2026
Die Erstsendedaten beziehen sich auf die Ausstrahlungen innerhalb dieser Reihe. Einige Dokus sind bereits zuvor bei "Wissen hoch 2" oder eigenständig ohne Reihentitel gelaufen.
Sex mit 40 plus – Freiheitsbooster oder Lustkiller?
Folge 19 (45 Min.)
Psychologin Prof. Sonja Bröning erforscht, wie sich Lust in Beziehungen entwickelt.Bild: ZDF und Johannes StraubZwischen Meno- und Andropause, unerkannten Sehnsüchten und Neustarts erleben Menschen in der Lebensmitte den besten Sex ihres Lebens – wenn sie sich trauen, alte Muster zu sprengen. Forschung und Beratung unterstützen dabei, die Sexualität zu gestalten – mit Expertise, Medikamenten oder praktischen Tipps. Viele lernen erst später, offen über Bedürfnisse und Fantasien zu sprechen. Bei Frauen führen die Wechseljahre oft zwangsläufig zu einer neuen Auseinandersetzung mit den eigenen Wünschen, doch auch Männer hinterfragen bisherige Vorlieben und Praktiken, zum Beispiel, wenn vermehrt sexuelle Funktionsstörungen auftreten. Die Soziologin Barbara Rothmüller erforscht an der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien, wie sich sexuelle Identität, Fantasien und Ausmaß der Lust im Lebensverlauf verändern.Bei einigen Menschen ist plötzlich alles neu, so wie bei Anna aus Berlin. Sie lebte lange monogam mit ihrem Ehemann zusammen, dann polyamor mit verschiedenen Partnerinnen und Partnern und ist heute mit einer Frau verheiratet. Heike und Frederic aus Wien sind Ende 40, fühlen sich aber wie Teenies. Sie sind erst seit einem Jahr zusammen und bestätigen das Ergebnis wissenschaftlicher Befragungen: Frisch verliebte ältere Paare können ein weitaus aktiveres Sexualleben haben als junge Paare in Langzeitbeziehungen. Bettina Toth, Leiterin der Innsbrucker Uniklinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, unterstützt Patientinnen in der Perimenopause. Ihr Ziel ist es, dass Frauen gesund alt werden, und dazu gehört eine erfüllende Sexualität. Genauso wichtig wie die Unterstützung durch Experten ist ein offener Austausch über die bisherigen Erfahrungen und das persönliche Erleben. Der fällt den über Vierzigjährigen noch immer nicht ganz leicht. Doch in Podcasts, Selbsthilfegruppen, Freundschaften und Partnerschaften kommen auch sie immer häufiger ins Gespräch und legen so den Grundstein für eine erfüllendere Sexualität in der zweiten Lebenshälfte. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Do. 08.01.2026 3sat Afrika – Power-Kontinent im Aufbruch
Folge 20 (45 Min.)Die afrikanischen Wissenschaftlerinnen Prof. Cynthia Danquah und Mansa Forster im Labor.Bild: ZDF und Sven Kiesche.Afrika ist der zugleich jüngste und älteste Kontinent. Durch Wissenschaft und Innovationen weist das Zukunftslabor elf der 20 weltweit am stärksten wachsenden Volkswirtschaften auf. „Bei Afrika denken die meisten an Armut oder an Safari“, sagt der Journalist Dipo Faloyin. Doch auf dem Power-Kontinent mit der jüngsten Altersstruktur entwickeln immer mehr junge Wissenschaftler Innovationen, die unsere globalen Probleme lösen könnten. Die Herausforderungen Bevölkerungswachstum und Klimakrise sind in Afrika immens. Mithilfe der Innovationskraft junger Forscher senken in Kenia neue Technologien in der Futtermittelproduktion die Preise von Kraftfutter.Mobile Kommunikationslösungen aus Nairobi liefern Wissen und Bildung in indigenen Sprachen auch in den letzten Winkel Ostafrikas. Kenia und Uganda werden schon heute zu mehr als 90 Prozent mit erneuerbaren Energien versorgt. Dies nutzt ein junger afrodeutscher Unternehmer in Kampala zur Elektrifizierung des Individualverkehrs. Und im westafrikanischen Accra wird bereits die erste künstliche Intelligenz Afrikas im Gesundheitswesen eingesetzt. In Zukunft muss Afrika in seiner Entwicklung Quantensprünge machen, um gegen den Klimawandel gewappnet zu sein. Denn 70 Prozent der 1,4 Milliarden Afrikaner aus 54 Ländern leben in Küstenregionen, die vom steigenden Meeresspiegel bedroht werden. Für das Jahr 2050 wird in Afrika eine Bevölkerungsgröße von etwa 2,5 Milliarden Menschen erwartet. Auf dem Kontinent entstehen deshalb neue Gebäudeideen, um in Lagos die Vision einer schwimmenden Stadt, die sich dem Meeresspiegel anpassen kann, Realität werden zu lassen. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Do. 22.01.2026 3sat Anti-Krebs-Hacks – Dein Lebensstil zählt
Folge 21 (45 Min.)Jasmina Neudecker will herausfinden, wie sie ihr Krebsrisiko reduzieren kann und macht sich auf die Suche nach den Hacks gegen Krebs.Bild: ZDF und Andrea Rumpler, Grafik Andrea WagnerJährlich bekommen allein in Deutschland mehr als 500.000 Menschen eine Krebsdiagnose. Dabei wären bis zu 40 Prozent der Neuerkrankungen vermeidbar. Medizinische Früherkennung ist der Schlüssel. Jasmina Neudecker begibt sich auf die Suche: Wie lässt sich das Risiko minimieren? Eine große Rolle spielt der eigene Lebensstil. So kann regelmäßige Bewegung im Körper Prozesse beeinflussen, sodass sich potenziell schädliche Zellen gar nicht erst entwickeln. Die Biologin Nadira Gunasekara von der Sporthochschule Köln zeigt in ihrer Forschung, wie Sport und Bewegung das Immunsystem stärken und ihm dabei helfen, Krebszellen besser zu bekämpfen.Im Fokus steht aktuell der Einfluss von Krafttraining – neben klassischem Ausdauertraining. Eine Schlüsselrolle spielen dabei Myokine, das sind Botenstoffe, die bei Muskelaktivität freigesetzt werden. Neben Bewegungsmangel zählen auch Übergewicht, Rauchen und Alkohol zu den beeinflussbaren Krebsrisikofaktoren. „Die große Chance besteht darin, dass ich selbst aktiv werden kann“, sagt die Präventionsmedizinerin Ursula Will vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKZF) in Heidelberg. Den eigenen Lebensstil zu verändern, gelingt vielen besser, wenn sie dabei Unterstützung haben. Jasmina Neudecker besucht bei Eintracht Frankfurt das Projekt „Fußballfans im Training“ der Deutschen Krebshilfe. Als einer von 26 Bundesligavereinen bietet der Club seinen Fans die Möglichkeit, durch Sport und gesunde Ernährung Übergewicht abzubauen. Zur Krebsprävention gehört auch die Früherkennung. Am Uniklinikum Dresden testet Jasmina Neudecker einen modernen Ganzkörperscanner, der Pigmentveränderungen der Haut früh sichtbar macht. Das Gerät erstellt mit KI-Unterstützung aus 92 hochauflösenden Fotos ein 3D-Modell des Körpers. Wie wichtig UV-Schutz schon von klein auf ist, erlebt die Journalistin bei einem besonderen Kindergartenprojekt. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Do. 05.02.2026 3sat Immer mehr Wut – Warum sind wir so aggressiv?
