• Folge 98 (45 Min.)
    „Ohne das umgebaute Bürohaus hätte ich keine Wohnung gefunden“, sagt Mieter Adil Bouthiche. – Bild: NDR/​ARD/​Boris Mahlau/​OTHER PEOPLE pictures
    „Ohne das umgebaute Bürohaus hätte ich keine Wohnung gefunden“, sagt Mieter Adil Bouthiche.
    Lange Zeit wurden in Deutschland mit Büromieten Milliarden verdient. Dann kamen Corona und das Homeoffice. Immer weniger Büros wurden gebraucht, der Leerstand nahm dramatisch zu. In den sieben größten Städten des Landes hat er sich sogar verdreifacht. Und eine Besserung ist am Markt nicht in Sicht. Jetzt fordern Architekten und Ökonomen, die leeren Büroflächen anders zu nutzen. Denn in Deutschland fehlen aktuell 1,4 Millionen Wohnungen – eines der drängendsten sozialen Probleme mit dem Potenzial, das Vertrauen in die Demokratie zu untergraben. Da wäre jedes leer stehende Bürohaus, das zu Wohnraum umgewandelt wird, hilfreich. Noch dazu würde die Umwelt profitieren: Denn moderne Gebäude müssen zwar höhere Ökostandards erfüllen. Dem stehen jedoch enorme Klimaschäden gegenüber, die der Abriss der Altbauten sowie der Neubau verursachen. Erste erfolgreiche Beispiele für die Umnutzung leer stehender Büros gibt es schon, wie diese ARD-Dokumentation an Beispielen aus Konstanz und Bremen zeigt. Auch die Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen Verena Hubertz (SPD) unterstützt die Idee mit einem neuen Förderprogramm und 300 Millionen Euro. Und trotzdem zögern in der Immobilien- und Bauwirtschaft noch immer viele. Weil sie von einer Wiederbelebung des Büromarktes und von Renditen in zweistelliger Prozenthöhe träumen? Weil steuerliche Abschreibungen, die sich für die nicht vermieteten Flächen nach Schätzungen auf dreistellige Millionenbeträge addieren, den Leerstand noch erträglicher machen als den Umbau? Um herauszufinden, warum die üblichen Marktmechanismen zwischen Überangebot an Büros und ungedeckter Nachfrage an Wohnraum nicht funktionieren, machen sich Grimme-Preisträger Hauke Wendler und sein Kamerateam auf eine Reise quer durch die Republik. Warum droht eine Idee, von der Mensch und Umwelt profitieren würden, zu scheitern? Und was können wir ändern, damit nicht etwa internationale Investoren bestimmen, wohin es mit dem deutschen Immobilienmarkt geht? (Text: ARD)
    Deutsche TV-Premiere Di. 04.08.2026 Das Erste
  • Folge 99 (45 Min.)
    Verkaufsraum für chinesische Fast Fashion in Prato.
