„American Gods“: Ärger um Entlassung von Orlando Jones und Mousa Kraish

    Beide Darsteller nicht in Staffel drei dabei

    Bernd Krannich – 17.12.2019, 15:46 Uhr

    Orlando Jones in „American Gods“

    Die Serie „American Gods“ kommt auch vor der dritten Staffel nicht zur Ruhe. Nach zwei Showrunnerwechseln zuvor wurden nun auch die Verträge der beiden bisher zum Hauptdarstellerensemble gehörenden Schauspieler Orlando Jones und Mousa Kraish nicht verlängert. Beide äußerten sich enttäuscht, Jones übte massive Kritik an der Entscheidung, dem Weg dorthin und an Serienproduzent Fremantle generell.

    Formal war bei „American Gods“ entschieden worden, die Verträge von Jones und Kraish nicht für die dritte Staffel zu verlängern. Fremantle begründete das nach einem Aufschrei über die am Samstag bekannt gewordene Entlassung von Jones damit, dass seine Figur Mr. Nancy auch in der Romanvorlage zu dem Zeitpunkt, an dem die dritte Staffel spielt, auch nicht mehr vorkomme. Jones bietet einen deutlich anderen Blickwinkel.

    Hintergrund
    Die Serie „American Gods“ hat eine Menge Schwierigkeiten durchlaufen – um die zu verstehen, muss man die wechselvolle Produktionsgeschichte im Auge behalten. Das eigentlich eher als Vertrieb bekannte Fremantle hatte den bekannten Fantasy-Autor Neil Gaiman unter einen Rahmenvertrag genommen, um auf Basis seiner Geschichten Serien zu entwickeln, die man selbst produzieren und verkaufen wollte. Eine davon war „American Gods“, das vom amerikanischen Pay-TV-Sender Starz angestoßen wurde und im Rest der Welt von Prime Video angeboten wird.

    Die Zusammenarbeit zwischen dem in der Filmbranche unerfahrenen Gaiman und den „American Gods“-Showrunnern Bryan Fuller und Michael Green soll wegen kreativer Entscheidungen bezüglich dem Umgang mit der Vorlage schwierig gewesen sein. Auch mit den Geldgebern von Fremantle gab es Uneinigkeit über die Ausgestaltung, der Output wurde in acht statt wie geplant zehn Episoden veröffentlicht. Am Ende der ersten Staffel mussten Fuller und Green gehen.

    Neuer Showrunner mit Staffel zwei wurde Jesse Alexander („Heroes“), während Gaiman von Fremantle den Showrunnerposten bei der Adaption der Miniserie „Good Omens“ erhielt. Während der Dreharbeiten zur Staffel wurde Alexander allerdings nach früheren Berichten aufgefordert, seinen Job ruhen zu lassen.

    Mit Staffel drei kehrt einerseits Gaiman zur Serie zurück, andererseits wurde Charles H. Eglee als neuer Showrunner berufen, ein Branchen- und Genreveteran seit mehr als 20 Jahren.

    Casa Jones
    Im Umfeld der Mitteilung an die Fans über das Ende seiner Beschäftigung bei „Amercian Gods“ zitiert Jones Eglee mit den Worten, dass seine Figur – ein verschlagener Gott aus Afrika – „die falsche Botschaft“ für die „schwarzen Amerikaner“ bringe. Eglees Camp hat zu dieser Aussage bisher keine offizielle Stellung bezogen.

    Jones bemängelt zudem, dass die Produktion nach dem nun geäußerten Hintergrund durchaus früher hätte absehen können, dass man seine Dienste nicht benötigen würde und ihm das auch frühzeitig (vier Monate früher, zur Zeit der Verlängerung) hätte sagen können – statt Kontakt mit ihm zu halten, ihm die Erwartung zu geben, als Autor, Produzent und Darsteller in Staffel drei zu wirken und dann erst kurz vor Ende der Frist zur Vertragsverlängerung mit der Absage zu kommen. Denn dadurch hat Jones auch im Rest des Jahres keine Chance mehr gehabt, noch einen Schauspiel-Job zu finden.

    Als Jones zur zweiten Staffel kam, musste er nach eigenen Angaben feststellen, dass es noch gar keine Vorarbeiten für seine und andere Rollen of Color gegeben hatte (er bezeichnet auch den damaligen Showrunner als unfähig). Jones führt aus, dass er mit Gaiman ausgehandelt hatte, dass er für Staffel zwei seinen eigenen Charakter weiter ausbaut, die Hintergrundgeschichte von Mr. Nancy als sogenannte Bible ausarbeitet (so dass alle Autoren auf einer gemeinsamen Grundlage arbeiten können). Da Gaiman begeistert war, übernahm es Jones schließlich auch, für andere Figuren solche Bibeln zu erstellen, darunter Jinn oder Shadow Moon. Obwohl Jones über seine geringe Beteiligung vor der Kamera in Staffel zwei enttäuscht war, hatte er bei der Promotion der neuen Staffel freigiebig mitgewirkt – das alles, weil er in Verhandlungen stand, in Staffel drei als Autor Anerkennung und Bezahlung zu finden und eben in einer Hauptrolle zurückzukehren.

    Er summiert, dass er in knapp drei Jahren Serienproduktion trotz Hauptrolle in Staffel 2 nur 21 Drehtage hatte, sich nachträglich hingehalten fühlt – wozu auch die Verzögerungen wegen der Showrunner-Probleme beitrugen. Und dass er sich jetzt selbst mit seiner Entlassung an die Öffentlichkeit gewandt hatte, weil Fans ihn eben immer wieder in der falschen Erwartung angesprochen hatten, er würde in Staffel drei zurückkehren.

    Nach Jones hatte sich auch Mousa Kraish via Twitter zu Wort gemeldet und bestätigt, dass er ebenfalls nicht Teil der dritten Staffel sein wird. Im Gegensatz zu Jones hat er sich allerdings in einer kurzen Mitteilung vor allem bei den Fans für die Aufnahme seiner Figur bedankt und angegeben, dass er zu einer späteren Wiederaufnahme der Rolle durchaus bereit sei.

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      Ich fand Staffel 1 bereits mehr als wirr, aber noch soweit ok um dran zu bleiben, Staffel 2 hatte dann aber so gar nichts mehr an Stil und Spannung zu bieten, dass ich dann vorzeitig ausgestiegen bin. Hätte nicht gedacht, dass es tatsächlich eine 3. Staffel geben würde. Mit Eglee als Showrunner besteht allerdings Hoffnung auf Besserung und dass er gleich mal etwas aussiebt, war auch zwingend notwendig.
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