Folge 22 (45 Min.)Aggression und Ärger nehmen zu: Laut Umfragen erleben 84 Prozent mehr Verrohung und eskalierende Konflikte im Alltag – ob im Straßenverkehr oder online. Werden wir zur Wutgesellschaft? Wut kennt jeder. Sie spaltet, treibt an und verbindet. Sie wirkt zerstörerisch, aber auch konstruktiv: Wut mobilisiert, macht Missstände sichtbar und verändert unser Zusammenleben stärker, als vielen bewusst ist. Doch was passiert, wenn Wut zur Norm wird? Wut äußert sich nicht nur öffentlich – etwa in sozialen Medien, auf Demonstrationen oder im Straßenverkehr: Auch im Körper löst sie Stressreaktionen aus, die unsere Gesundheit beeinträchtigen können. Forschungen aus Psychologie, Neurobiologie und Soziologie zeigen, warum Menschen unterschiedlich auf Ärger reagieren, welche Rolle Neurotransmitter und Hirnareale spielen und wie Kinder erst lernen müssen, Impulse zu kontrollieren.Die „NANO Doku“ untersucht Ursachen und Mechanismen hinter der steigenden Gereiztheit. Sie begleitet die Polizei im Einsatz, eine Schulklasse bei einem Projekt zur Impulskontrolle und testet, wie wir effektiv Wut abbauen können. Sie zeigt Betroffene, die mit ihrer eigenen Aggression kämpfen, und Menschen, die Wege gefunden haben, sie in etwas Positives zu verwandeln. Und sie zeigt, wie aus einem explosiven Gefühl ein Werkzeug werden kann – für Veränderung, Widerstand und ein besseres Miteinander. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Do. 26.02.2026 3sat Superkraft Charisma – So mächtig und so manipulativ
Folge 23 (45 Min.)Charisma entscheidet über Karrieren und Politik. Die geheimnisvolle Ausstrahlung folgt erlernbaren psychologischen Mustern, wie die Wissenschaft zeigt. Von Gandhi über Helene Fischer bis Donald Trump, von Lady Di bis Hitler: Jasmina Neudecker erforscht in Experimenten die Macht der Ausstrahlung, trifft Musiker und TV-Moderator Götz Alsmann und scheut nicht den Selbstversuch: Kann sie ihr Charisma trainieren? Musiker Götz Alsmann bringt es auf den Punkt: „Es gibt einen Unterschied zwischen Charisma und dicken Eiern.“ Sängerin Stefanie Heinzmann und er selbst lassen sich in die Karten schauen – was macht ihre Bühnenpräsenz aus? Ob bei Tieren, in der Politik oder im Showbusiness: Charisma fasziniert und polarisiert.Der Schweizer Wirtschaftsprofessor John Antonakis von der Universität in Lausanne, einer der führenden Charisma-Experten weltweit, hat erlernbare Techniken entschlüsselt. Von Inspiration und Macht bis Manipulation – der Einfluss charismatischer Menschen kann höchst gegensätzlich sein. Fabiola Gerpott hält den Lehrstuhl für Personalführung an der „WHU – Otto Beisheim School of Management“ in Vallendar – sie warnt: „Charisma kann gefährlich sein. Das ist wie ein Messer. Mit einem Messer kann ich mein Gemüse schneiden – oder ich kann jemanden damit umbringen.“ Host Jasmina Neudecker trainiert an der „University of Southern Denmark“ mit Oliver Niebuhr ihr akustisches Charisma, in Berlin analysiert sie mit Emotionsforschern charismatische Reden – und füttert Tapire auf der Suche nach Charisma im Tierreich. In drei zusätzlichen Web-Episoden sucht sie nach Antworten auf die Fragen: „Wie charismatisch bin ich?“, „Mein Charisma trainieren – Geht das wirklich?“ und „Dark Charisma – Warum wir gefährlichen Menschen folgen“. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Do. 12.03.2026 3sat Let’s sweat! – Warum Schwitzen gesund ist
Folge 24 (45 Min.)Schwitzen in der Sauna ist ein echter Gesundheitsbooster.Bild: ZDF und Iain Robinson, Daniel Dobbie, Mandy KaneSchwitzen gehört nicht zu den beliebtesten Körperfunktionen. Doch die Rolle, die Schweiß für unser Überleben spielt, wird oft unterschätzt. Mit diesem hocheffektiven Kühlsystem können wir unsere Körpertemperatur konstant regulieren. Wissenschaftler entdecken den Schweiß als wertvolle Informationsquelle. Was verrät die besondere Körperflüssigkeit über Krankheiten, Ernährung, Fitness und unsere DNA? Host und Sozialwissenschaftler Anthony Morgan begibt sich auf eine schweißtreibende Reise. In Finnland trifft er eine „Saunaelfe“ und lernt das Lieblingsritual der Nordeuropäer kennen. In verschiedenen Experimenten stellt er sich in den Dienst der Wissenschaft: Der Journalist unterzieht sich einer Schweißanalyse und lässt sich in einem überhitzten Raum an die körperlichen Grenzen bringen.So wird seine Feuchtkugeltemperatur bestimmt – eine Messgröße, die im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit eine wichtige Rolle spielt. Aber wo liegen die Grenzen dieses genialen Kühlsystems der Natur? Und kann es uns auch in Zukunft einen evolutionären Vorteil verschaffen? „Der Mensch hat eine zehnmal höhere Dichte an Schweißdrüsen in der Haut als andere Primaten“ erklärt Genetikerin Yana Kamberov in Philadelphia. Schwitzen kann auch krankhaft sein. Thorax Chirurg Kashif Irshad operiert eine junge Patientin, die an Hyperhidrose – übermäßigem Schwitzen – leidet. Für sie beginnt ein Leben ohne ständige Scham. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Do. 30.04.2026 3sat Todesfalle Krankenhaus? Fehler vermeiden – Menschen retten
