicht, Falle!“ und produzierte mit ihrer eigenen Firma Crime TV die Sat.1-Sendungen „K – Verbrechen im Fadenkreuz“ und „Verbrechen, die Geschichte machten“. Als jahrelange Produktionsleiterin hinter den Kulissen von „Aktenzeichen XY“ legte sie zudem das Fundament für den zweiten Frühling des Fahndungsklassikers, der im ZDF am heutigen Mittwoch seinen 50. Geburtstag feiert.

    Am Rande der Verleihung des „XY-Preises“ für Zivilcourage in Berlin sprach fernsehserien.de-Redakteur Ralf Döbele mit Sabine Zimmermann über ihre Zeit als Polizeifotografin, die schrittweise Modernisierung von „Aktenzeichen XY“ und darüber, warum sie ihr Vater einmal kurz vor der Sendung am liebsten wieder nach Hause geschickt hätte.

    fernsehserien.de: Liebe Frau Zimmermann, wie geht’s Ihrem Garten auf Mallorca?

    Sabine Zimmermann: Er vermisst mich und braucht jetzt eine Winterbepflanzung. Aber ja, ich pendle weiterhin zwischen München und Mallorca hin und her und ich freue mich gerade sehr über die Herbstsonne in Berlin und München.

    In München haben Sie ab Mitte der 70er Jahre auch als Polizeifotografin gearbeitet. Stimmt es, dass der Job ursprünglich nur für männliche Bewerber ausgeschrieben war?

    Sabine Zimmermann: Ganz genau. Ich kam eigentlich aus der Werbung, aber meine Agentur hat damals zugemacht, also suchte ich einen neuen Job. Die Polizei hat nur männliche Bewerber als Fotografen gesucht, aber ich bin da einfach hingegangen. Ich muss so lachen, noch mit der Vorstellungsmappe! Das hat die natürlich überhaupt nicht interessiert. Und dann wurde mir gesagt: „Nee, nee, also Frauen nicht. Da arbeiten nur Männer und man sieht Leichen…“ Ich sagte ihm dann, dass ich Männer kenne und dass mir in meiner Zeit beim Roten Kreuz schon viele Leichen begegnet sind. Dabei hatte ich bis dato noch keine Einzige gesehen. Ich glaube, ich hab den armen Kerl so dumm und dämlich geredet, dass er nur ja gesagt hat, um mich los zu sein. Ja und dann begann meine Karriere als Polizeifotografin.

    Sabine Zimmermann als Statistin in einem Filmfall (o.) und an ihrem gewohnten Platz im „XY“-Studio Anfang der 90er Jahre (u.)YouTube / Screenshot
    Sicher kein einfacher Job, aber wohl auch ein guter, Sie haben ihn schließlich mehrere Jahre lang gemacht.

    Sabine Zimmermann: Sieben Jahre. Also, im ersten Jahr wollte ich wirklich aufgeben, was auch daran lag, dass es damals tatsächlich noch kaum Frauen bei der Polizei gab. Das war sehr hart. Man macht ja auch selbst Fehler und ich ging da ein bisschen blauäugig rein. Dann hab ich mich mir aber vorgenommen, da musst du dich jetzt durchbeißen! Und dann sind sieben Jahre draus geworden und ich möchte nicht ein einziges davon missen.

    Noch bevor Sie als Moderatorin vor die Kamera traten, waren Sie auch bereits als Regieassistentin bei „Aktenzeichen XY“ mit dabei und sogar als Statistin…

    Sabine Zimmermann: Ich glaube, ich hab einmal als Sekretärin die Tür aufgemacht (lacht). Ja, in der Firma hab ich eigentlich alles durchlaufen: Filmgeschäftsführung, Regieassistentin, dann Assistentin bei meinem Vater und so ist eigentlich auch die Moderation entstanden. Mein Vater suchte für Irene Campregher eine Nachfolgerin und da hat der Regisseur Kurt Grimm gesagt: „Wie wär’s denn mit deiner Tochter?“ Dann haben wir Probeaufnahmen gemacht und ich hab mir eigentlich überhaupt nichts dabei gedacht. Es waren dann schließlich 14 Jahre, aber ich muss auch ganz ehrlich sagen, ich bin froh, dass ich’s nicht mehr mache.

    Tatsächlich?

    Sabine Zimmermann: Ja, schon. Ich kann zwar ganz gut reden. Aber so vor der Kamera, das ist eigentlich nicht mein Ding.

    Lesen Sie auf der nächsten Seite, weshalb die knalligen Kostüme von Sabine Zimmermann zu Auseinandersetzungen mit ihrem Vater führten, und was sie als neue Produktionsleiterin bei „XY“ verändern wollte.

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