Heftiger Sparzwang: MDR pausiert „Tatort“- und „Polizeiruf 110“-Produktionen

Zahlreiche Podcasts vor dem Aus

Glenn Riedmeier
Glenn Riedmeier – 11.05.2026, 16:59 Uhr

Heftiger Sparzwang: MDR pausiert "Tatort"- und "Polizeiruf 110"-Produktionen – Zahlreiche Podcasts vor dem Aus – Bild: WDR

Vergangene Woche berichteten wir bereits darüber, dass das Nachmittagsmagazin „MDR um Zwei“ aus Kostengründen vor dem Aus steht, zumindest in der bisherigen Form (fernsehserien.de berichtete). Doch damit ist es längst nicht getan: Wie der Mitteldeutsche Rundfunk in einer heute versandten Mitteilung kundtut, bedeute die „nicht erfolgte Umsetzung der Erhöhung des Rundfunkbeitrags“ eine „umfangreiche Budget-Kürzung“. Die Situation zwinge den MDR zu strategischen Entscheidungen, die sich „unvermeidbar auch auf den Umfang der MDR-Programmangebote auswirken werden“.

Wie hoch der Spardruck ist, lässt sich am deutlichsten daran erkennen, dass er auch vor „Tatort“ und „Polizeiruf 110“, den erfolgreichen fiktionalen Reihen überhaupt, nicht haltmacht. So pausiert der MDR die Produktion neuer Folgen beider Krimireihen für drei Jahre. Kleiner Trost für die Zuschauer: Es gibt noch einige bereits fertiggestellte und vertraglich fixierte Folgen auf Vorrat, die in den nächsten Jahren ausgestrahlt werden können.

Auch die Produktion des „ARD-Mittagsmagazins“ will der MDR abgeben, die der Sender erst Anfang 2024 vom rbb übernommen hatte, da dieser die Produktion finanziell nicht mehr stemmen konnte. Nun befindet sich der MDR in Gesprächen innerhalb der ARD, um die Produktion im Jahr 2027 abzugeben. Der NDR habe Bereitschaft signalisiert, das „Mittagsmagazin“ gegebenenfalls zu übernehmen.

Das angesprochene Nachmittagsmagazin „MDR um Zwei“ soll ab 2027 nicht mehr als lineare TV-Sendung ausgestrahlt werden. Stattdessen soll es als Streamingformat für regionale Themen weiterentwickelt werden. Das erklärte Ziel ist in dem Zusammenhang, Regionalität, digitale Nutzung und die Nähe zu den Menschen in Mitteldeutschland zu priorisieren. Geplant sei, dass ab 2027 auch an Feiertagen die drei eigenständigen Landesmagazine um 19 Uhr im MDR Fernsehen auf Sendung gehen.

Knallhart wird der Rotstift auch in Sachen Podcasts angesetzt. Wie der Flurfunk Dresden berichtete, sollen MDR-Podcasts, die monatlich weniger als 6.000 Hörer erreichen, eingestellt werden. Mit einer Ausnahme: Wenn ein Podcast zwar geringe Abrufe erzielt, aber dem öffentlich-rechtlichen Auftrag dient, könnte er fortgeführt werden. Auch der Radiosender MDR Sputnik steht vor Veränderungen und verliert ab 2027 seinen UKW-Platz. Stattdessen sollen bei dem Sender künftig digitale Ausspielwege für jüngere Zielgruppen zum Einsatz kommen – also DAB+ und Internetstreaming. Zudem sollen die Social-Media-Aktivitäten des MDR um rund 30 Prozent reduziert werden.

MDR-Intendant Ralf Ludwig erläutert:

Wir haben uns die Entscheidungen beileibe nicht leicht gemacht und wir würden uns die Situation gewiss auch anders wünschen. Aber Fakt ist: wäre die aus unserer Sicht rechtmäßige moderate Anhebung des Rundfunkbeitrags seit 1.1.2025 so umgesetzt worden, wie von der KEF empfohlen und wie im Verfahren vorgesehen, müssten wir diesen nun einschneidenden Weg nicht gehen. Doch die Realität lässt uns keine andere Wahl, wir können die seit 1.1.2025 fehlenden Einnahmen als MDR nicht mehr kompensieren. Die ausgebliebene Beitragsanpassung erzeugt für uns eine erhebliche Finanzlücke, auf die wir deshalb ab 2027 mit einer Etatabsenkung verantwortungsvoll reagieren müssen, um den MDR insgesamt wirtschaftlich und publizistisch zukunftssicher aufzustellen.

MDR-Programmdirektor Boris Lochthofen ergänzt:

Der MDR ist angesichts der veränderten Mediennutzung wie alle Medienhäuser in permanenter Transformation. Gleichzeitig haben wir mehrere Phasen intensiver Einsparungen in allen Bereichen des Hauses durchlaufen. Weil wir den MDR nicht insgesamt schwächen und nicht unsere Aufgaben als öffentlich-rechtliches Haus gefährden wollen, haben wir uns entschieden, nicht in der Breite zu kürzen, sondern strategisch Prioritäten zu setzen. Die Entscheidungen schmerzen uns, aber wir gewinnen damit wirtschaftlich und publizistisch Handlungsspielraum, um unsere regionale Stärke und unsere Transformationsfähigkeit zu bewahren.

Kommentare zu dieser Newsmeldung

  • (geb. 1992) am

    Erst die lange Tatort-Pause bis September und jetzt wird es also bald gar keine neuen Tatorte mehr geben ?


    Mal sehen, wie andere Sender reagieren werden.

    weitere Meldungen

    Hol dir jetzt die fernsehserien.de App