Folge 25 (45 Min.)Fehler im Krankenhaus vermeiden kann Leben retten.Bild: Michael Dreyer / ER Productions / ZDFTrotz Hightech- und Spitzenmedizin sind in Deutschland jedes Jahr circa 170.000 Menschen von Behandlungsfehlern im Krankenhaus betroffen. Rund 17.000 bezahlen dafür mit ihrem Leben. Ursachen können Sepsis, Resistenzen, Fehldiagnosen oder falsche Medikamente sein. Jasmina Neudecker macht sich auf die Suche: Wie kann es sein, dass ausgerechnet Krankenhäuser so häufig krank machen, und was kann die Forschung dazu beitragen, um Risiken zu verringern? Das deutsche Gesundheitssystem zählt zu den modernsten und teuersten der Welt.Trotzdem sind jährlich circa 170.000 Menschen von medizinischen Fehlern betroffen. Die Folgen sind nicht nur tragisch, sondern auch teuer: 15 Prozent aller Krankenhauskosten – stolze 48 Milliarden Euro jährlich – entstehen dadurch. Jasmina Neudecker trifft Menschen, denen teils lebensbedrohliche Therapie- und Diagnosefehler widerfahren sind. Ein Patient aus Hanau etwa bekam nach einer Bauch-OP eine Sepsis, die nicht erkannt wurde, und litt unter erheblichen Spätfolgen wie massiven Depressionen mit Suizidversuch. Bei einer Patientin aus Berlin wurde nach einer falschen Krebsdiagnose eine unnötige Operation durchgeführt, bei der sie fast gestorben wäre. Es gibt vielfältige Ansätze, um solche Probleme in den Griff zu bekommen. Jasmina Neudecker lernt sie auf einer Reise durch Deutschland bei Begegnungen mit Forschenden und Medizinern kennen. Der Anästhesist Michael Booke im varisano Krankenhaus Bad Soden klärt die Bevölkerung in einem Modellprojekt über die Symptome einer Sepsis auf. Viele Menschen, darunter selbst Fachleute, wissen immer noch zu wenig über die Gefahren und Anzeichen einer Blutvergiftung. An der Universitätsmedizin Greifswald hat der Mediziner Matthias Gründling Anfang 2026 ein neuartiges Sepsis-Screening eingeführt. In anderen Krankenhäusern sollen Optimierungen beim Verabreichen von Medikamenten und eine verbesserte Fehlerkultur dazu beitragen, die Zahl der Fehlbehandlungen zu verringern. Zudem sollen neue, von dem Biomediziner Christophe Zimmer mithilfe von KI an der Universität Würzburg entwickelte Antibiotika helfen, die Fallzahlen zu senken. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Do. 07.05.2026 3sat Männlichkeit auf Abwegen – Was tun gegen Frauenhass?
Folge 26 (45 Min.)Beim Männerworkshop „Warrior Spirit“ sollen die Teilnehmer den Krieger in sich spüren.Bild: 3satToxische Männlichkeit ist auf dem Vormarsch. Machos aus Politik und Wirtschaft werden zu Role-Models der Mannosphäre, Misogynie breitet sich aus. Woher kommt diese Entwicklung? Rollenbilder sind unklar. Das macht das Ideal des dominanten Alphamanns verführerisch. 40 Prozent aller jungen Männer glauben, dass ihnen mehr Rechte zustünden als Frauen. Jeder dritte findet Gewalt gegen Frauen in Ordnung. Frauenhass wird zum Social-Media-Trend. Es besteht dringender Handlungsbedarf. Doch wie gegensteuern? Forschende führen den aktuellen Backlash vor allem auf eine zunehmende Verunsicherung und Orientierungslosigkeit unter Männern zurück.Im Kölner Männerseminar „Warrior Spirit“ von Coach Bernd Wachsmann können Geschlechtsgenossen ihre Männlichkeit erleben. Ein Raum für Stärke, Kraft und Aggressionen. Welche Rolle spielt dabei das männliche Hormon Testosteron – können Männer vielleicht gar nicht anders? Dazu forscht Psychologe Oliver Schultheiss an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen. Er findet keine Hinweise dafür. Sein Züricher Kollege Markus Theunert warnt: „Wir dürfen als Gesellschaft das Feld nicht Figuren wie Andrew Tate überlassen, sondern müssen selbst Lösungsansätze bieten.“ Der selbst ernannte britisch-amerikanische Alphamann Tate ist einer der erfolgreichsten und bekanntesten Frauenhasser im Netz. Die Kölner Bildungsinitiative „Detox Identity“ setzt im Kampf dagegen auf Jugendarbeit. In einem Workshop in einer Berufsschule sprechen die Mitarbeitenden mit jungen Menschen über fragwürdige Rollenbilder und Geschlechtermythen, die vor allem über Social Media verbreitet werden. „Hacking the Manosphere“, ein Online-Theater-Projekt in Düsseldorf, will verunsicherte Heranwachsende durch Unterwanderung der Mannosphäre im Netz dazu bringen, umzudenken. Die Message: Patriarchale Muster beuten nicht nur Frauen aus – auch Männer selbst leiden darunter. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Do. 21.05.2026 3sat Propriozeption – Unser fantastischer Bewegungssinn
Folge 27 (31 Min.)Die Tiefensensibilität unseres Körpers ist eine Superkraft, ohne die wir im Alltag nicht funktionieren würden. Deshalb müssen wir diesen „sechsten Sinn“ ein Leben lang trainieren. Laut WHO sterben weltweit jährlich mehr als 680.000 Menschen infolge von Stürzen; hinzu kommen mehr als 170 Millionen Behinderungen. Dabei haben Menschen von Geburt an ein System mit Tausenden Sinneszellen, um ein präzises Körpergefühl zu entwickeln: die Propriozeption. Aber wir sind eine bewegungsarme, sitzende Gesellschaft, die Lockdown-Situation durch Corona hat dieses Problem noch verschlimmert.Schon viele Kinder und Jugendliche bewegen sich zu wenig. Die Folge: Die Körperwahrnehmung kann sich nicht richtig entwickeln und dann auch nicht zuverlässig funktionieren, wenn zum Beispiel ein Sturz droht. B-Girl Jilou, deutsche