„Friends“-Reunion in China zensiert: BTS, Lady Gaga und Justin Bieber aus Special entfernt

    Auch Szenen mit LGBTQ-Fans und Riccardo Simonetti herausgeschnitten

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier – 29.05.2021, 12:00 Uhr

    Das „Friends“-Reunion-Special – in China nur zensiert verfügbar – Bild: Terence Patrick
    Das „Friends“-Reunion-Special – in China nur zensiert verfügbar

    Vor zwei Tagen wurde das mit Spannung erwartete Reunion-Special der Kult-Sitcom „Friends“ veröffentlicht. Via Streamingdienst kam es auch nach China, wo es ebenfalls eine große Fangemeinde der Serie gibt. Doch auf den drei dort führenden Video-Plattformen iQiyi, Tencent Video und Alibabas Youku wurde an mehreren Stellen die Schere angesetzt. Rund sechs Minuten wurden aus der 104-minütigen Sendung geschnitten – und zwar vor allem jene Momente, in denen bestimmte Prominente als Gäste auftraten, und Szenen aus der LGBTQ-Community.

    Insbesondere wurden die Auftritte der K-Pop-Band BTS sowie der Popstars Justin Bieber und Lady Gaga herausgeschnitten. Ebenso fehlen kurze Cameo-Auftritte von „Friends“-Fans aus der LGBTQ-Community. Offenbar aus Angst vor zu erwartenden Beschwerden der Pekinger Aufsichtsbehörden sowie berüchtigten nationalistischen Internet-Trollen des Landes wurden die entsprechenden Szenen im vorauseilenden Gehorsam entfernt. Die Musikstars sind alle aus unterschiedlichen Gründen in der Volksrepublik China in Ungnade gefallen.

    Die südkoreanische Boygroup BTS ist schon vergangenen Herbst Zielscheibe von Chinas Zensur geworden. Als Bandmitglied RM eine Auszeichnung erhielt, die die kulturellen Beziehungen zwischen den USA und Südkorea feiert, erwähnte er die „Geschichte des Schmerzes“ und die „gemeinsamen Opfer“ von südkoreanischen und US-amerikanischen Soldaten während des Koreakrieges. In China empfanden viele Menschen diese Äußerungen als Affront, da China den Norden im Krieg unterstützte und auch schwere Verluste erlitt. Daraufhin wurden sämtliche BTS-Werbekampagnen im Land umgehend eingestellt.

    Lady Gaga ist in China zur persona non grata geworden, seit sich die Sängerin 2016 mit dem Dalai Lama getroffen hat – das geistliche Oberhaupt der Tibeter ist aus der Sicht Pekings ein gefährlicher Separatist. Aus der „Friends“-Reunion wurde daraufhin Lady Gagas Duett „Smelly Cat“ mit Phoebe (Lisa Kudrow) herausgeschnitten. Justin Bieber wiederum erboste 2014 aus Versehen die chinesischen Fans, als er auf Instagram Bilder von seinen Besuch im Yasukuni-Schrein in Tokio postete – ohne zu wissen, dass die religiöse Stätte für internationale Kontroversen sorgt, weil dort unter anderem japanischen Kriegsverbrechern aus dem Zweiten Weltkrieg gedacht wird. Seitdem steht Justin Bieber in China auf der schwarzen Liste.

    Besonders rigide fällt auch der Umgang der chinesischen Streamingdienste mit den LGBTQ-Fans der Serie aus, die in Einspielern ihre Grüße ausrichten. Sämtliche Sequenzen, die auf einen schwulen Lebensstil hindeuten, wurden von allen drei Plattformen aus dem Special entfernt – einschließlich der Aussage des deutschen Entertainers Riccardo Simonetti, der sagt: Ich war ein schwuler Mann, der Haare haben wollte wie Jennifer Aniston. Also könnt ihr euch vorstellen, wie einsam ich mich manchmal gefühlt habe.

    Ferner wurden auch einzelne Szenen aus der „Friends“-Serie entfernt, die den Verantwortlichen offenbar zu freizügig waren – etwa der Moment, in dem Joey im Bademantel mit einem Bild von Ross in seiner Leiste auftaucht.

    In Deutschland ist „Friends: The Reunion“ in der ungeschnittenen Originalfassung auf Sky Ticket und über Sky Q auf Abruf verfügbar. Am heutigen Samstag, 29. Mai erfolgt um 20:15 Uhr die lineare Erstausstrahlung auf Sky One. Unser Kritiker Gian-Philip Andreas hat das Special vorab gesehen (zum Review).

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

      weitere Meldungen