fernsehserien.de:Die Ballermann-Musik erlebt seit einigen Jahren einen großen Boom und ist immer erfolgreicher geworden. Gleichzeitig polarisiert sie sehr und es gibt viele Menschen, die damit gar nichts anfangen können und eine regelrechte Abneigung dagegen empfinden. Was sagst du Leuten, die behaupten, Partyschlager sei minderwertig oder keine richtige Musik?
Isi Glück: Dafür habe ich Verständnis. Aber ich sage immer: Die, denen es nicht gefällt, müssen es sich ja nicht anhören. Sie sollten aber trotzdem respektieren, dass wir unsere Daseinsberechtigung haben, weil wir sehr viele Menschen damit bewegen und glücklich machen. Mehrere tausend Partyfreunde reisen dafür jedes Jahr nach Mallorca oder zu großen Festivals in Deutschland. Wem die Musik nicht gefällt, dem will ich sie auch nicht aufdrängen, denn ich muss niemanden überzeugen.
Viele Menschen haben auch bestimmte Klischees im Kopf. Welche Vorurteile über die Partyschlager-Szene stören dich besonders?
Isi Glück: Was immer wieder kommt, ist: „Das ist ja nur Playback.“ Aber wer schon mal bei einem Auftritt von mir war, weiß: Ja, der Song läuft im Hintergrund, aber es wird immer live drüber gesungen. Wir bewegen nicht einfach nur die Lippen, sondern singen schon alle sehr laut und deutlich drüber. Ich glaube, das hört man auch. Ein anderes Klischee ist die Behauptung: „Das kann ja jeder.“ Das finde ich auch sehr lustig, weil wir jedes Jahr wirklich viele Leute haben, die scheitern. Es kommen inzwischen auch einige Reality-TV-Teilnehmer, die eine gewisse Reichweite haben und denken, dass sie sich jetzt auch auf die Bühne stellen können. Dann merken sie aber doch sehr schnell, dass es nicht reicht, einfach bekannt zu sein, sondern dass man das schon können oder fühlen muss, was man auf der Bühne macht.
Es ist definitiv eine Kunst, das Publikum mitzureißen. „Das sind ja nur Besoffene, die automatisch jeden feiern, der auf der Bühne steht“ ist ein anderes Vorurteil. Aber wer schon mal dabei war, wie jemand scheitert, der weiß, dass auch das nicht stimmt.
Isi Glück: Oh ja, das kann dann auch ganz schnell das härteste Publikum überhaupt werden. Wenn du ausgebuht wirst, dann lernst du die andere Seite kennen.
Als du angefangen hast, war die Ballermann- und Partyszene noch sehr männerdominiert. Es gab wenig Frauen in dem Genre. War es für dich am Anfang schwer, dort Anerkennung und Respekt zu bekommen?
Isi Glück: Ja, tatsächlich. 2017, als ich angefangen habe, gab es wirklich fast nur männliche Künstler. Damals waren die Reaktionen noch: „Hä? Sowas kannst du doch als Frau nicht machen.“ Deshalb war es einerseits schwierig, weil man als Frau dann erstmal nicht ernstgenommen wurde und es wirklich schwer war, auf der Bühne zu bestehen. Auf der anderen Seite hat es eben auch polarisiert und für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Das hat sich inzwischen komplett geändert. Wenn heute Mädels sagen, sie wollen am Ballermann singen, heißt es einfach: „Okay, eine mehr. Dann probier mal.“
Gab es denn aus deinem privaten Umfeld anfangs Leute, die dir davon abgeraten haben, Ballermann-Sängerin zu werden, weil es vielleicht schlecht für dein Image sein könnte?
Isi Glück: Ja, eigentlich alle, außer meinen Eltern und meinem Bruder. Die standen immer hinter mir. Aber ansonsten hat das erstmal keiner ernst genommen. Gelacht haben sie alle – und jetzt wollen sie alle VIP-Tickets haben [lacht]!
Isi Glück Summerfield Booking GmbH
Würdest du sagen, dass du generell bzw. vor allem früher von Menschen oft unterschätzt wurdest?
Isi Glück: Immer, auch heute noch. Aber das finde ich eigentlich ganz gut. Denn wenn man dann zeigt, dass man doch gar nicht so blöd ist, überrascht man die Leute. Und deren Gesichter sind dann auch goldwert.
Inzwischen gibt es viele andere Frauen, die auch Partyschlager machen. Betrachtest du das als Konkurrenz?