Meisterin im Breaking aus Berlin, die ihre Körperteile zu den Beats der Musik akrobatisch in alle Himmelsrichtungen katapultiert, ist für den Bewegungswissenschaftler Prof. Dr. Heiko Wagner ein ideales Studienobjekt, um die Propriozeption besser zu verstehen. Erstmals kann Jilou mithilfe der von ihm entwickelten Messmethode „ComputerMyoGraphie“ überprüfen, ob ihr Körpergefühl wirklich mit den Bewegungen übereinstimmt, die sie durchführt. An der Technischen Universität München forscht Gordon Cheng, Professor für Kognitive Systeme, ebenfalls zu diesem Thema. Er will Roboter mit einem Körpergefühl ausstatten, das dem des Menschen ähnelt. Als erstem Roboterentwickler ist es ihm gelungen, diesem Ziel mit der Entwicklung einer künstlichen Haut mit Tastsinn ein großes Stück näherzukommen. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Do. 20.08.2026 3sat Zunge: Das Super-Organ
Folge 28 (45 Min.)HNO-Ärztin Dr. Kathrin Engel untersucht eine Patientin mit auffälligem Zungenbelag.Bild: ZDF und Ulrich SontagDie Zunge ist nicht nur ein vielseitiges Sinnesorgan, sondern auch unser beweglichster Muskel. Ihr hochkomplexes Mikrobiom besteht aus 700 verschiedenen Bakterienarten. Ob zum Kauen, Schmecken, Schlucken oder Sprechen – unsere Zunge ist überlebenswichtig. Die Wissenschaft nutzt sie für immer mehr modernste Diagnoseverfahren. Ihr Aussehen und ihre Funktionalität können Hinweise auf viele Erkrankungen geben, darunter auch Krebs. Wie empfindlich das Gleichgewicht der Zunge ist, beobachten vor allem Logopäden wie Carolin Adam aus Weinheim. Schon kleinste Störungen können das gesamte System aus der Balance bringen.Entscheidend ist die richtige Ruhelage der Zunge am Gaumen: Nur dort kann sie den Oberkiefer stabilisieren und seine natürliche Entwicklung unterstützen. Angeborene oder erworbene Fehlfunktionen können zu gesundheitlichen Problemen, wie Sprech- und Atemstörungen, Schluckbeschwerden bis hin zu Zahnfehlstellungen führen. Die Zunge ist auch als Bakterienreservoir im oralen Mikrobiom von großem diagnostischem Interesse und fungiert als Frühwarnsystem für systemische Erkrankungen. Die HNO-Ärztin Kathrin Engel vom SRH Klinikum Zeitz hat schon unzählige Zungen untersucht. Sie kennt die vielfältigen Krankheitsbilder, die sich in Farbe, Form oder Oberflächenstruktur zeigen können. An der University of Leeds hat Lebensmittelforscherin Anwesha Sarkar eine Modellzunge aus Silikon entwickelt, die die Oberfläche, Elastizität und Feuchtigkeit der menschlichen Zunge realistisch nachbildet. Sie soll dabei helfen, neuartige – insbesondere pflanzenbasierte Lebensmittel zu entwickeln und deren sensorische Eigenschaften besser zu verstehen. Dem Team um den Neurologen Martin Sommer an der Universitätsmedizin Göttingen ist es jetzt gelungen, mithilfe eines Echtzeit-MRTs erstmals die Zungenbewegungen eines stotternden Patienten sichtbar zu machen. „Dieser Nachweis der mechanischen Entstehung der grundlegenden Symptome verbessert unser Verständnis und unser Denken über das Stottern“, so der Experte. Um 20:15 Uhr beleuchtet die NANO Doku relevante wissenschaftliche Themen, die uns bewegen; um 21:00 Uhr diskutieren die Moderatorinnen Alena Buyx und Stephanie Rohde im Wechsel im NANO-Talk mit ihren Gästen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven über das Thema. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Do. 27.08.2026 3sat Kann Spieltheorie die Welt retten?
Folge 29 (45 Min.)Spieltheorie erklärt, wann Kooperation kippt – und warum beim Klimaschutz Vertrauen und faire Regeln entscheidend sind.Bild: Reuters, Raketenfilm / ZDF und Reuters, Raketenfilm / Honorarfrei - nur für diese Sendung inkl. SocialMedia bei Nennung ZDF und Reuters, Raketenfilm.Warum kooperieren wir? Welche Strategien helfen uns bei Entscheidungen? Ob bei geopolitischen Konflikten, im globalen KI-Wettlauf oder in der WG-Küche: Die Spieltheorie hat die Antwort. Win-win-Situation oder Nullsummenspiel? Mathematische Modelle beleuchten die Ursachen scheiternder Kooperationen und zeigen, warum das Verhalten anderer über den eigenen Erfolg entscheidet: beim Elfmeterschießen, bei Organspenden oder Klimaverhandlungen. Ein Elfmeterschuss dauert weniger als eine Sekunde – und ist doch ein komplexes strategisches Duell. Genau solche Situationen untersucht die Spieltheorie: Was geschieht, wenn der eigene Erfolg davon abhängt, was andere gleichzeitig entscheiden? Auf dem größten Frankfurter Volksfest, der „Dippemess“, demonstriert der Wirtschaftswissenschaftler Christian Rieck das „Chicken Game“ im Autoscooter: Wer dem gegnerischen Fahrzeug bei dieser Mutprobe ausweicht, ist das „Chicken“ – der Angsthase – und verliert das Spiel.In einer WG zeigt sich am Geschirrspüler das Gefangenendilemma: Für den Einzelnen scheint Nichtstun bequem, für alle zusammen wird es zum Problem. Die Dokumentation begleitet Forschende, die mit spieltheoretischen Modellen reale Konflikte entschlüsseln. Der Wirtschaftswissenschaftler Axel Ockenfels von der Universität Köln zeigt, wie Kooperation bei Nierenspenden organisiert werden kann. Auf dem Fußballplatz wird Unberechenbarkeit zur Strategie, in der Weltpolitik hingegen werden Drohungen und Ultimaten zum riskanten