    In deutschen Fußgängerzonen, auf Wochenmärkten und Flohmärkten kommt man nicht daran vorbei: In unglaublichen Mengen wird Kleidung mit dem Label „Made in Italy“ verkauft, aber zu Billigpreisen, die kaum zu erklären sind. Was steckt dahinter? Danilo Ceccarelli, „Senior Coordinator“ der Europäischen Staatsanwaltschaft EPPO, sagt dazu: „In den letzten 20 Jahren hat sich ein verborgenes System chinesischer Organisationen in der europäischen Textilindustrie ausgebreitet. Niemand hat es gemerkt, auch wir nicht. Bis jetzt. Wir müssen nun massiv gegen ein riesiges EU-weites Netzwerk aus halblegalen, illegalen, teilweise mafiösen und staatli-chen chinesischen Strukturen bei uns vorgehen.“ Die „ARD Story“ geht auf die Spur dieser Geschichte; die Suche führt zunächst in die alte toskanische Textilstadt Prato. Hier werden traditionell edle Stoffe für italienische Mode hergestellt; das Label „“Made in Italy“ ist hier seit Generationen in erster Linie ein Qualitätsversprechen. Aber hier entstand auch das chinesische Fast-Fashion-System, das sich in ganz Europa ausgebreitet hat. In endlosen Fabrikhallen wird hier unter weitgehend unkontrollierten Arbeitsbedingungen Massenware für den europäischen Markt produziert. Mitten in der EU, mit dem attraktiven Label „Made in Italy“. Dieses „System Prato“ floriert und wächst. Längst haben die Summen, um die es geht, vor Ort zu einer spezifischen Form von Gewalt und Kriminalität geführt. Im sogenannten „Kleiderbügelkrieg“, über den die italienischen Medien immer wieder berichten, kommt es regelmäßig zu Bedrohung, Einschüchterung und Schutzgelderpressung; auch einige Mordfälle der vergangenen Monate werden dem Milieu der Fast Fashion zugerechnet. Ermittler und investigative Journalisten gehen davon aus, dass die chinesische Mafia dabei eine entscheidende Rolle spielt. Unterstützung bei der Bekämpfung des „System Prato“ kommt jetzt von ganz anderer Seite; neuerdings gibt es Ermittlungen der Europäischen Staatsanwaltschaft (EPPO) wegen Schmuggels und Zollbetrugs. Staatsanwalt Ceccarelli und sein Team gehen davon aus, dass der EU seit Jahren Milliarden Euro an Importzöllen und Steuern entgehen. Denn die Stoffe für die Billigmode aus Prato kommen aus China und werden in die EU geschmuggelt, in der Regel über Häfen, die dank der Seidenstraßen-Initiative der chinesischen Regierung bereits teilweise oder mehrheitlich China gehören. Dabei werden Schwachstellen in den Zollbehörden und verschiedene eher laxe EU-Handelsregeln gezielt ausgenutzt. Im Hafen von Piräus, der mehrheitlich dem chinesischen Staatskonzern COSCO gehört, hat die EPPO im Rahmen der „Operation Calypso“ vor einigen Monaten über 2.400 Container aus China beschlagnahmt, korrupte Zöllner und Zwischenhändler verhaftet und der organisierten Kriminalität einen Schaden von über 700 Millionen Euro zugefügt. „Das war erst der Anfang“, sagt Staatsanwalt Ceccareli. Aber die Dimensionen sind gewaltig. Mittlerweile wird das „System Prato“ auch als Blaupause für große Produktionsstätten außerhalb von Paris und Madrid genutzt. Und wie sehr sich die illegalen chinesischen Organisationen in Italien etabliert haben, zeigt ein Phänomen, das selbst erfahrenen Mafiajägern die Sprache verschlägt: Mit Hilfe des Fast Fashion Handels wird europaweit Geld gewaschen, auch das der italienischen Mafia. Der zuständige Staatsanwalt in Prato, Luca Tescaroli, spitzt das so zu: „Jeder, der in Europa ein Modestück von diesen Produzenten kauft, muss wissen, dass er damit die Mafia unterstützt.“ Die „ARD Story“ zeigt das sogenannte „System Prato“ und seine europaweite Dimension auf und macht es sichtbar. Autor Dominik v. Eisenhart-Rothe begleitet EU-Staatsanwalt Ceccarelli und sein Team bei ihren Ermittlungen und Aktionen. In Prato trifft er italienische Investigativjournalisten, die seit Jahren zur Kriminalität rund um die chinesische Fast Fashion recherchieren, Gewerkschafter, die gegen die Ausbeutung in diesen Unternehmen kämpfen, und Aktivisten, die die Umweltschäden durch chemiehaltige Müllberge dokumentieren. Es geht um nicht weniger als – auf der einen Seite – Korruption und Wirtschaftskriminalität in gigantischem Ausmaß und – auf der anderen Seite – um chinesische organisierte Kriminalität, die über Leichen geht. (Text: ARD)
    Deutsche TV-Premiere Mi. 05.08.2026 Das Erste
  • Folge 100 (45 Min.)
