• Folge 1 (40 Min.)
    Das Prag der 1920er und 1930er Jahre ist eine pulsierende europäische Metropole, die weit über die Grenzen der Tschechoslowakei hinaus strahlt und Menschen anzieht. Auf den ersten Blick scheint fast alles möglich in den zwei Jahrzehnten zwischen der Gründung der Ersten Tschechoslowakischen Republik 1918 und dem deutschen Einmarsch im März 1939: Die Stadt ist eine internationale Literatur-, Theater-, Jazz- und Tanz-Hochburg – mit Galerien und Theatern und mit einem pulsierenden Nachtleben in Bars und Varietés. Josephine Baker kommt in die Stadt, die mit New York, mit Paris und Berlin gleichzieht. Tschechische, deutsche und jüdische Künstlerinnen und Künstler machen aus der Moldau-Metropole ein „Babylon Prag“. Doch auf den zweiten Blick zeigt sich, dass die Kulturen dieser Stadt eher neben- als miteinander existierten, getrennt wie durch eine unsichtbare Mauer. Die Dokumentation „Babylon Prag“ taucht ein in die zweisprachige Welt der Prager Kultur jener beiden Jahrzehnte, in denen Prager Künstler Großes geleistet haben, allen voran Kafka mit seinen Romanen und Romanfragmenten. Dabei ist dieses erste Jahrzehnt der jungen Republik von latenten Konflikten zwischen Tschechen und Deutschen geprägt. Obwohl in der Minderzahl, hatten die Deutschen unter der Herrschaft der Habsburger großen Einfluss. Jetzt verweisen die Tschechen die ehemals dominierende Minderheit auf den zweiten Platz, was Unmut schürt. Und so kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen, deren innere Triebfeder der Nationalismus ist – das unselige Erbe des 19. Jahrhunderts. (Text: arte)
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  • Folge 2 (45 Min.)
    Die Weltwirtschaftskrise nach dem Schwarzen Freitag 1929 gießt Öl in die schwelenden Konflikte zwischen den Deutschen und den Tschechen. Die Deutschen dominierten früher das öffentliche Leben und finden sich plötzlich auf dem zweiten Platz wieder. Tschechen und Slowaken sehen die Erste Tschechoslowakische Republik vor allem als ihre Republik. Keine Seite bemüht sich um Gemeinsamkeit. Man lebt nebeneinanderher. Die schwierige wirtschaftliche Lage trifft vor allem die sudetendeutschen Gebiete nahe der Grenze zum Deutschen Reich, die ihre Absatzmärkte verlieren. Mit der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 spitzt sich die komplizierte Lage noch weiter zu. Auf der tschechischen wie auf der deutschen Seite drängen sich nationalistische Kräfte immer stärker in den Vordergrund. Zudem kommen Exilanten aus dem Deutschen Reich in das nahegelegene Prag. Einige, wie die Brüder Thomas und Heinrich Mann, erhalten sogar die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft. Künstler wie Karel Čapek und Max Brod und Journalistinnen wie Milena Jesenská bemühen sich um Vermittlung bemühen – doch die Menschen hören nicht auf sie. Hitler allerdings nutzt die Gunst der Stunde. Bei der Münchner Konferenz werden die Sudeten 1938 dem Deutschen Reich zugesprochen. Die Tschechen dort fliehen nach Prag. Als die Wehrmacht 1939 einmarschiert, endet die politische Eigenständigkeit der Zweiten Tschechoslowakischen Republik. Der Naziterror beginnt, der viele Literaten und bildende Künstler ins Exil treiben wird. Wer bleibt, dem drohen oft Verhaftung und Konzentrationslager. (Text: arte)
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