Machtspiel. Besonders deutlich wird die Kraft der Spieltheorie beim Klimaschutz: Forschende am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und am Institute of Science and Technology Austria untersuchen, wie Zusammenarbeit auch unter ungleichen Voraussetzungen beteiligter Länder gelingen kann. Doch wo sind die Grenzen der Theorie – und was passiert, wenn nicht mehr nur Menschen verhandeln, sondern Maschinen mitentscheiden? Am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung untersucht der Computerwissenschaftler Iyad Rahwan, wie KI soziale Entscheidungen verändert. Die Spieltheorie liefert keinen einfachen Weltrettungsplan – aber neue Perspektiven auf Kooperation, Macht und unser Entscheidungsverhalten. Um 20:15 Uhr beleuchtet die NANO Doku relevante wissenschaftliche Themen, die uns bewegen; um 21:00 Uhr diskutieren die Moderatorinnen Alena Buyx und Stephanie Rohde im Wechsel im „NANO Talk“ mit ihren Gästen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven über das Thema. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Do. 10.09.2026 3sat Wundermittel Cortison: Neue Forschung – Weniger Nebenwirkungen
Folge 30 (45 Min.)Cortison gibt es nicht nur als Tabletten, sondern auch als Salbe, Zäpfchen uvm.Bild: Jupp Tautfest / ZDFCortison ist eins der stärksten entzündungshemmenden Medikamente, hat aber Nebenwirkungen. Forschende entschlüsseln den Wirkmechanismus, um neue Therapien zu entwickeln. Die Nebenwirkungen können gravierend sein: Bluthochdruck, Osteoporose und das berüchtigte Vollmondgesicht. Sogar Psychosen können auftreten. Doch bislang sind Glukokortikoide unverzichtbar. Wie weit ist die Suche nach neuen, verträglicheren Medikamenten? Ob bei Allergien, Asthma oder chronischen Darmentzündungen – für viele Betroffene gehört die Therapie mit Cortison zum Alltag. Es unterdrückt das Immunsystem und stoppt Entzündungen enorm schnell.In der Notfallmedizin rettet es Leben. Cortison wirkt, indem es im Körper dieselben Signalwege nutzt wie das körpereigene Hormon Cortisol. Auch für Menschen mit rheumatischen Erkrankungen ist seit über 80 Jahren im Akutfall Cortison das erste Mittel der Wahl – jedoch nicht als Dauertherapie. Nicht nur auf Social Media wird nun immer häufiger vor Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit der dauerhaften Einnahme gewarnt. Die Psychologin Katja Wingenfeld von der Charité Berlin ordnet den Trend zum „Cortisol-Detox“ wissenschaftlich ein und erklärt, warum das Hormon Cortisol für den Körper lebenswichtig ist. Generell überdenken Medizinerinnen und Mediziner den Einsatz von Cortison, überarbeiten Behandlungsleitlinien, setzen auf niedrigere Dosierungen – und konsequentes Ausschleichen der Therapie. Am Helmholtz Zentrum München erforscht die Molekularbiologin Henriette Uhlenhaut gemeinsam mit ihrem Team, wie Cortison auf den sogenannten Glukokortikoid-Rezeptor wirkt und so Entzündungen steuert. Diese Erkenntnisse könnten die Entwicklung neuer Medikamente grundlegend verändern. Aber was macht die Suche nach Alternativen mit viel Wirkung, aber wenigen Nebenwirkungen so schwer? Und wie könnten neue Medikamente aussehen? (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Do. 24.09.2026 3sat Vor der Eiszeit – Jagd nach dem ältesten Erbgut der Welt
Folge 31 (45 Min.)Zwei Millionen Jahre alte DNA in Grönland enthüllt eine verlorene, heiße Welt – ein Blick in die Vergangenheit, die auch unsere klimatische Zukunft sein könnte. Ein hartnäckiger Wissenschaftler glaubt an seine Idee von der Umwelt-DNA und setzt sich gegen alle Hindernisse durch. Am Ende einer langen Forschungsreise enthüllt er eine zwei Millionen Jahre alte, heiße Welt auf Grönland mit einer reichen Tierwelt. Im Zentrum steht der dänische Wissenschaftler Eske Willerslev mit einer Idee, für die er am Anfang seiner Karriere nur Spott erntet: aus Dreck, Eis und der Umwelt Erbgut zu extrahieren, sogenannte Dirt- oder auch Umwelt-DNA.Denn nicht nur Menschen, sondern auch Tiere und Pflanzen hinterlassen DNA in der Erde – bis zu Millionen Jahre alt, abhängig von den Temperaturen, denn Erbgut konserviert sich in einer kalten Welt besser als in einer warmen. Heute ist Eske Willerslev ein gefeierter Evolutionsgenetiker, in seiner Zunft weltweit ein Star. Doch ist sein Forscherleben kein geradliniger Weg – und es ist ein kleines Wunder, dass aus ihm ein renommierter Wissenschaftler wurde. Als 20-Jähriger begibt er sich mit seinem Zwillingsbruder Rane in einem Kanu auf Entdeckungsfahrt nach Sibirien. Dort wollen die Brüder ein fast ausgestorbenes Volk finden, die Yugakirs. Zwar gelingt es ihnen, aber Rane kehrt nach Dänemark zurück, und für Eske beginnt die härteste Zeit seines Lebens in Einsamkeit, gepaart mit Hunger und Kälte. Nach seiner Rückkehr nach Dänemark durchlebt Eske Willerslev mehrere Krisen und denkt sogar an Suizid. Bis er eines Tages aus seinem Fenster schaut und im strömenden Regen einen Hund sieht, der sein Geschäft macht, was ihn zum Nachdenken bringt: Was passiert mit der DNA in dem Häufchen des Hundes? Was mit dem Erbgut von verwelkenden Blättern, Wurzeln und allem anderen, was lebt? So entsteht in seinem Kopf die Idee von der Extraktion der DNA aus Schmutz, Erde und Eis. In Eis deshalb, weil