Isi Glück: Nee, also Frenzy und ich zum Beispiel sind mittlerweile richtig dicke Freundinnen. Sie singt im Bierkönig, ich im Megapark. Und zwischen uns herrscht absolut kein Konkurrenzgefühl. Wir wünschen der jeweils anderen – ich glaube, das beruht auf Gegenseitigkeit – wirklich nur das Allerbeste. Ich finde es toll, wenn Frauen sich unterstützen und supporten. Es muss ja nicht immer nur „die Eine“ geben am Ballermann. Ich glaube, es ist der bessere Weg, wenn man einfach zusammen Spaß hat.
Viele Künstler haben schon teilweise mehrfach ihre Plattenfirma gewechselt. Du hingegen bist Summerfield Records jetzt schon seit 2018 treu. Welche Bedeutung hat das Team hinter dir für dich?
Isi Glück: Mir bedeutet es viel, dass man ein festes Team um sich herum hat und sich da gegenseitig auch loyal in jeder Situation verhält. Ich weiß, dass ich mich auf meine Leute immer zu 100 Prozent verlassen kann und die sich auch auf mich. Wir sind immer im engen Austausch. Ich habe lieber Leute um mich herum, die mich von Anfang an schon begleitet haben, anstatt jetzt, wo es vielleicht gerade größer wird, neue Leute in mein Team reinzulassen. Ich vertraue da auch nicht so schnell. Bei meinem Team von Summerfield weiß ich einfach, woran ich bin. Die kümmern sich sehr gut um mich. Ich bin da immer happy. Deswegen ist das für mich einfach eine tolle Sache, dass wir jetzt schon so lange so intensiv zusammenarbeiten.
Ich beobachte, dass sich die Art der Partyschlager-Songs seit ein paar Jahren weiterentwickelt und in andere Genres vordringt. Immer häufiger gibt es beispielsweise Kooperationen zwischen EDM-DJs und Malle-Acts. Auch du hast schon mit bekannten Leuten aus dem Dance-Bereich – Le Shuuk, Lunax und Starsplash – Songs veröffentlicht. Gibt es weniger Berührungsängste als früher?
Isi Glück: Ja, ich glaube, früher war es noch peinlich, mit einem Malle-Künstler einen Song zu machen. Mittlerweile gibt aber wirklich immer mehr Acts, die eigentlich gar nichts mit Malle zu tun haben, sondern die aus dem Rap- oder EDM-Bereich kommen. Ich glaube, wenn einer mal damit anfängt, dann sagt jemand anders: „Ach, guck mal, Le Shuuk hat was mit Isi gemacht. Vielleicht kann ich dann ja doch auch mal was mit ihr machen. Dann ist Ballermann ja vielleicht doch gar nicht mehr so peinlich.“
Partyschlager ist wirklich präsenter denn je, nicht nur auf Mallorca. Es gibt unzählige Großveranstaltungen und Party-Eventreihen in ganz Deutschland mit dir und den anderen Stars der Szene. Im Fernsehen bekommt man davon jedoch interessanterweise so gut wie nichts mit – abgesehen vom jährlichen Mallorca–„Fernsehgarten“. Aber in den großen Schlagershows von Florian Silbereisen und Giovanni Zarrella findet ihr nicht statt und werdet ziemlich ignoriert. Würdest du dir wünschen, auch dort aufzutreten zu können oder ist das gar nicht so relevant für dich?
Isi Glück: Ich verstehe, dass man unterscheidet zwischen Partyschlager und dem klassischen, „seriösen“ Schlager von Helene Fischer, Florian Silbereisen, Beatrice Egli und Co. Aus unserem Segment findet Mickie Krause so ziemlich als Einziger dort statt, weil er es einfach geschafft hat, sich mit „Mich hat ein Engel geküsst“ und „Schatzi schenk mir ein Foto“ auch seriös zu platzieren. Allgemein bin ich nicht der Meinung, dass wir in diese Sendungen gehören, aber ich finde, wir könnten mal eine eigene Sendung dafür bekommen! „Die Isi Glück Silvestershow“ mit Gästen bei RTL zum Beispiel! Dafür wäre ich auf jeden Fall zu haben [lacht]!
Auf der nächsten Seite verrät Isi Glück, ob sie inzwischen ein Gespür dafür hat, ob ein Song ein Hit werden könnte. Außerdem spricht sie darüber, wie sie heute auf ihre Teilnahme bei „Kampf der Realitystars“ zurückblickt – und wie sie die Entwicklung von Reality-TV betrachtet.