Wurde das demokratische Streiten verlernt? Debatten werden täglich aggressiver: Es wird mehr behauptet als begründet, mehr provoziert als argumentiert. Dabei ist Streit der Motor der Demokratie und Ausdruck politischer Freiheit. Demokratie verlangt, Gegensätze auszuhalten, ohne sie zu vernichten. Doch diese Fähigkeit gerät unter Druck. Soziale Medien belohnen Emotionalisierung und Eskalation. Der politische Streit verlagert sich zunehmend in Räume, in denen Sichtbarkeit wichtiger ist als Verständigung – und Geschwindigkeit wichtiger als Reflexion. Hinzu kommt ein postfaktisches Klima, in dem Gefühle schwerer wiegen als überprüfbare Tatsachen. Lager verhärten sich, Argumente prallen ab. Streit kippt in persönliche Abwertung. Wird Streit nur noch als Durchsetzung eigener Positionen verstanden und verliert er seinen demokratischen Kern? (Text: SWR)