die älteste DNA fast sicher auch die kälteste sein muss, da sie in der Wärme großen Verfallsprozessen ausgesetzt ist. Doch seine Idee wird von seinen damaligen Kollegen und seinem Chef mit Spott aufgenommen, und so macht sich Eske Willerslev auf eine fast 15-jährige Reise, um seine These vom Erbgut, das sich überall in der Umwelt finden lässt, zu belegen. Neben dem nie nachlassenden Willen und Ehrgeiz, seine Annahme zu beweisen, baut der dänische Wissenschaftler auf modernste DNA-Sequenzierung, die vor einigen Jahren in einem neuen Verfahren den Durchbruch und den Beweis seiner These von der Umwelt-DNA erbringt. Aus dem einst Verspotteten wird ein Star der Evolutionsgenetik. Gefeiert in Fachjournalen und ausgezeichnet mit Wissenschaftspreisen. Über fast 20 Jahre zeichnet der Film Eske Willerslevs Reise nach und zeigt eine der ungewöhnlichsten Geschichten der Wissenschaft auf. Eine Geschichte, die auch Relevanz für die Zukunft hat: Denn das Erbgut, das Willerslev in Grönland findet und analysieren kann, bringt uns eine Welt von vor zwei Millionen Jahren nahe, die viel heißer war als heute, bewohnt von einer reichen Tierwelt mit dem Mastodon, dem Vorläufer des Elefanten, als dem überraschendsten Fund. Und mit Erkenntnissen für heute. Denn die Erkenntnisse aus der damaligen Erdepoche, dem Pliozän, einem Zeitalter mit ähnlichen CO2-Werten wie heute, sind nicht nur für die Vergangenheit bedeutsam: Sie bieten auch eine Anleitung für die Herausforderungen unserer Zukunft. „Das Klima des Pliozäns ist wie ein Handbuch für das, was kommt“, sagt Maureen Raymo, Paläoklimatologin der Columbia University. Um für diese zukünftige Zeit gerüstet zu sein, wird in Dänemark bereits an Pflanzen geforscht, die in einer heißeren Welt Nahrung für uns alle garantieren können. So wurde durch die Arbeit von Willerslevs Team auch eine industrielle Revolution in der Sequenzierung uralter DNA eingeleitet. Mithilfe dieser Technologie wurde bereits die erste Pflanze – arktische Gerste – entwickelt, die für eine heiße Zukunft geeignet ist. „Wir stehlen die genetischen Geheimnisse der Vergangenheit, um die Zukunft zu retten“, erklärt Eske Willerslev. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Do. 01.10.2026 3sat Eltern-Burnout – Was hilft gegen Erziehungsstress?
Folge 32 (45 Min.)Professor Oscar Jenni schreibt Ratgeber für Eltern.Bild: ZDF und Basti BaumöllerPerfektionismus, widersprüchliche Erziehungsratgeber, Leistungsdruck und ungerechte Verteilung der Care-Arbeit: bei Eltern auf Dauer ein Rezept für chronische Erschöpfung. Rund fünf Prozent halten den Belastungen nicht stand und landen im Burnout. Dazu kommen Geldsorgen, permanent abwesende Väter und der tägliche Streit um die Mediennutzung. Was brauchen Kinder wirklich, um gesund aufzuwachsen – und was ihre Eltern? Mütter und Väter verbringen heute mehr Zeit mit ihren Kindern als noch vor zehn Jahren. Tipps zur Erziehung sind in Ratgebern und in den sozialen Medien leicht verfügbar.Doch genau das kann zu Überforderung führen, wenn Auszeiten fehlen. Oft trifft ein Eltern-Burnout gut informierte Menschen, die alles richtig machen wollen – und dabei wissenschaftliche Erkenntnisse rund um Erziehung teils als Dogmen mit Absolutheitsanspruch missverstehen. Dieses Stresssyndrom geht mit einem stark erhöhten Cortisol-Spiegel einher und kann neben körperlichen Symptomen auch zu psychischen Beschwerden bis hin zu Suizidgedanken führen. „Wir Fachleute müssen klarer kommunizieren“, sagt Psychologin Maria Elena Brianda, die an der belgischen Universität Lüttich zu Eltern-Burnout forscht. Wie also Rauskommen aus der Dauerüberforderung? Oskar Jenni, Professor für Entwicklungspädiatrie und Arzt am Universitäts-Kinderspital Zürich bremst die Erwartungen: Die perfekte Methode für entspannte Elternschaft könne es schon deshalb nicht geben, weil Eltern, Kinder und Lebensrealitäten so verschieden sind. Wichtig sei es, auf alle Familienmitglieder Rücksicht zu nehmen: „Wenn die Bedürfnisse der Eltern nicht mehr gedeckt sind, dann schaffen sie es nicht, sich um die Kinder zu sorgen.“ Seine Erkenntnisse gewinnt er auch aus den Zürcher Longitudinalstudien. In diesen Langzeitstudien wurden ab den 1950er-Jahren knapp 1000 Kinder untersucht. Die ältesten Studienteilnehmenden sind heute über 70 Jahre alt, einige wirken noch immer an dem Projekt mit, um eine Antwort auf die Frage zu finden, die wohl alle Eltern umtreibt: Welche Faktoren in der Kindheit machen ein gutes und langes Leben aus? Nina Kolleck, Professorin für Erziehungs- und Sozialisationstheorie an der Universität Potsdam, beobachtet, dass Zuschreibungen wie „Helikopter“- oder „Rasenmäher“-Eltern zu einer gesellschaftlichen Abwertung und Verunsicherung von Eltern führen. Dabei machen die meisten Mütter und Väter trotz allem einen guten Job – zumindest wenn man Jugendliche fragt. Rund 75 Prozent der 14- bis 20-Jährigen bezeichnen das Verhältnis zu ihren Eltern als sehr gut und geben an, dass ihre Eltern sie zu Eigenständigkeit ermutigen. Das fand Kolleck in ihrer Forschung an der Universität Potsdam heraus. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Do. 08.10.2026 3sat Arten retten im Zoo – Letzte Hoffnung für bedrohte Tiere?
