„Bonn“: Wo bleibt die historische ARD-Miniserie über das Geheimdienstmilieu?

    Verfilmung der Spionage-Affäre um Otto John wurde vor vier Jahren angekündigt

    Glenn Riedmeier – 17.06.2020, 20:00 Uhr

    Vor mehr als vier Jahren – im April 2016 – kündigte die ARD die Entwicklung einer neuen historischen Miniserie an. Das Projekt mit dem Arbeitstitel „Bonn“ sollte sich mit dem Geheimdienstmilieu der Nachkriegszeit auseinandersetzen. Sechs 45-minütige Folgen waren angesetzt. Doch seit der ursprünglichen Ankündigung war von der geplanten Serie mehr als vier Jahre nichts mehr zu hören. Aus diesem Grund fragte fernsehserien.de einmal nach und erkundigte sich nach dem aktuellen Stand.

    Das Projekt ist nicht vom Tisch, die Miniserie ist weiterhin geplant. Eine Sprecherin der Produktionsgesellschaft Odeon Film AG teilte uns auf Anfrage mit: Das Projekt wird im nächsten Jahr realisiert. In den nächsten Monaten werden weitere Details zu Cast und Crew bekannt gegeben. Ursprünglich war die Ausstrahlung bereits für die Saison 2017/18 geplant. Über die Gründe für die Verzögerung wurde keine Auskunft erteilt.

    In „Bonn“ soll die schwierige Entwicklung einer jungen Demokratie im Nachkriegsdeutschland nachgezeichnet werden. Die Serie setzt im Jahr 1954 ein, als der Zweite Weltkrieg noch keine zehn Jahre her war. Im beschaulichen Städtchen Bonn, das zur neuen Bundeshauptstadt wurde, hat man jedoch zur Idylle zurückgefunden. Die junge Antonia „Toni“ Schmidt verliebt sich in Wolfgang Berns, einen Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, und beginnt, selbst im neu gegründeten Inlandsgeheimdienst zu arbeiten. Sie bemerkt allerdings bald, dass ihr Geliebter nicht nur eine dunkle Vergangenheit hat, sondern immer noch Mitglied einer NS-Geheimorganisation zu sein scheint.

    Daraufhin fängt Toni an, zu recherchieren. Einen Verbündeten hat sie in Otto John, dem Chef des Verfassungsschutzes. Er ist ebenfalls der Auffassung, dass erstarkende alte Kräfte eine Bedrohung für die junge Bundesrepublik darstellen. Sie tauchen in den Geheimdiensten, offiziellen Ämtern und sogar in Tonis Familie wieder auf. Otto John ist ein strikter Gegner des Einflusses ehemaliger Nationalsozialisten. Er gibt Toni Halt – bis er für einen der größten Spionageskandale der deutschen Geschichte sorgt. Denn bis heute ist nicht geklärt, ob Otto John 1954 freiwillig von der Bundesrepublik in die DDR gegangen ist, oder ob er Opfer einer Entführung wurde.

    Die Serie basiert auf realen Personen. Otto John beteiligte sich aktiv am Widerstand gegen den Nationalsozialismus, bis hin zu den Vorbereitungen für das Stauffenberg-Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944. Nachdem er eine Zeit im Ausland verbracht hatte, gelang es ihm 1950, nach Deutschland zurückzukehren – als Präsident des neu gegründeten Bundesamts für Verfassungsschutz in Köln. Damit gehörte Otto John zu den wenigen Personen aus den Reihen der ehemaligen Widerständler, denen es glückte, eine hohe Position in der Verwaltung der jungen Bundesrepublik zu erlangen. Allerdings währte seine Zeit in der neuen Machtstellung nicht lange.

    Als Produzenten der Miniserie wurden Philip Voges („Türkisch für Anfänger“, „Erkan und Stefan gegen die Mächte der Finsternis“) und Ilja Haller („Wo ist Fred?“) von Chestnut Films verpflichtet.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

      weitere Meldungen