Stottern und Lehrerin werden? Das ist Jennis großer Traum.
Bild: WDR/Tarja Kühne
Mit 32 Jahren verändert ein Schlaganfall das Leben von Jennifer Springer schlagartig. Von einem Moment auf den anderen verliert die lebensfrohe und selbstbewusste Lehramts-Studentin die Kontrolle über ihren Körper – und ihre Sprache. Seitdem stottert sie. Für die heute 34-Jährige bedeutet das nicht nur eine alltägliche Herausforderung, sondern auch eine tiefgreifende Erschütterung ihres Selbstbilds. Monatelang muss sie nicht nur mühsam ins Leben zurückfinden, sondern auch das flüssige Sprechen neu lernen. Im Alltag erfährt sie viel Ablehnung und Demütigungen, wenn sie sich nicht schnell genug ausdrücken kann. „Wo ist denn dein Betreuer?“, wurde sie schon gefragt. Sie entwickelte Ängste: vor dem Einkaufen beim Bäcker, vor dem Bahnfahren oder davor, mit fremden Leuten zu sprechen.
Doch Jenni will den Mut nicht verlieren, sie geht zurück an die Uni, um ihr Masterstudium zur Deutsch- und Erdkundelehrerin abzuschließen. Dafür muss Jenni ein Praxissemester an einem Kölner Gymnasium absolvieren und dort auch unterrichten. In diesem halben Jahr wird sich ihre berufliche Zukunft entscheiden. Denn gerade, wenn es laut ist, stottert sie deutlich mehr. Parallel therapiert Jenni ihr Stottern bei einem deutschlandweit einmaligen Projekt: der Bonner Stotter-Therapie. Macht sie genug Fortschritte, bis sie alleine vor einer Klasse stehen muss? Und wie verhält sie sich, wenn Schüler sie nachäffen oder auslachen? (Text: ARD)
In ihrer Gemeinde entwickelt Rebecca Assif neue, niedrigschwellige Angebote, sucht den direkten Kontakt zu Menschen im Stadtteil und versucht, traditionelle Strukturen aufzubrechen.
Bild: NDR / NDR Presse und Information
Rebecca Assif ist Pastorin in Hamburg-Wilhelmsburg. Sie predigt, tauft und versucht, einen Ort zu schaffen für Menschen, die sonst wenig Berührung mit der Kirche haben. Wer sie auf der Kanzel erlebt, sieht eine selbstbewusste junge Frau, die anderen Menschen Halt und Orientierung gibt – Dinge, die ihr selbst lange gefehlt haben. Denn Rebecca wächst unter schwierigen Bedingungen auf. Sie verliert früh ihre Mutter und nach und nach auch den Rest ihrer Familie, kommt in eine Pflegefamilie, in der sie Gewalt erlebt. Lange bleibt ihre Situation im Verborgenen, bis ein Lehrer und eine Schulsozialarbeiterin eingreifen, sie aus der Pflegefamilie herausholen und im Kinderheim unterbringen.
Inmitten dieser Unruhe findet Rebecca früh einen Anker in der Kirche. Eines ihrer kostbarsten Besitztümer ist eine Kinderbibel, die sie bei jedem ihrer Umzüge mit sich nimmt. Der Film begleitet die heute 34-Jährige in ihrem privaten und beruflichen Alltag, erlebt sie zwischen Verantwortung und Selbstbehauptung. In ihrer Gemeinde entwickelt sie neue, niedrigschwellige Angebote, sucht den direkten Kontakt zu Menschen im Stadtteil und versucht, traditionelle Strukturen aufzubrechen. Gleichzeitig bewegt sie sich in einem System mit festen Rollen und Erwartungen, in das sie nicht immer ganz reinzupassen scheint. Das Gefühl, eine Außenseiterin zu sein, lässt Rebecca nie ganz los.
Immer wieder öffnet sich der Blick zurück: beim Durchsehen alter Kinderfotos, die Erinnerungen wachrufen. Bei der Rückkehr an den Ort, an dem sie als Kind mit ihrer Mutter gelebt hat. Ein Wiedersehen mit den Menschen, die ihr als Kind geholfen und damit entscheidende Weichen in ihrem Leben gestellt haben. Und in vertrauten Momenten mit ihrer besten Freundin aus dem Kinderheim, mit der sie bis heute eng verbunden ist. Ein Film über eine Frau, die sich allen Widerständen zum Trotz ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben aufgebaut hat – und sich trotzdem immer wieder fragen muss, wo sie wirklich hingehört. (Text: ARD)