Folge 33 (45 Min.)Goldene Löwenäffchen werden in Zoos nachgezüchtet und in Brasilien wiederausgewildert.Bild: ZDF und Michael KernMehr als 49.500 Tierarten sind vom Aussterben bedroht, die Biodiversität in Gefahr. Zoos, Wissenschaftler und Behörden wollen nun an einem Strang ziehen, um die Artenvielfalt zu schützen. Die Rote Liste der gefährdeten Tiere wächst von Jahr zu Jahr. Mit der Initiative „Reverse the Red“ will die Weltnaturschutzorganisation IUCN Maßnahmen in Zoos und im Freiland koordinieren und so das Verschwinden der Tiere stoppen. Die Aktivitäten zum Schutz der Lebensräume in den Heimatländern der bedrohten Arten sollen dabei eng mit Nachzuchtprogrammen in wissenschaftlich geführten Tiergärten synchronisiert werden.Bislang arbeiteten Naturschutz und Zoologen meist nebeneinander. Die Folge: Arten sterben aus, bevor man die Ökosysteme retten kann, in denen sie vorkommen – oder Zoos züchten Arten, deren natürliche Lebensräume längst zerstört sind. Nun gilt es, die Maßnahmen in Zoos und im Freiland besser abzustimmen und zu steuern – mit einem sogenannten „One Plan Approach“. Einer der Pioniere bei der Umsetzung dieses Ansatzes ist der Zoologe Thomas Ziegler, der Leiter des Aquariums im Kölner Zoo. Er hat sein Haus nicht nur zu einer der wichtigsten Archen für gefährdete Arten weltweit umgebaut. Er kooperiert zudem mit Naturschützern, um Tiere, wie etwa das extrem seltene Philippinen-Krokodil, im Zoo nachzuzüchten und wieder in die Freiheit zu bringen. Auch die vom Aussterben bedrohten Przewalskipferde, deren ursprünglicher Lebensraum die kasachische Steppe war, wurden nicht zuletzt mit Hilfe von Nachzuchten des Kölner Zoos bereits erfolgreich auf der Roten Liste zurückgestuft. Sie leben heute wieder in der Wildnis. Internationale Kooperationen sind auch in Vietnam entstanden: Der Amphibien- und Reptilienexperte Cuong The Pham von der Vietnam Academy of Science and Technology arbeitet seit 20 Jahren eng mit Thomas Ziegler und dem Kölner Zoo zusammen. Die Wissenschaftler wollen jetzt unter anderem einen der größten Geckos der Welt schützen, den Reeves Tokeh, dessen Bestände gerade rapide abnehmen. Die Echsen werden massenhaft getötet, um zweifelhafte Heilmittel zu produzieren. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Do. 15.10.2026 3sat Brain Code: Können wir bald Gedanken lesen?
Folge 34 (45 Min.)Der querschnittsgelähmte James Johnson kann mit Chips im Gehirn ein Auto steuern.Bild: Michael Kern / ZDFMit Gehirn-Computer-Schnittstellen können Gelähmte allein kraft ihrer Gedanken Roboter und Autos bewegen oder kommunizieren. Tech-Oligarchen wie Elon Musk haben noch andere Visionen. Forschende sind dabei, die komplexen Codes unseres Gehirns immer umfassender zu entschlüsseln. Mithilfe von KI und hoch spezialisierten Chips, die ins Gehirn implantiert werden, sind sie diesem Ziel so nah wie nie zuvor. Für Menschen wie den ALS-Patienten Casey Harell in Los Angeles bedeutet diese Entwicklung bereits heute einen enormen Gewinn an Lebensqualität: Mithilfe eines „Brain Computer Interface“ (BCI), einer Gehirn-Computer-Schnittstelle, kann er wieder mit seiner Familie kommunizieren.Der querschnittsgelähmte Amerikaner James Johnson steuert aus rund 1000 Kilometern Entfernung ein Auto allein mit seinen Gedanken. Und Michi Mehringer aus Oberbayern, der nach einem Motoradunfall komplett gelähmt ist, trainiert am Klinikum rechts der Isar in München unter Anleitung des Neurologen Simon Jacob, einen Roboterarm mental zu steuern – mit einem ganz konkreten Ziel: Er möchte wieder selbstständig trinken können. An der Charité in Berlin forscht der Mediziner und Professor für Neurotechnologie Surjo Soekadar an nicht invasiven Möglichkeiten: Ein Helm mit Quantensensoren soll schwache Magnetfelder des Gehirns auffangen und auslesen. Diese bahnbrechenden Fortschritte wecken auch das Interesse der großen Tech-Konzerne. Unternehmen wie Elon Musks Firma Neuralink investieren enorme Summen in die Erforschung und Entwicklung von Gehirn-Computer-Schnittstellen. Damit werfen sie massive ethische Fragen auf. KI-Ethiker Marcello Ienca von der TU München warnt: „Gehirndaten können extrem interessant und profitabel sein.“ Durch die Verschmelzung von neuronalen Implantaten und KI droht eine völlig neue Dimension der Überwachung. „Darauf müssen wir vorbereitet sein.“ Um 20:15 Uhr beleuchtet die „NANO Doku“ relevante wissenschaftliche Themen, die uns bewegen; um 21:00 Uhr diskutieren die Moderatorinnen Alena Buyx und Stephanie Rohde im Wechsel mit ihren Gästen im „NANO Talk“ aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven über das Thema. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Do. 05.11.2026 3sat Waldbrände: Leben mit dem Feuer
Folge 35 (45 Min.)Die spanische Waldbrandspezialeinheit BRIF steigt in Heli.Bild: Ma Raab / ZDF und Ma RaabWaldbrände geraten in Europa immer öfter außer Kontrolle. 2025 brannten mehr als eine Million Hektar Wald. Selbst modernste Technik stößt an ihre Grenzen. Wie leben wir künftig mit Feuer? Mehr als 90 Prozent aller Waldbrände werden vom Menschen ausgelöst. Extreme Hitze, Dürre und trockene Böden verschärfen die Brandgefahr. Von Gegenfeuern bis zu klimaresilienten Wäldern entwickeln Forschende neue Konzepte. Denn Löschen allein reicht nicht mehr. In Spanien kämpft die Waldbrandspezialeinheit BRIF an vorderster Front gegen Großbrände.Statt auf direkte Löschangriffe zu setzen, entziehen die Einsatzkräfte dem Feuer den Brennstoff – mit Gegenfeuern und Verteidigungslinien, also gezielt angelegten oder natürlichen Schneisen ohne brennbares Material. Alexander Held vom European Fire Institute in Bonn zeigt, wie sich Feuerwehren in Deutschland in Zukunft besser auf Vegetationsbrände einstellen können. Wer Feuer bekämpfen will, muss zunächst Wind, Gelände und Vegetation lesen können. Doch wirksame Feuerökologie beginnt viel früher – bevor es überhaupt zu Extremfeuern kommt. In Spanien sollen dazu gezielt sogenannte Brennstoff-Lücken geschaffen werden: Bereiche, in denen trockenes Gras, Gestrüpp und andere leicht brennbare Vegetation reduziert werden. In Portugal werden kontrollierte Feuer zur Prävention eingesetzt. In Deutschland untersucht Pierre Ibisch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde, wie klimaresistente Laubmischwälder die Brandgefahr senken und wie sich verbrannte Wälder künftig erholen können. Die „NANO Doku“ erzählt von einer neuen Realität: Vegetationsbrände werden zur dauerhaften Aufgabe von Feuerwehr, Forstwirten, Ökologen, Landwirtschaft und Gesellschaft. Mit dem Feuer leben zu lernen, heißt, es besser zu verstehen, klüger zu löschen und dafür zu sorgen, dass aus einem Funken kein Extrembrand wird. Um 20:15 Uhr beleuchtet die NANO Doku relevante wissenschaftliche Themen, die uns bewegen. Um 21:00 Uhr diskutieren die Moderatorinnen Alena Buyx und Stephanie Rohde im Wechsel im NANO Talk mit ihren Gästen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven über das Thema. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Do. 12.11.2026 3sat Wie sozial sind Tiere: Strategie vs. Instinkt?
