65. Jona Reckers: Neues Leben, neuer Job
Folge 65 (30 Min.)Behindert sein und ein Start-up gründen? Für Anna Hörster und Jona Recker war das kein Widerspruch – im Gegenteil. Sie sind bewusst das Risiko eingegangen und sind nun ihr eigener Chef. Anna Hörster hat das Ehlers-Danlos-Syndrom, eine schwere Erbkrankheit. Jona Recker ist unfallbedingt auf den Rollstuhl angewiesen. Während Hörster medizinische Hilfsmittel schöner gestaltet, berät Recker Menschen mit Behinderung zu ihren finanziellen Ansprüchen. Anna Hörster lebt von klein auf mit starken Bauchschmerzen. Probleme mit ihrem Rücken und der Schulter kommen hinzu. Erst 2021 erhält sie die Diagnose Ehlers-Danlos-Syndrom.Eine sehr seltene, erblich bedingte Erkrankung des Bindegewebes mit zahlreichen Unterformen. Bei Anna macht sich die Erkrankung auf vielfältige Weise bemerkbar – unter anderem dadurch, dass immer wieder ihre Gelenke auskugeln oder verkeilen und sie das Gefühl hat, sie könne ihre Muskeln nicht mehr ansteuern. Daher ist sie bei längeren Strecken auf ihren Rollstuhl angewiesen. Seit 2022 muss sie sich aufgrund ihrer Magen-Darmlähmung größtenteils künstlich über Sonden und Ports ernähren. Jona Recker ist erst 17, als ihn ein einziger unbedachter Moment aus seinem gewohnten Leben reißt: Er läuft mit Freunden über einen Güterbahnhof, als er einem vorbeifahrenden Zug zu nah kommt. Dabei wird er von einem „Lichtbogen“ getroffen – einer extrem heißen elektrischen Ladung, bei der Strom durch die Luft überspringt. Die enorme Hitze schleudert ihn zu Boden. Recker erleidet schwerste Verletzungen, wird ins künstliche Koma versetzt. Als er wieder aufwacht, ist nichts mehr wie zuvor – er ist querschnittsgelähmt. Auch er muss sich als „Neu-Rollstuhlfahrer“ durch den Antragsdschungel kämpfen – und das in der Zeit, in der man eigentlich alle Kraft für seine neue Lebenssituation braucht. Aus diesen Erfahrungen entsteht mit einem Freund eine gemeinsame Idee: das Start-up „Help Yuu“. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Fr. 06.11.2026 3sat 66. Gegen alle Vorurteile
Folge 66 (30 Min.)Sie sind stärker als ihre Vorurteile: Alhassane Baldé und Abbas Yalahow. Beide sind körperlich behindert und Migranten. Doch was sie eint, ist ihr ehrenamtliches Engagement. Baldé kam als Kind aus Guinea nach Deutschland. Heute arbeitet der Rollstuhlfahrer als Unternehmer und Inklusionsbotschafter. Yalahow verlor in Mogadischu sein Augenlicht und musste fliehen. In Somalia gab es für Menschen mit Behinderung kaum Unterstützung. Yalahow war 16, als eine Explosion in seiner Heimatstadt Mogadischu sein bisheriges Leben jäh veränderte. Er wurde schwer verletzt und lag mehrere Tage ohne medizinische Hilfe im Krankenhaus. Menschen mit Behinderung werden gesellschaftlich geächtet und als Belastung für die Familie angesehen.Gemeinsam mit seiner Schwester entschloss sich Yalahow zur Flucht. Der Ex-Profi-Sportler Baldé startete als einer der jüngsten deutschen Rennrollstuhlfahrer auf mehreren Paralympics. Heute arbeitet er als Berater für den Vorstand der Bundesagentur für Arbeit und unterstützt mit seiner Agentur behinderte Athleten bei der Sponsorensuche. Auch privat kennt Baldé Situationen, in denen Menschen ihn auf Hautfarbe oder Rollstuhl reduzieren. „Ich kam in ein völlig neues Land mit einer neuen Kultur, einem neuen Klima und einer Sprache, die ich noch nicht konnte“, erinnert sich Abbas Yalahow an seine Ankunft in Deutschland. Inzwischen spricht er perfekt Deutsch, hat eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen und sich in Berlin ein neues Leben aufgebaut. Über einen Onlineshop verkauft er beispielsweise Weihrauch und Myrrhe aus Somalia. Yalahow engagiert sich jedoch auch als Begleitservice für Menschen mit Behinderung, ein Angebot des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg. Für viele blinde und sehbehinderte Menschen wie er bedeutet das Angebot Mobilität und Unabhängigkeit im Alltag. „Hier habe ich als deutscher Bürger die Möglichkeit, mich einzusetzen – und ich nutze meine Stimme!“ (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Fr. 04.12.2026 3sat