    Lea Schneider kam bereits als Kind mit Pornografie in Kontakt und berichtet heute offen über die belastenden Folgen dieser frühen Erfahrungen.
    Lea ist acht Jahre alt, als sie zum ersten Mal Pornografie sieht. Aus Schock wird regelmäßiger Konsum. Sie steht exemplarisch für viele junge Menschen, deren erstes Bild von Sexualität durch das Internet entsteht. Gleichzeitig haben sie ihre ersten sexuellen Erfahrungen so spät wie keine Generation zuvor. Die „ARD Story“ fragt, wie Pornografie die sexuelle Entwicklung junger Menschen verändert und warum Erwachsene über ein Thema schweigen, das zum Alltag vieler Kinder und Jugendlicher gehört. Kinder sehen Pornografie immer früher – und haben gleichzeitig ihre ersten sexuellen Erfahrungen so spät wie keine Generation zuvor. Wie passt das zusammen? Die „ARD Story“ geht diesem Widerspruch nach und fragt, wie Pornografie die sexuelle Entwicklung junger Menschen verändert – und warum Erwachsene oft genau dort schweigen, wo Orientierung am dringendsten gebraucht wird. Lea ist acht Jahre alt, als sie zum ersten Mal pornografische Inhalte sieht. „Mein erster Gedanke war Schock und Angst. Als Kind kannst du das gar nicht verarbeiten“, erinnert sie sich. Als sie ihr erstes Smartphone bekommt, schaut sie nachts stundenlang Pornos. Die Inhalte werden immer extremer. „Ich dachte, so müsste eine Romanze aussehen.“ Pornografie ist für Minderjährige verboten und dennoch jederzeit erreichbar. Für viele Kinder beginnt die sexuelle Sozialisation heute nicht mehr mit Gesprächen in der Familie oder der ersten Verliebtheit, sondern im Internet. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Jugendsexualitätsstudie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG): Jugendliche haben ihren ersten Geschlechtsverkehr heute überwiegend erst mit 19 Jahren. Welche Spuren hinterlässt das? Antworten geben die jungen Darstellerinnen und Darsteller des Theaterstücks „Prn“ am Deutschen Theater Berlin. Viele von ihnen kamen bereits als Kinder mit Pornografie in Berührung. „Das war mein erstes Bild von Sex“, erzählt Jonathan. Ihr Wunsch ist klar: Erwachsene müssen aufhören zu schweigen. Denn wenn Pornografie früher kommt als das Gespräch über Liebe und Sexualität, übernimmt das Internet die Aufklärung. Wie Aufklärung gelingen kann, zeigt der Film in einer sechsten Klasse in Brandenburg. Sexualpädagoginnen sprechen dort offen über Körper, Liebe, Grenzen und Pornografie. Ziel ist es, Kinder zu befähigen, zwischen pornografischer Inszenierung und Realität zu unterscheiden. Pornowissenschaftlerin Madita Oeming und Sexualaufklärer Ben Scholz sind überzeugt: Verbote allein reichen nicht aus. Jugendliche suchten in Pornos Antworten auf Fragen, die ihnen niemand beantworte. Umso wichtiger seien Aufklärung, Medienkompetenz und offene Gespräche. Wie das im Familienalltag gelingen kann, zeigt eine fünfköpfige Familie auf Mallorca, die bewusst offen über Liebe, Sexualität und Pornografie spricht. Die Reportage von Maria Burges (Produktion: SPIEGEL TV) verbindet persönliche Geschichten mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und politischen Hintergründen – und gibt jungen Menschen den Raum, den sie in dieser Debatte viel zu selten bekommen. (Text: ARD)
    Deutsche TV-Premiere Di. 25.08.2026 Das Erste

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