Folge 36Ob Rudel, Herde oder Einzelgänger – jedes Tier wählt seine eigene Lebensweise. Welche Vorteile bringen Gruppen? Und warum sind auch für Einzelgänger soziale Kontakte unverzichtbar? Die Tierwelt bietet eine große Vielfalt an Sozialsystemen, die je nach Lebenssituation innerhalb einer Spezies variiert. Als Paar oder in einer Gruppe – die Lebensform wählen Tiere zum Überleben und Fortpflanzen oder auf der Suche nach Gemeinschaft. Erdmännchen leben in einem Familienverbund, in dem ein dominantes Pärchen den Ton angibt. Viele männliche Tiere verlassen die Gruppe nach der Geschlechtsreife.In der Regel bleiben die Stärksten und Dominantesten an ihrem angestammten Platz – und die Jüngeren und Schwächeren ziehen weiter. Schweine bilden starke soziale Beziehungen. „Sie verlassen sich ein Leben lang auf ihre Gruppenmitglieder und sind sehr sensibel für die Gefühle der anderen“, wie Studien der Verhaltensphysiologin Liza Moscovice vom Forschungsinstitut für Nutztierbiologie in Dummerstorf belegen. So konnte ihr Forschungsteam bei hilfsbereiten Schweinen einen gesteigerter Oxytocinspiegel feststellen. Mäuse schöpfen aus ihren sozialen Kontakten Freude und Kraft. Sie verfügen, ähnlich den Vögeln, über einen Gesang im Ultraschallbereich. Diesen nutzen die Mäuse zur Kommunikation und zur Partnerwahl. Auch Rabenvögel suchen die Gemeinschaft. „Das geht so weit, dass Rabenvögel auf ihre Artgenossen warten und erst dann gemeinsam fressen“, so der Biologe und Verhaltensforscher Thomas Bugnyar von der Universität Wien. Doch was ist Instinkt – und was ist gelerntes Verhalten oder Strategie? Tierisches Sozialverhalten lässt sich nicht einmal für eine einzelne Art generalisieren. „Es sind eigenständige Lebewesen, die sich mit individuellen Strategien an die ökologischen Bedingungen anpassen“, weiß Verhaltensbiologe Norbert Sachser von der Universität Münster. Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Tierwelt lassen sich auf uns Menschen übertragen? Was lernen wir aus dem Sozialleben der Tiere für das menschliche Zusammensein? Um 20:15 Uhr beleuchtet die „NANO Doku“ relevante wissenschaftliche Themen, die uns bewegen. Um 21:00 Uhr diskutieren die Moderatorinnen Alena Buyx und Stephanie Rohde im Wechsel im „NANO Talk“ mit ihren Gästen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven über das Thema. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Do. 19.11.2026 3sat Tiefengeothermie – Wie gefährlich ist Energie aus der Erde?
Folge 37 (45 Min.)Tiefe Geothermie verspricht nachhaltige Energie aus dem Inneren der Erde. Doch hohe Kosten und extrem riskante Tiefenbohrungen stellen die Hightech-Wärmegewinnung auf die Probe. Die Förderung birgt ein Risiko: Erdbeben. Forschende suchen nun Wege, die Technologie sicher zu machen. Rund die Hälfte unseres Energieverbrauchs entfällt auf den Wärmesektor. Kommunen und Industrie könnten von mehr Geothermie profitieren und selbst Strom erzeugen. In Grünwald bei München zeigt sich, dass Tiefengeothermie funktionieren kann.„Wir sind heute bei 2200 Hausanschlüssen“, sagt Andreas Lederle, Geschäftsführer bei EWG Erdwärme Grünwald. Doch Bohrungen in mehreren Kilometern Tiefe sind extrem teuer, und Eingriffe in den Untergrund können Spannungen im Gestein verändern. Wie groß die Herausforderungen sind, zeigt sich im Oberrheingraben: In Basel führten dort im Jahr 2006 geothermische Bohrungen zu Erschütterungen, Schäden – und Protesten, in Straßburg im Jahr 2020. Das Vertrauen in die Technologie nahm Schaden. Forschende suchen deshalb nach Wegen, die Risiken besser zu beherrschen. Im BedrettoLab, dem unterirdischen Forschungslabor der ETH Zürich, werden gezielt kleinste Erdbeben ausgelöst und mit einem engmaschigen Sensornetz überwacht. Ziel ist es, kritische Veränderungen im Untergrund früh zu erkennen und gegenzusteuern. Auch am GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam simulieren Geophysiker und Geomechaniker, wie Gestein auf Eingriffe reagiert. Im Labor der Kontinentalen Tiefbohrung im bayerischen Windischeschenbach wird bei der adaptiven Stimulation erprobt, wie sich der Injektionsdruck bei der Wasserzufuhr in der Tiefe Schritt für Schritt an die Reaktion des Gesteins anpassen lässt, um das Gestein zu öffnen und dabei stärkere Erdbeben zu vermeiden. Um 20:15 Uhr beleuchtet die „NANO Doku“ relevante wissenschaftliche Themen, die uns bewegen. Um 21:00 Uhr diskutieren die Moderatorinnen Alena Buyx und Stephanie Rohde im Wechsel im „NANO Talk“ mit ihren Gästen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven über das Thema. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Do. 26.11.2026 3sat
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