Ring frei für die U3

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Mehr als 110 Jahre hat die Hamburger U-Bahn auf dem Buckel, wurde 1912 in Betrieb genommen. Der älteste Abschnitt des Liniennetzes befindet sich in der Innenstadt auf der Strecke der U3. Er wurde umfassend saniert und deshalb für 14 Monate gesperrt. Eine lange Zeit für die Menschen in Hamburg und für die Gäste, die in der Stadt sind. Doch die Bauplaner sind sehr stolz, dass sie in vergleichsweise kurzer Zeit so viel wuppen! Projektsteuerer Frank Assies erklärt, dass der Umbau mitten in der City für die Hochbahn ein einzigartiges Großprojekt ist.
Die Baustoffe wurden hauptsächlich über Arbeitszüge herangeschafft, denn Lkw passen nicht in den U-Bahn-Tunnel. Der sogenannte U-Bahn-Trog, der zum Viadukt am Rödingsmarkt hinaufführt, wurde innen und außen komplett erneuert. Dafür wurden Wände, Böden und Gleise ausgebaut. Die Besonderheit: Der Trog befindet sich direkt im Mönkedammfleet und ist von Wasser umgeben. Das Fleet wurde deshalb kurzerhand trockengelegt. So konnten auch die über 110 Jahre alten Holzpfähle im Boden durch moderne Stahlkonstruktionen ergänzt werden.
Anschließend wurde alles wieder neu aufgebaut und die Gleise verlegt. Doch damit nicht genug: Es wurden 860 Meter Tunnel saniert, Hochwasserschutztore installiert, Brücken mit neuem Korrosionsschutz angestrichen und die Haltestellen Rathaus und Mönckebergstraße barrierefrei ausgebaut und erneuert. Die Haltestelle Mönckebergstraße bekam außerdem einen weiteren Zugang. Auch die Haltestelle Rödingsmarkt wurde saniert. 86 Millionen Euro investiert die Hochbahn in die Erneuerung des etwa 1300 Meter langen Abschnitts der U3.
Bei Wiedereröffnung der historischen Strecke Ende März 2022 will Ingenieur Frank Assies morgens um 4:05 Uhr in der allerersten U3 sitzen und die freie Fahrt genießen. Diesen besonderen Moment wird er sich nicht entgehen lassen. Bevor die ersten U-Bahnen wieder rollen, ist Ingo Saul im Einsatz. Sein Arbeitszug, der sogenannte Glattmoker, verdichtet den Schotter unter den neu verlegten Gleisen. Dadurch korrigiert er die Lage der Schienen millimetergenau. Liegt Ingo Saul mit seinem Team nur wenige Millimeter daneben, besteht die Gefahr, dass eine U-Bahn gegen die Tunnelwände stößt.
Denn zwischen Rathaus und dem Viadukt am Rödingsmarkt befindet sich die engste und steilste U-Bahn-Kurve Deutschlands. Hier muss auch die sogenannte Überhöhung der Gleise penibel eingehalten werden. Damit wird verhindert, dass die Bahn in der Kurve schleudert oder umkippt. Außerdem sorgt der Glattmoker für eine ruckelfreie Fahrt. Seit mehr als 32 Jahren ist Ingo Saul mit dem Arbeitszug unterwegs. Sogar in Kopenhagen und Rotterdam hat er schon Schotter gestopft.
Für den Polier gibt es keinen schöneren Beruf. „Ich gehe mit der Maschine auch in Rente. Aber da lasse ich mir noch ganz viel Zeit“, sagt er. Feuertaufe für Michael Neumeister und seinen 160 PS starken Staubsaugerzug. Normalerweise ist die Maschine nur im Frühjahr und im Herbst im Einsatz, um Laub von den Gleisen zu sammeln. Jetzt soll sie auf der Baustelle im Tunnel für Ordnung sorgen, denn bei den umfangreichen Bauarbeiten ist viel Schmutz im Gleisbett liegen geblieben. Michael Neumeister und seine Kolleginnen und Kollegen testen, ob der Saugzug diese Aufgabe schafft.
Malermeisterin Jacqueline Shaw ist seit Februar 2022 im Einsatz, um die Haltestelle Rathaus wieder neu erstrahlen zu lassen. Mit ihren Kolleginnen und Kollegen schleift, verputzt und streicht sie die Jahre alten Wände und Decken. Erschwerte Bedingungen für alle. Denn in der Tunnelhaltestelle sind viele Gewerke gleichzeitig am Bauen und der Platz ist begrenzt. Die Malergerüste für die Arbeiten an der Bahnhofsdecke müssen deshalb jeden Morgen auf- und am Abend wieder abgebaut werden.
Jacqueline Shaw nimmt die Umstände mit Gelassenheit. Denn sie liebt die besondere Baustelle unterm Rathaus und weiß, dass die Strecke nur dann eröffnet werden kann, wenn alle Hand in Hand arbeiten und rechtzeitig fertig werden. Der Film begleitet die Arbeiten in den letzten Wochen vor der Freigabe der Strecke. „Die Nordreportage“ gibt Einblicke in die spannendste Baustelle Hamburgs und zeigt die Menschen, die hinter der Instandsetzung des ältesten U-Bahn-Abschnitts der Stadt stehen. Bis es dann ab Ende März 2022 wieder heißt: Ring frei für die U3. (Text: NDR)

Cast & Crew

Drehbuch: Sylvi Hoschke
Produktion: Karin Hauschildt
Produktionsauftrag: Norddeutscher Rundfunk (NDR)
Redaktion: Birgit Schanzen

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